Montag, 26. Oktober 2020

Italiens Starköche protestieren gegen neues Dekret

Italiens Starköche revoltieren gegen die Regierungsverordnung, laut der Restaurants, Pizzerien, Bars und Konditoreien im Land ab dem heutigen Montag um 18 Uhr schließen müssen (in Südtirol um 20 bzw. um 22 Uhr). „Jeden Tag sind Restaurantinhaber gezwungen, ihr Lokal zu schließen. Unzählige Familienbetriebe werden nicht mehr in der Lage sein, weiter zu arbeiten“, warnte der „König“ der italienischen Starköche, Gianfranco Vissani, laut Medienangaben.

2 Millionen Arbeitnehmer bangten um ihren Job, 250.000 Familien seien durch die Maßnahmen gefährdet, warnte der Branchenverband der Gastronomiebetreiber, Fipe Confcommercio.
2 Millionen Arbeitnehmer bangten um ihren Job, 250.000 Familien seien durch die Maßnahmen gefährdet, warnte der Branchenverband der Gastronomiebetreiber, Fipe Confcommercio. - Foto: © shutterstock
Vissani erklärte, er selber habe sein Restaurant in Rom schließen müssen. „Ich konnte nicht mehr weitermachen. Es gibt keine genauen Regeln. Statt uns zu unterstützen, bestraft uns die Regierung“, argumentierte Vissani. Er kritisierte unter anderem den Regierungsbeschluss, maximal 4 Personen an einem Tisch sitzen zu lassen. Diese Regelung gilt übrigens auch für Südtirol.

„Ab Dezember werden wir alle pleite sein, ganz Mailand wird ausgestorben sein. Bald wird es zu Protesten wie in Rom und Neapel kommen“, sagte Paolo Peroli, Miteigentümer eines der traditionsreichen Nachtlokalen in Mailand. Er zählt zu einer Gruppe von Lokalinhabern, die am Donnerstag vor dem Sitz der Region Lombardei gegen die restriktiven Maßnahmen protestiert hatte.

Der Mailänder TV-Starkoch Davide Oldani meinte, Restaurants seien vom Standpunkt der Hygiene sicherer als Privatwohnungen. Restaurants hätten sich bisher strikt an die Vorschriften der Regierung gehalten. „Wir werden es weiterhin tun, wir müssen Geduld haben“, sagte Oldani.
Der Gastronomen-Verband FIR schätzt wegen der neuen strengen Schutzmaßnahmen mit einem zusätzlichen Umsatzrückgang für Lokale von 70 Prozent.

„8.000 Arbeitnehmern droht allein in Mailand der Jobverlust. Die Personen gehen nicht mehr außer Haus, sie gehen nicht in Lokale und Restaurants. Der mediale Terror hat die Gastronomie zerstört“, betonte Glauco Marras, Präsident des FIR-Verbands.

2 Millionen Arbeitnehmer bangten um ihren Job, 250.000 Familien seien durch die Maßnahmen gefährdet, warnte der Branchenverband der Gastronomiebetreiber, Fipe Confcommercio. Lokalinhaber forderten von der Regierung dringende Stützungsmaßnahmen in dieser zweiten Phase der Epidemie, die die Gastronomiebranche stark beeinträchtigt. Protestkundgebungen gegen die Einschränkungen im Gastronomiebereich gab es am Samstag unter anderem in Mailand und Palermo.

Die Gastronomie in Italien generiert jährlich einen Umsatz von 84 Milliarden Euro. Die Branche habe in diesem Jahr bereits 34 Milliarden Euro verloren, so der Fipe-Verband. Wegen der Krise und der vielen Arbeitnehmer im Home-Office gäben die Italiener um 40 Prozent weniger für Speisen außer Haus aus als 2019.

apa/stol