Mittwoch, 20. Januar 2016

Italiens Bankenaktien zum dritten Tag in Folge auf Talfahrt

An der Mailänder Börse sind die Aktienkurse der großen Banken am Mittwoch zum dritten Tag in Folge dramatisch eingebrochen. Damit setzten sie eine Talfahrt fort, die Anfang der Woche begonnen hatte.

Foto: © APA/EPA

Mehrere Bankenaktien, darunter jene der Problembanken Monte dei Paschi di Siena (MPS) und Carige, mussten auch am Mittwoch wegen starken Kursverlusten zeitweise vom Handel ausgesetzt werden.

Um Spekulationsversuche zu bremsen, hat die Börsenaufsichtsbehörde Consob ein Verbot für Leerverkäufe von MPS-Bankaktien bis Donnerstagabend verlängert. Doch diese Maßnahme hat bisher kaum Wirkung gezeigt. Am Mittwochvormittag verlor Monte dei Paschi an der Börse noch einmal 10,6 Prozent und sackte auf ein Rekordtief von 0,58 Euro. „Das ist das Niveau einer griechischen Krisenbank“, kommentierte die römische Tageszeitung „La Repubblica“ am Mittwoch. Die Aktien der Bank haben seit Jahresanfang 47 Prozent an Wert verloren, allein am Dienstag waren es gut 14 Prozent.

Der Chef des ältesten Geldhauses der Welt, Fabrizio Viola, betonte am Mittwoch, die Kursbewegungen spiegelten nicht die fundamentalen Daten des Unternehmens wider. Die MPS-Einnahmen seien im Schlussquartal 2015 gestiegen und der Rückgang bei den Einlagen begrenzt gewesen.
Das Institut habe zum Jahresende zudem so viel Liquidität zur Verfügung gehabt wie seit vier Jahren nicht mehr.

Die Überprüfung notleidender Kredite von Monte Paschi sowie fünf weiteren italienischen Banken durch die EZB hatte den Aktien der Geldhäuser zuletzt zu schaffen gemacht. Die europäischen Bankenaufseher teilten diese Woche mit, dass man von fünf Banken weitere Informationen über deren Umgang mit faulen Krediten haben will. Betroffen seien die Bank-Austria-Mutter UniCredit, Monte dei Paschi, Carige, die Mailänder Volksbank BPM und Banco Popolare.

Die Banken des Landes sitzen auf einem 200 Mrd. Euro hohen Berg von Darlehen, deren Rückzahlung fraglich ist. Diese sollen in eine sogenannte Bad Bank ausgelagert werden. Selbst die bisher nicht von Bilanzzweifeln belasteten Großbanken UniCredit und Intesa Sanpaolo wurden in den Sog der Vertrauenskrise gezogen. Die Bank Austria-Mutter verlor seit Jahresbeginn rund 20 Prozent an Wert, Intesa Sanpaolo mehr als 10 Prozent.

Laut einem Regierungsdekret müssen die Genossenschaftsbanken bis zum Ende des Jahres in Aktiengesellschaften umgewandelt werden. Wirtschaftsexperten kritisieren, dass die Reform nicht schnell genug vorangeht. Eine Lösung für den ungesund hohen Bestand an notleidenden Krediten könnte auch eine Bad Bank sein. Die ist seit langem im Gespräch. Doch darüber hat Wirtschafts- und Finanzminister Pier Carlo Padoan noch keine Einigung mit der EU-Kommission erzielt.

apa

stol