Montag, 06. Januar 2020

Conte wirft Autobahnbetreiber schwere Nachlässigkeit vor

Der italienische Premier Giuseppe Conte droht dem Autobahnbetreiber ASPI (Autostrade per l'Italia) mit Lizenzentzug.

Die Autobahngesellschaft ASPI ist eine Tochter der an der Mailänder Börse notierten Atlantia-Holding. (Schmuckbild)
Die Autobahngesellschaft ASPI ist eine Tochter der an der Mailänder Börse notierten Atlantia-Holding. (Schmuckbild) - Foto: © APA (dpa) / Sebastian Kahnert

„Es ist offenkundig, dass jemand für gravierende und unverzeihliche Nachlässigkeit verantwortlich ist“, betonte der Premier im Interview mit der römischen Tageszeitung „La Repubblica“ (Montagsausgabe).

Die Regierung sei dabei, einen Lizenzentzug zu beschließen. „Der Beschluss wird auf technischen Bewertungen über die Mängel des Betreibers basieren“, sagte der Premier. Vor allem die stärkste italienische Regierungspartei Fünf Sterne beharrt auf einen Lizenzentzug.

ASPI war auch Betreiber der im August 2018 eingestürzten Morandi-Brücke in Genua, bei der 43 Personen ums Leben gekommen sind. Die Autobahngesellschaft ist eine Tochter der an der Mailänder Börse notierten Atlantia-Holding, die unter Kontrolle der norditalienischen Unternehmerfamilie Benetton steht.

Drohende Pleite

Atlantia-Chef Roberto Tomasi warnte, der Holding drohe die Pleite, sollte der Autobahntochter die noch 18 Jahre lang laufende Lizenz entzogen werden. „Im Fall eines Konzessionsentzugs droht uns der Bankrott, da wir offene Kreditlinien in der Größenordnung von 10,5 Mrd. Euro haben. Die Pleite hätte gravierende Folgen auch für zehntausende Anleger, sowie für unsere 7.000 Mitarbeiter und das Personal der Zulieferindustrie“, sagte Tomasi, der seit Februar 2019 Atlantia führt.

Atlantia wolle laut dem Entwicklungsplan bis 2023, der in den nächsten Tagen vorgestellt werden soll, 13 Mrd. Euro für das Autobahnnetz investieren, sagte der CEO.

Untersuchung des Autobahnnetzes

Vergangene Woche waren nahe der Hafenstadt Genua Teile des Daches eines Autobahntunnels zusammengebrochen, der ebenfalls zum Betreibernetz von „Autostrade per l'Italia“ gehört. Die Regierung forderte das Unternehmen auf, die Untersuchung seines Autobahnnetzes zu beschleunigen und alle 10 Tage darüber Bericht zu erstatten.

Autostrade ist für gut 3.500 Kilometer Autobahnen und Schnellstraßen in Italien zuständig und kassiert dafür Maut. Das Unternehmen gehört zu 88 Prozent Atlantia, 12 Prozent der Anteile liegen in Händen des deutschen Versicherers Allianz.

apa

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