Italo will ab 2028 mit 30 Hochgeschwindigkeitszügen deutsche Großstädte verbinden und 3,6 Milliarden Euro investieren. Das Unternehmen verweist auf Italien, wo der Wettbewerb im Hochgeschwindigkeitsverkehr zu niedrigeren Preisen und mehr Fahrgästen geführt hat. Palla hält einen solchen Effekt in Deutschland für unwahrscheinlich: Das Schienennetz sei bereits stark ausgelastet, zusätzlicher Fernverkehr vielerorts nur begrenzt möglich. <BR /><BR />Die Südtirolerin warf Italo außerdem vor, sich die rentabelsten Strecken aussuchen zu wollen. Zudem sei der deutsche Bahnmarkt schon heute „der wettbewerbsintensivste Europas“. Über den Markteintritt soll bis Ende Juni die zuständige deutsche Behörde entscheiden. Italo weist jetzt Pallas Vorwürfe zurück, Sonderregeln zu verlangen, und fordert langfristige Planungssicherheit. <BR /><BR />„Wir sind immer ein offenes Land gewesen. Es ist richtig, dass auch Deutschland - und nicht nur andere Staaten - offen sind. Nur so kann Europa gestärkt werden“, sagte Italo-Gründer Luca Cordero di Montezemolo im Interview mit der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“. Er verwies auf die Entwicklung des italienischen Hochgeschwindigkeitsverkehrs seit dem Markteintritt Italos im Jahr 2012. <BR /><BR />Die Ticketpreise seien seitdem um rund 40 Prozent gesunken, während sich die Servicequalität verbessert habe. Internationale Studien stuften den italienischen Hochgeschwindigkeitsverkehr inzwischen als weltweiten Maßstab bei den angebotenen Dienstleistungen ein. Zugleich habe sich der Markt mit einem Wachstum von 120 Prozent mehr als verdoppelt. Dies zeige, dass ausreichend Raum für mehrere Anbieter vorhanden sei und selbst der frühere Monopolist von der Öffnung des Marktes profitiere. Dies könne nun auch in Deutschland geschehen. <BR /><BR />„Wettbewerb gefällt zunächst niemandem. Hat man sich jedoch daran gewöhnt, profitieren am Ende alle davon. Er sei ein ständiger Anreiz, sich weiter zu verbessern“, sagte Montezemolo. Italia plane in Deutschland Investitionen in Höhe von 3,6 Milliarden Euro. <BR /><BR />Vorgesehen sei die Bestellung von rund 30 Hochgeschwindigkeitszügen beim deutschen Hersteller Siemens mit einer Option auf weitere 14 Fahrzeuge sowie einem Wartungsvertrag über 30 Jahre. Dies werde zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Hinzu kämen jährliche Trassengebühren von rund 250 Millionen Euro für den Infrastrukturbetreiber Infrago. Italo rechne zudem mit rund 1.000 unbefristeten Neueinstellungen sowie weiteren etwa 1.500 Arbeitsplätzen im Umfeld von Catering, Reinigung und anderen Dienstleistungen.<BR /><BR />Mit Blick auf die Liberalisierung europäischer Märkte verweist Montezemolo auf grenzüberschreitende Bahnverbindungen zwischen Paris, London, Brüssel und Genf. „In Frankreich hat die Bahn auf Strecken wie Paris-Lyon den Flugverkehr weitgehend verdrängt. Für kürzere Distanzen wird das Flugzeug dort kaum noch genutzt“,sagte der 79-jährige Manager. Die Zukunft der europäischen Mobilität liege im Schienenverkehr, sowohl aus ökologischen als auch aus wirtschaftlichen Gründen. Besonders Geschäftsreisende profitierten von der Bahn, da sie direkt die Innenstädte erreiche und zeitraubende Wege vermeide. <BR />Flugzeug, Bahn und Straßenverkehr sollten jedoch nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern sich ergänzen.