Mittwoch, 13. Mai 2020

Italiens Tourismus droht 120 Milliarden Euro Einnahmenverlust

Lediglich 20 Prozent der Italiener werden sich in diesem Sommer einen Urlaub gönnen. Dies geht aus Schätzungen des Handelsverbands Confcommercio hervor, der im italienischen Tourismusbereich 2020 mit Einnahmenverlusten von 120 Milliarden Euro rechnet. 270.000 Betriebe in Tourismus, Gastronomie und Handel seien wegen der Coronavirus-Krise auf der Kippe, dies bedeute den Verlust von 420.000 Jobs.

Tourismus findet in Italien derzeit kaum statt.
Tourismus findet in Italien derzeit kaum statt. - Foto: © APA (AFP) / ALBERTO PIZZOLI
Der Handelsverband macht unterdessen Druck auf die Regierung für Stützungsmaßnahmen. „Wir haben noch keinerlei Hilfen erhalten“, protestierte der Verband.

Die italienische Regierung will noch am Mittwoch ein neues Hilfspaket in Höhe von rund 55 Mrd. Euro vorstellen, um die Folgen der Coronaviruspandemie zu mildern. Davon sollen die von der Krise am stärksten betroffenen Wirtschaftssektoren profitieren - vor allem Tourismus, Gastronomie, Landwirtschaft und Kultur. Das Paket enthält ein „Notstandseinkommen“, das je nach Familie zwischen 400 und 800 Euro beträgt.

Mit dem Dekret - dem dritten Hilfspaket der Regierung seit Ausbruch der Coronavirusepidemie am 20. Februar - werden Kurzarbeit sowie Zuschüsse für Babysitter in Höhe von bis zu 1.200 Euro finanziert. Auch ein „Urlaubsvoucher“ von bis zu 500 Euro ist für Familien mit Kinder vorgesehen, damit sie Sommerferien zahlen können.

In England sind am Mittwoch nach fast zwei Monaten strikter Ausgangsbeschränkungen zahlreiche Menschen zu ihren Arbeitsstätten zurückgekehrt. Wer nicht von zu Hause aus seiner Beschäftigung nachgehen kann, soll der Regierung zufolge wieder in den Unternehmen arbeiten. Dies gilt vor allem für Angestellte in Industriebetrieben.

Premierminister Boris Johnson hatte am Sonntag in einer Rede aber dazu aufgerufen, möglichst U-Bahn und Busse zu meiden. In London könnten die öffentlichen Verkehrsmittel nur ein Zehntel der üblichen Passagierzahlen aufnehmen, sagte Verkehrsminister Grant Shapps am Mittwoch in der BBC. Die Menschen müssten ausreichend Abstand zueinander halten. Auf die Frage, ob er in einen Bus oder eine U-Bahn einsteigen würde, antwortete der Minister ausweichend: „Die Menschen sollten versuchen, das zu vermeiden.“

Die Lockerung der Maßnahmen war auf starke Kritik in Großbritannien gestoßen. Das Vorgehen sei verfrüht und vieles unklar, hieß es. Die Landesteile Schottland, Wales und Nordirland gehen einen strikteren Weg. Nach offiziellen Angaben hat Großbritannien die meisten Coronatoten in Europa. Die Angaben in den unterschiedlich erhobenen Statistiken schwanken zwischen etwa 33.000 und mehr als 50.000 Toten.

apa