Montag, 06. Juli 2015

Italien: Wird aus frischer Milch schon bald Milchpulver?

Bis jetzt dürfen italienische Milcherzeugnisse nur mit echter, frischer Milch hergestellt werden. Doch das könnte sich ändern: Die EU-Kommission hat die italienische Regierung in einem offiziellen Brief dazu aufgefordert, das bestehende nationale Verbot von „Milchpulver, Kondensmilch und rekonstituierter Milch“ für die Erzeugung von Milchprodukten abzuschaffen. Das Nachhaltigkeits-Netzwerk Slow Food wehrt sich dagegen.

Bis jetzt dürfen italienische Milcherzeugnisse nur mit echter, frischer Milch hergestellt werden. Doch das behindere den freien Markt, so die EU.
Bis jetzt dürfen italienische Milcherzeugnisse nur mit echter, frischer Milch hergestellt werden. Doch das behindere den freien Markt, so die EU.

Die EU-Kommission will in Italiens Milchsektor eingreifen. Sie ist der Ansicht, dass Italiens Verbot von Milchersatzmitteln „den freien Handel von Waren einschränkt“.

Slow Food unterstützt das italienische Verbot und appelliert an die Regierung in Rom, dem Druck der EU nicht nachzugeben. Das Verbot sollte nach Meinung der Organisation viel mehr auch auf andere EU-Länder ausgeweitet werden.

„Der Einsatz von Milchersatzmitteln bedroht die traditionelle handwerkliche Herstellung und die Vielfalt an traditionell hergestellten Produkten und leistet der Verbrauchertäuschung Vorschub. Die Auflage der EU-Kommission geht in die falsche Richtung und eine Umsetzung zulasten von traditionellem Wissen und biologischer Vielfalt“, hieß es in einer Presseaussendung Slow Food.

Die italienische Position sollte nicht aufgeweicht werden, sondern Modell für die handwerkliche Käseproduktion in Europa sein.

Nicht Qualitätsprodukte durch industriell erzeugte Produkte ersetzen

„Wir dürfen nicht zulassen, dass Qualitätsprodukte immer mehr durch industriell erzeugte Produkte ersetzt werden, die zunehmend auf natürliche Zutaten verzichten. Genau deswegen bedarf es einer verstärkten Bewusstseinsbildung der Konsumenten auf europäischer Ebene“, so Slow Food.

„Nach der Schokolade ohne Kakaobutter und dem Wein ohne Weintrauben versucht die Agrarindustrie sich jetzt auch des für Italien wichtigen Molkereisektors anzunehmen. Die Annahme der Forderung aus Brüssel hätte verheerende Konsequenzen für diesen ohnehin angeschlagenen Wirtschaftssektor“, so Piero Sardo, Präsident der Slow Food-Stiftung für Biodiversität.

apa

stol