Am Mittwoch könnte eine der letzten Hürden für die Zukunft von Iveco Defence Vehicles (IDV) mit Sitz in Bozen genommen werden. Laut Informationen aus Industriekreisen und von Gewerkschaften ist der Tag für das operative „Closing“ der Übernahme durch den italienischen Rüstungskonzern Leonardo vorgesehen. Rechtlich endgültig wird der 1,7-Milliarden-Euro-Deal jedoch erst nach Zustimmung der Iveco-Aktionäre am 25. März in Amsterdam. Grundlage ist eine Grundsatzvereinbarung zwischen Iveco und Leonardo vom Juli vergangenen Jahres.<BR /><BR />Für das Werk in Bozen-Süd würde der Schritt einen Eigentümerwechsel und zugleich eine strategische Neuausrichtung bedeuten. Der Standort gilt als technisches Zentrum für militärische Spezialfahrzeuge innerhalb von IDV. In Bozen entstehen unter anderem geschützte Fahrzeuge wie der „Lince“ sowie Fahrgestelle für schwere Radpanzer.<BR /><BR />Die Auslastung des Werks gilt als gesichert. Nach Unternehmensangaben verfügt IDV über einen Auftragsbestand von mehr als vier Milliarden Euro. Erst vergangene Woche wurde zudem ein größerer Auftrag aus Rumänien bekannt. Am Standort Bozen arbeiten rund 900 Mitarbeiter.<h3> Rheinmetall interessiert an Militär-Lkw</h3>Der Übergang von IDV zu Leonardo könnte jedoch nur ein Zwischenschritt sein. Unmittelbar nach einem erfolgreichen Abschluss zeichnet sich bereits eine zweite strategische Phase ab, in der der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall eine zentrale Rolle spielen könnte. Rheinmetall besitzt ein offizielles Vorkaufsrecht für die Sparte der militärischen Logistik-Lkw (einschließlich der Marke Astra), das nach aktuellem Stand bis Juni dieses Jahres gültig ist. Rheinmetall-Chef Armin Papperger bestätigte dies kürzlich vor Investoren. Er räumte zwar Verzögerungen im Prozess ein, betonte jedoch, dass konkrete Verhandlungen über diesen Bereich beginnen, sobald Leonardo die Kontrolle über die gesamte Iveco-Verteidigungseinheit übernommen hat.<h3> Die mögliche Rolle des Standorts Bozen</h3>Was könnte diese Operation für den Bozner Hauptsitz bedeuten? Das wahrscheinlichste Szenario würde eine strategische Aufteilung der Kompetenzen vorsehen: Leonardo dürfte Bozen als technologisches Kompetenzzentrum für das Kerngeschäft stärken – die Entwicklung und Fertigung von Radpanzern, amphibischen Kampfsystemen und geschützten taktischen Fahrzeugen. <BR /><BR />Rheinmetall hingegen würde die Führung im Bereich der schweren Logistik-Lkw übernehmen und deren Vertrieb sowie die Endmontage in die globale Struktur der Rheinmetall MAN Military Vehicles (RMMV) integrieren. <BR /><BR />In diesem Gefüge würde das Bozner Werk seine Rolle als spezialisierter High-Tech-Zulieferer für gepanzerte Kabinen festigen. Damit bliebe die wertschöpfungsintensive Schutztechnologie in Südtirol, während die Fahrzeuge über das weltweite Netzwerk der Deutschen vermarktet werden.