Samstag, 02. April 2016

Italiens Milchbauern protestierten in Udine – Kühe auf den Straßen

Tausende Milchbauer haben am Samstagvormittag in Udine gegen sinkende Preise nach dem Wegfall der EU-Milchquoten vor einem Jahr protestiert. Mit Kühen und Traktoren versammelten sich die Bauern im Zentrum der friulanischen Stadt und folgten somit einem Appell des Landwirtschaftsverbands Coldiretti.

Der Protest der Milchbauern.
Der Protest der Milchbauern.

Die italienischen Milchproduzenten klagten über schwere Einbußen nach dem Ende des Systems der EU-Milchquoten und über die niedrigen Preise, die der Großhandel für Milch zahle. Im letzten Jahr sei der Preis, den Milchbauern für einen Liter Milch bezahlt bekommen, auf 0,33 Cent gesunken, ein Niveau wie vor 15 Jahren.
Mit diesen niedrigen Preisen könne man nicht einmal die Kosten für die Fütterung der Kühe decken. Konsumenten zahlen dagegen für einen Liter Milch hoher Qualität durchschnittlich 1,5 Euro pro Liter, klagte Coldiretti. Frische Milch sei in Italien um 30 Prozent teurer als in Deutschland, davon würden jedoch nicht die Milchbauern profitieren.

Coldiretti-Chef Roberto Moncalvo klagte über eine Strategie, die Milchproduktion in Italien zu zerstören und billige Milchimporte aus dem Ausland zu fördern.

„Für unseren Protest haben wir die Stadt Udine gewählt, weil die italienisch-österreichische Grenze, die sich nicht weit von hier befindet, das Tor für die Einfuhr Hunderter Millionen Kilo ausländischer Milch in Form bereits halbverarbeiteter Milchprodukte ist. Diese Milch dient unter anderem zur Produktion von Käse, der als italienisches Produkt verkauft wird“, klagte Moncalvo.

Seit Ende des Milchquotensystems haben in Italien 1.500 Ställe geschlossen, die meisten in Berggebieten, berichtete Coldiretti. Die Zahl der Ställe im Land sei auf ein Rekordtief von 33.000 gesunken. Im Jahr 1984, als das Milchquotensystem eingeführt wurde, waren es noch 180.000. Die Auswirkungen seien vor allem in Berggemeinden negativ. Die Gefahr einer weiteren Verarmung und Entvölkerung der Berggemeinden in Italien sei konkret.

apa

stol