Sonntag, 20. September 2015

Italiens Wirtschaftswachstum kommt in Bewegung

In Italien wächst der Export kräftig, der Privatkonsum nimmt wieder zu, die Arbeitslosigkeit sinkt leicht. Nach sieben Jahren schwerer Krise kommt die Wirtschaft wieder in Bewegung. Die Konjunktur läuft besser als erwartet, was die Regierung in Rom und den Industriellenverband zur Korrektur der Wirtschaftsprognosen für 2015 und 2016 nach oben bewogen hat.

Nach sieben schweren Krisenjahren kommt die italienische Wirtschaft langsam wieder in Bewegung.
Nach sieben schweren Krisenjahren kommt die italienische Wirtschaft langsam wieder in Bewegung. - Foto: © shutterstock

Die Wirtschaft des Landes werde in diesem Jahr um 0,9 Prozent und 2016 um 1,6 Prozent wachsen, erklärte die Regierung am Freitag. Das sind jeweils 0,2 Prozentpunkte mehr als noch im April angenommen worden waren. Der neuveröffentlichte Ausblick ist die Grundlage für den Haushaltsentwurf des kommenden Jahres, den die Regierung Ende September vorstellen wird.

Darin erhöht die Regierung zudem das Defizitziel für das kommende Jahr auf 2,2 von bisher 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), obwohl durch die stärkere Konjunktur höhere Steuereinnahmen zu erwarten sind.

Noch optimistischer ist der Industrieverband Confindustria, laut dem das Bruttoinlandsprodukt von Österreichs zweitstärkstem Handelspartner bis Jahresende um ein Prozent wachsen soll, 2016 dann um 1,5 Prozent. Bisher hat Confindustria ein Plus von 0,8 Prozent für heuer und 1,4 Prozent für 2016 prognostiziert.

„Wir haben die Wende geschafft, jetzt heißt es, das Wachstum zu beschleunigen“, so Premier Matteo Renzi. Um dieses Ziel zu erreichen, will die Regierung kräftig in Großinfrastruktur investieren.

Wirtschaftswachstum im Süden fördern

Zu den Prioritäten seiner Regierung im Herbst zählt der Ministerpräsident die Förderung des Wirtschaftswachstums im Süden, der noch mehr als die norditalienischen Regionen die negativen Auswirkungen der Krisenjahre zu spüren bekommen habe. „Die wahre Herausforderung ist, das menschliche Kapital zu nutzen, damit der Süden wieder wachsen kann“, erklärte der Premier zuletzt.

Um die Konjunktur voranzutreiben, hat Renzi den Italienern außerdem bis 2018 Steuererleichterungen von 35 Mrd. Euro versprochen. Schon ab dem kommenden Jahr soll die unpopuläre Immobiliensteuer gestrichen, die Italiener mit Eigentumswohnung – 72 Prozent der Familien – zahlen müssen.

Mit seinen Plänen zur Steuerreduzierung begibt sich Renzi auf Konfrontationskurs zur EU-Kommission, die von Italien einen raschen Schuldenabbau fordert. Italiens Schuldenstand von derzeit rund 133 Prozent des BIP ist nach Griechenland der zweithöchste der Eurozone. Er soll nach der jüngsten Prognose langsamer abgebaut werden als bisher geplant.

"Digitalsteuer" ab 2017

Um die Staatskassen aufzufüllen und die Pläne zur Steuersenkung zu finanzieren, nimmt die Regierung Renzi jetzt Schwergewichte des elektronischen Handels ins Visier. Ab 2017 will das Kabinett eine sogenannte „Digitalsteuer“ einführen.

Damit sollen Internethändler mit Sitz im Ausland genau wie italienische Unternehmen besteuert werden. Onlineriesen wie Amazon, Ebay und Google drücken sich vor dem Steuerzahlen und weichen oft auf Abgaben aus, die heimische Händler zahlen müssen, meinen Experten im Wirtschaftsministerium. Dies soll sich nun ändern.

apa

stol