Im Interview spricht er über große Fußstapfen, seine Vision für die Kellerei und Trends in der Weinwirtschaft. <b>Von Herbert Taschler</b><BR /><BR />Jakob Gasser, Jahrgang 1994, wuchs in Bozen/Gries auf, besuchte die Oberschule für Landwirtschaft in Auer und studierte anschließend Weinbau und Önologie in San Michele all’Adige, an der Universität Udine und an der Fachhochschule Geisenheim. Seine akademische Ausbildung schloss er 2017 mit einem Doppeldiplom der Universitäten Geisenheim und Udine ab. <BR />Nach Betriebspraktika im Rheingau und in Montalcino stieß er im August 2017 als Praktikant zur Kellermannschaft von Kellermeister Hans Terzer in St. Michael-Eppan. Hier erlernte er die konkrete Kellerarbeit von der Pike auf, bevor er mit der Ernte 2019 neben Helmut Göller zum Zweiten Kellermeister der Genossenschaftskellerei aufstieg. <BR /><BR />Zum Interview öffnet Jakob Gasser seinen eben erst abgefüllten ersten, in der Kellerei St. Michael-Eppan selbst eingekelterten Wein: einen klassischen Weißburgunder Jahrgang 2024.<BR /><BR /><b>Zufrieden mit dem ersten eigenen „Baby“ in der Kellerei, Herr Gasser?</b><BR />Jakob Gasser (lächelt bescheiden und doch mit einigem Stolz): Ja, ich bin zufrieden. Von dem Wein werde ich mir sicher einige Flaschen zur Erinnerung in meinen Keller stellen. Er ist gut und lädt zum genussvollen Trinken ein.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-68532992_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Wie fühlt es sich an, als junger Kellermeister in die Fußstapfen eines so dominanten und kompetenten Vorgängers zu treten?<BR /></b>Gasser: Ich habe 7 Jahre lang mit Hans Terzer intensiv zusammengearbeitet und in dieser Zeit die Kellerei St. Michael-Eppan mit ihren 320 Mitgliedern und 390 Hektar Weinbergen in all ihren Schattierungen gut kennengelernt. Die Arbeitsschwerpunkte waren in all diesen Jahren klar definiert: Ich war – gemeinsam mit unserem Weinbauberater Norbert Spitaler – vor allem für den Weinbau und für die technischen Abläufe und Arbeiten im Keller zuständig. Meine Nachfolge stand seit einiger Zeit fest und so konnte ich mich gut darauf vorbereiten. Dass es eine spannende Herausforderung ist, das Erbe von Hans Terzer anzutreten, das ist schon klar, aber die nehme ich gerne an.<BR /><BR /><b>Können wir uns auf Veränderungen in der Kellerei St. Michael-Eppan gefasst machen?<BR /></b>Gasser: Team und Mannschaft in Kellerei und Keller haben sich nicht verändert. Das garantiert auf jeden Fall Kontinuität. Und es wird sicher keine Revolution geben. Bei einer so gefestigten und etablierten Marke wie St. Michael-Eppan wäre dies auch nicht gefragt. Mein Ziel ist es, die erfolgreiche Linie unserer Kellerei konsequent fortzusetzen und weiterhin beste Weine zu machen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1128516_image" /></div> <BR /><BR /><b>… und wie entstehen beste Weine?</b><BR />Gasser: Ich werde meine ganze Begeisterung und Leidenschaft in meine Arbeit stecken. Die Arbeit in Weinbau und Keller grenzt heute manchmal ja schon an Fanatismus – und den braucht es wohl auch. Ich möchte den Trauben Platz geben und diese so einkellern, dass man schmeckt wo sie herkommen und noch mehr Platz für Charakter und Individualität lassen. Als Kellermeister muss ich in erster Linie ein aufmerksamer Beobachter und Zuhörer des Terroirs und unserer Weinbergslagen sein. Nur durch eine authentische Verbindung zwischen Weinberg und Keller ist es möglich, die besten Ergebnisse zu erzielen, Außergewöhnliches zu schaffen und Qualität ohne Kompromisse zu garantieren.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-68532998_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Das heißt konkret?</b><BR />Gasser: Weine müssen nicht auf Biegen und Brechen immer so gemacht werden, dass sie schmecken wie gewohnt. Jahrgangsunterschiede dürfen ruhig zugelassen und gefördert werden. Es muss durchaus auch Platz für neue Trends und Weinstile sein. Und wir müssen uns langfristig auch an den Klimawandel anpassen.<BR /><BR /><b>Stichwort Klimawandel – welche Herausforderungen kommen da auf den Weinbau in Südtirol zu?<BR /></b>Gasser: Ab Herbst 2025 gilt in allen Weinbergen der Kellerei St. Michael-Eppan ein Verbot für den Einsatz von Herbiziden. Ein wichtiger Schritt, den wir seit Jahren vorbereitet haben. Wir müssen die Natur beobachten und ständig neu darauf reagieren. Als Kellerei bewerten wir den Zustand der Weinberge unserer Mitglieder. Unabhängig von Traubengewicht und Zuckergradation kann es da bei der Anlagenbewertung zu 30 bis 40 Prozent an Auf- oder Abschlägen bei den Auszahlungspreisen kommen. Das macht bei durchschnittlichen Erträgen von 37.000 Euro pro Hektar in unserer Kellerei schon einiges aus und fördert auf sanfte Weise den Trend zur Nachhaltigkeit.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-68533271_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>In den letzten Jahren sind auch in Südtirol „teure“ Weine Mode geworden. Jeder Betrieb, der etwas auf sich hält, springt auf den Zug auf. Die Kellerei St. Michael-Eppan zählt zu den Vorreitern dieser Entwicklung.</b><BR />Gasser: Unsere Weißweincuvée Appius ist das Aushängeschild der Kellerei und die qualitative Spitze unserer Produktion. Mit solchen Top-Produkten messen wir uns mit den größten Weinen auf den Weinkarten in der ganzen Welt. Diese Weine machen Furore, man spricht darüber und sie helfen dem Betrieb und dem ganzen Land. Dazu bedarf es absoluter Qualität, die Weine müssen einen besonderen Charakter und außerordentliche Persönlichkeit aufzeigen – und man darf sich keine Fehler erlauben. Schließlich ist es dann der Markt, der entscheidet, was wertvoll ist, was bleibt und was nicht.<BR /><BR /><b>Wie präsentiert sich der Weinmarkt zurzeit? Man spricht ja immer wieder gerne von Krise.</b><BR />Gasser: Als Kellerei fahren wir recht gut, auch wenn es nicht von allein geht und der Markt viel Zeit und Investitionen braucht. Der Trend in den letzten Jahren ging ja überall stark nach oben. Da haben manche wohl auch etwas mit der Preisentwicklung übertrieben. Nach den kontroversen Diskussionen um den Alkoholkonsum müssen wir unsere Weine den Endkonsumenten verstärkt als Genussmittel für besondere Momente und Erlebnisse kommunizieren. Dabei ist vor allem die Gastronomie eines unserer wichtigsten Sprachrohre. <BR /><BR /><b>Stichwort „alkoholfrei“ – ist das für Sie ein Thema?</b><BR />Gasser: Für uns als Kellerei St. Michael-Eppan zurzeit nicht. Das ist technisch aufwendig und die Qualität lässt noch zu wünschen übrig. Warum bieten wir denen, die keinen Alkohol trinken können oder wollen, nicht einen tollen Südtiroler Apfelsaft an? Da gibt es eine große Auswahl an herrlichen Qualitäten und Alternativen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1128519_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Die Jugend wendet sich anscheinend immer mehr vom Wein ab?</b><BR />Gasser: Aus meiner Erfahrung merke ich, dass Wein bei Jugendlichen durchaus ein Thema ist, das interessiert und anspricht. Wenn, dann ist es der Preis so mancher Weinflasche, der abschreckt. Auf viele Jugendliche wirkt die traditionelle Weinwelt zudem wohl auch etwas steif und archiviert. Wir müssen neue Wege suchen, auf die Jugend zugehen, lockerer auftreten, bewusst machen, das Weintrinken mit Spaß und Geselligkeit zu tun hat und nicht unbedingt gleich eine Sommelierausbildung erfordert.<BR /><BR /><b>Eine junge Generation von Kellermeistern löst allmählich die ältere Garde der Südtiroler Pioniere ab. Wohin soll und wird der Weg gehen?</b><BR />Gasser: Die Aufgabe unserer Generation ist es nicht mehr, Revolutionen in die Wege zu leiten, wie es unsere Vorgänger tun mussten. Wir müssen auf der bestehenden Qualität aufbauen und diese noch verbessern, innovative neue Wege zulassen und die Präsenz Südtirols in der Welt stärken. Und wir müssen mit konsequenten Maßnahmen auf die Herausforderungen der Natur reagieren, damit wir auch weiterhin ein Maximum an Charakter, an Typizität, an Einzigartigkeit und Qualität für unsere Weine daraus herausholen können.<BR /><BR /><b>Dann wollen wir mit Ihrem Weißburgunder 2025 auf eine gute und erfolgreiche Zukunft anstoßen!</b>