Sonntag, 05. Juli 2015

„Ja“ oder „Nein“ – Griechen-Votum lässt Börsen bibbern

„Ja“ oder „Nein“ – Sommerrally oder Mini-Crash: Die für Sonntag geplante Volksabstimmung der Griechen über die von den Gläubigern angemahnten Reformen wird für die neue Börsenwoche entscheidend sein. Nervös zitterten die Anleger dem nächsten Akt in dem Drama entgegen. Der DAX fiel bis zum Freitag auf Wochensicht um mehr als drei Prozent auf rund 11.058 Punkte.

Symbolbild
Symbolbild - Foto: © APA/EPA

Die Kurse an Europas Börsen schwankten so stark wie seit Oktober nicht mehr. Denn in Griechenland herrscht Ausnahmezustand: Die Banken sind größtenteils geschlossen, Hamsterkäufe nehmen zu. An der Börse in Athen findet bereits seit Tagen kein Handel statt. Die internationalen Geldgeber wollen erst nach dem Referendum wieder mit der Regierung verhandeln.

Auf ein „Ja“ am Sonntag werden die Finanzmärkte nach einhelliger Meinung der Strategen und Börsianer erleichtert reagieren. Die Verhandlungen über weitere Finanzhilfen an das hoch verschuldete Land würden einfacher, ein neues Hilfsprogramm zum Greifen nah. „Zwar müsste man sich dann erst auf konkrete Reformen einigen, aber der alles entscheidende Wille wäre da“, sagt Marktexperte Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co.

Ein Kurssprung von zwei bis vier Prozent sei dem Dax dann zuzutrauen. Langfristig seien sogar bis zu zehn Prozent DAX-Plus in den kommenden Monaten drin. Zu Ende wäre die Krise damit laut Commerzbank aber nicht. „Die politische Unsicherheit bliebe hoch und das Risiko eines Staatsbankrotts schwelte weiter“, erklärt das Institut.

Risiko Grexit

Bei einem „Nein“ würde ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro, der sogenannte Grexit, nach Meinung der Profis bedrohlich näher rücken. „Die Marktreaktionen werden in diesem Fall – zumindest auf kurze Sicht – sehr heftig ausfallen“, befürchtet NordLB-Stratege Mario Gruppe.

Am Aktienmarkt müssten Anleger mit deutlichen Kursverlusten rechnen, die Risikoprämie von Staatsanleihen der Länder Südeuropas dürften massiv ansteigen, der Euro abtauchen. Bundesanleihen wären als sicherer Hafen sehr gefragt.

Alles Weitere hängt vom Verlauf der Verhandlungen zwischen dem Land und den Euro-Partnern ab – mit düsteren Vorzeichen. „Es wird sich zeigen, ob Griechenland angesichts des drohenden Grexits und der dann zu erwartenden negativen wirtschaftlichen und sozialen Folgen einknickt oder im Hinblick auf die den Wählern versprochene Standfestigkeit gegenüber den Gläubigern das Experiment eines Euro-Ausstiegs wagt“, meint die DZ Bank. Die Bereitschaft der Gläubiger, ihrerseits auf Griechenland zuzugehen, dürfte nicht hoch sein.

apa/reuters

stol