Donnerstag, 18. August 2016

Japan: Export bricht ein

Der starke Yen bereitet den japanischen Exporteuren zusehends Probleme. Im Juli brachen die Ausfuhren binnen Jahresfrist um 14,0 Prozent ein, wie das Finanzministerium des Landes am Donnerstag mitteilte. Das ist der stärkste Rückgang seit Oktober 2009, als die Nachwehen der Finanzkrise weltweit die Wirtschaft abstürzen ließen.

Der starke Yen bereitet den Firmen Sorge.
Der starke Yen bereitet den Firmen Sorge. - Foto: © shutterstock

Die schwachen Zahlen sind auch ein Rückschlag für Ministerpräsident Shinzo Abe. Er will die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt nach den USA und China mit massiven Konjunkturspritzen und einer lockeren Geldpolitik der Notenbank auf Trab bringen.

Experten der Regierung, Zentralbank und Finanzaufsicht kamen zu einem Krisentreffen zusammen. In einer Warnung an die Adresse von Investoren signalisierte Tokio Bereitschaft zu Eingriffen am Devisenmarkt, um den Höhenflug des Yen zu stoppen.

Eingriff des Staates als Lösung?

„Wir halten ständig Ausschau nach spekulativen Wechselkursbewegungen und werden bei Bedarf mit den notwendigen Schritten reagieren“, sagte der für internationale Angelegenheiten zuständige Vize-Finanzminister Masatsugu Asakawa nach der Konferenz. Mit der Äußerung dürfte er in den USA für Stirnrunzeln sorgen: In Washington schaut man mit Argwohn auf Versuche jeglicher Staaten, mit Eingriffen am Devisenmarkt Vorteile für die jeweilige Exportindustrie herauszuschlagen.

Massive Währungsschwankungen und die Gefahr eines Abwertungswettlaufes sind seit geraumer Zeit Top-Thema in der Industrieländer-Gruppe G7, der auch Japan angehört.

Japans Wirtschaft stagniert

Die Notenbank in Tokio, die im September ihren Werkzeugkasten umfassend prüfen möchte, hat nach Jahren einer massiven Geldflut und mittlerweile negativen Zinsen nur noch relativ wenig Spielraum für Konjunkturhilfen. Trotz aller Anschubhilfe wächst Japans Wirtschaft seit vielen Jahren kaum, so auch zuletzt im zweiten Quartal. Das Bruttoinlandsprodukt zog von April bis Juni auf das Jahr hochgerechnet nur um 0,2 Prozent an, auch weil viele Firmen vor Investitionen zurückscheuen.

Ökonomen zufolge ist es gut möglich, dass der schwache Trend bei den Exporten anhält, weil die Weltwirtschaft nicht rund läuft. Nach China hat Japan im Juli knapp 13 Prozent weniger Waren und Güter geliefert, in die USA knapp zwölf Prozent weniger. Der Yen hat dieses Jahr rund 20 Prozent zum Dollar aufgewertet. Das macht viele japanische Produkte auf dem Weltmarkt teurer und geht zulasten der Gewinne von Konzernen wie Toyota, Sony und Panasonic.

apa/reuters

stol