Sonntag, 11. Januar 2015

Italiens Notenbankchef plädiert für Staatsanleihenkäufe durch EZB

Im Kampf gegen eine Deflation hat sich Italiens Notenbankchef Ignazio Visco für Staatsanleihenkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) stark gemacht.

Ignazio Visco
Ignazio Visco - Foto: © APA/AP

„Staatsanleihenkäufe sind in dieser Situation das wirksamste Mittel“, sagte Visco der deutschen Zeitung „Welt am Sonntag“.

Im EZB-Rat würden zwar würden zwar verschiedene Möglichkeiten diskutiert, auch der Kauf anderer Wertpapiere, beispielsweise Unternehmensanleihen. „Aber dieser Markt ist nicht besonders groß. Außerdem finanzieren sich dort vor allem große Konzerne, die ohnehin bereits sehr günstig an Geld kommen.“

Visco stellt sich damit gegen Präsidenten der deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, der ein solches Kaufprogramm kritisch sieht.

Der EZB-Rat wird am 22. Jänner über eine weitere Lockerung der Geldpolitik beraten. Im Zentrum steht eine mögliche Entscheidung über ein Anleihekaufprogramm nach Vorbild beispielsweise der US-Notenbank Fed.

Auf diesem Weg würde die EZB Milliarden in die Wirtschaft pumpen, in der Hoffnung, damit die Konjunktur anzukurbeln und zugleich die Teuerungsrate wieder in Richtung ihrer Zieles von knapp unter 2,0 Prozent zu treiben. Andernfalls wird eine sogenannte Deflation befürchtet, das ist eine gefährliche Spirale aus sinkenden Preisen und schrumpfender Wirtschaft.

Der Italiener wies Bedenken zurück: „Das ist ein Standard-Instrument der Geldpolitik“, sagte er. „Wir nennen das nur unkonventionell, weil es in Europa so lange nicht genutzt wurde.“ Visco erinnerte auch an die aktuelle Erwartungslage: Die Finanzmärkte hätten ein solches Programm in Europa „schon in gewissem Maße eingepreist“.

apa/dpa

stol