Zugleich habe das Drama das Finanzsystem „zurück in die Gefahrenzone befördert“, warnte der Chef der IWF-Kapitalmarktabteilung, José Viñals, am Mittwoch: „Wir stecken in einer Vertrauenskrise, die von drei Faktoren bestimmt wird: Schwaches Wachstum, schwache Bilanzen und einer schwachen Politik.“ Abermals habe man mit „einer großen Bedrohung der Weltwirtschaft“ zu tun.Zwei Drittel der 300 Milliarden Euro davon rührten direkt von Beständen an Anleihen von Schuldenstaaten her, heißt es im jüngsten IWF-Bericht zur Stabilität des globalen Finanzsystems, der am Mittwoch in Washington vorgelegt wurde. Dabei handele es sich um „potenzielle Verluste“, sagte Viñals. Weitere etwa 100 Milliarden Euro kämen noch einmal durch Finanzverbindungen von europäischen Geldhäusern mit Banken in den Krisenstaaten hinzu.Einige Banken hätten bereits den Zugang zu privaten Kapitalquellen verloren, der Druck auf die Geldhäuser steige, befindet der Fonds weiter. Dadurch erhöhe sich das Risiko neuer Kreditengpässe und Belastungen der Konjunktur. „Das muss vermieden werden“, so Viñals.Um gegenzusteuern, müsse die Politik „glaubhafte Strategien“ zum Schuldenabbau vorlegen und die Belastbarkeit der Banken erhöhen. Jedoch: „Politiker auf beiden Seiten des Atlantik haben noch keine breite Unterstützung für die notwendigen Maßnahmen. Entsprechend stellen die Märkte ihre Entschlossenheit infrage“, so Viñals. Nötig sei, „schnell und umfassend“ die öffentlichen Haushalte und die private Verschuldung in den USA in Ordnung zu bringen sowie den Banken zu einer ausreichenden Kapitalausstattung zu verhelfen.Der IWF betrachtete für die Berechnung der direkten Belastungen der Banken durch die Schuldenkrise die Veränderungen bei Kreditausfallversicherungen (CDS) auf Staatsanleihen der ursprünglichen Problemländer Griechenland, Irland und Portugal, aber auch Belgien, Italien und Spanien seit 2010. Über diesen Weg kalkulierten die Fonds-Experten die Anleihewerte nach Marktpreisen. Der Fonds unterstreicht jedoch, dass die genannten Summen nicht einen Kapitalbedarf der europäischen Banken darstellten.Unterm Strich hätten sich die Risiken für die Finanzstabilität in den vergangenen Monaten erheblich erhöht, meint der IWF in dem Bericht. In der Eurozone habe politischer Streit innerhalb von Ländern wie auch zwischen Staaten, die Hilfestellung leisten, eine dauerhafte Lösung behindert, kritisiert der Weltwährungsfonds.In den USA wüchsen unterdessen die Zweifel, ob die Politik in Washington zu einer Einigung auf eine mittelfristige Haushaltskonsolidierung imstande sei – ein Schritt, der für die globale Stabilität von entscheidender Bedeutung sei.Dieses „schwache Politik- und Finanzmarktumfeld“ lasse die Sorge um Ausfallrisiken wachsen. „Die Risiken sind größer geworden, und die Zeit läuft ab, um Schwachpunkte anzugehen, die das globale Finanzsystem und die Konjunkturerholung gefährden.“José Viñals unterstrich die Haltung des IWF, Banken notfalls auch zwangsweise mit öffentlichem Kapital zu versorgen, sollten private Kapitalquellen nicht oder nicht ausreichend zur Verfügung stehen. Die Position des Weltwährungsfonds, die zuerst Fonds-Chefin Christine Lagarde geäußert hatte, löste in der Bankenwelt breite Kritik aus.dpa