Montag, 04. Januar 2016

„Jetzt geht‘s ans Eingemachte“

Plus und Minus an den exakt richtigen Stellen: Der Dezember 2015 glänzt mit einem kräftigen Beschäftigungsplus, die Zahl der Menschen ohne Job fällt. Helmuth Sinn, Direktor der Abteilung Arbeit, ist sich sicher: „In Sachen Arbeitslosigkeit geht’s nun ans Eingemachte.“

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Die Eckdaten: Der Dezember 2015 kann sich sehen lassen. Verglichen mit Dezember 2014 waren in Südtirol rund 5000 Menschen mehr unselbstständig beschäftigt, das entspricht einem Plus von 2,8 Prozent. Am meisten zugelegt hat das Gastgewerbe mit stattlichen 9,6 Prozent und insgesamt 21.538 Beschäftigten.

Die Arbeitslosenzahlen sinken indessen: 1.723 Arbeitslose weniger als im Dezember 2014 wurden gezählt, 15.500 Menschen waren im letzten Monat 2015 ohne Job.

Südtirol Online: Herr Sinn, wie bewerten Sie die die Dezember-Zahlen?

Helmuth Sinn, Direktor der Abteilung Arbeit: Äußerst positiv. Der Anstieg von 2,8 Prozent ist wirklich kräftig und kann sich sehen lassen. Überrascht haben mich die Zahlen im Gastgewerbe: Es hat um 9,6 Prozent angezogen – und dies angesichts der prekären Wetterlage. Sehr positiv sind die Aussichten bei den offenen Stellen (im Dezember 2015 waren knapp 400 Stellen frei; Anm.d.Red.). Das alles sind sehr gute Zeichen einer nachhaltigen Arbeitsmarkterholung.

STOL: Mit Blick auf das gesamte Jahr 2015: Ist die Wirtschaftskrise endgültig überwunden?

Sinn: Wir haben die Talsohle erreicht. Nun geht es nach oben. Das sieht man besonders im Krisensektor „Baugewerbe“. Dort ist seit einigen Monaten der Tiefstand erreicht, nun nimmt die Beschäftigung wieder zu. Die Rückgänge in der Bauindustrie macht das Bauhandwerk wett. Im Baugewerbe haben wir somit keine Abnahme mehr. Der Dezember setzt der Beschäftigung im Jahr 2015 die Krone auf. Und wir gehen davon aus, dass dieser positive Trend anhält.

STOL: Erreicht die Beschäftigung in Südtirol schon bald wieder Vorkrisenniveau?

Sinn: Die Beschäftigungsquote – also der Anteil der Beschäftigten an der Bevölkerung – hat bereits Vorkrisenniveau erreicht. Derzeit kommen wir auf rund 77 Prozent. Südtirol hat es sich zum Ziel gesetzt, 2020 eine Beschäftigungsquote von 80 Prozent zu erreichen. Wir sind dort zuversichtlich unterwegs. Einfach wird es allerdings nicht.

STOL: In welchen Sektoren kriselt’s derzeit am meisten?

Sinn: Im Finanz- und Versicherungsbereich findet derzeit eine Bereinigung statt. Dort wird ein Beschäftigungszuwachs zu schnell wohl nicht stattfinden. Ein großes Fragezeichen ist auch die öffentliche Verwaltung. Es liegt an den übrigen Sektoren, diese Rückgänge aufzufangen.

STOL: Zu den Arbeitslosen: 15.500 waren es im Dezember – ein Rückgang von 10 Prozent.

Sinn: Genau. Wichtig ist, dass sowohl die Zahlen bei den Job-Ready – also jenen, die umgehend vermittelbar wären – abgenommen haben, als auch bei den Langzeitarbeitslosen – jenen, die schon seit 12 Monaten ohne Job dastehen (derzeit 2600 in Südtirol, Anm.d.Red.). Somit geht’s in Sachen Arbeitslosigkeit ans Eingemachte, die Sockelarbeitslosigkeit.

STOL: Wie sieht’s mit der aktuellen Arbeitslosenquote in Südtirol aus?

Sinn: Sie ist rückläufig. Im dritten Quartal 2015 lag sie bei 3,9 Prozent. Wir sind auf sehr, sehr gutem Weg zurück. Die 4-Prozent-Grenze hatten wir schon lange nicht mehr geknackt.

STOL: Wie gut stehen die Chancen, dass das gesamte Jahr 2016 unter 4 Prozent liegen wird?

Sinn: Ich gehe davon aus.

STOL: Das heißt: Vollbeschäftigung in Südtirol wieder in Reichweite?

Sinn: Das zu sagen, wäre etwas verfrüht. Die Volkswirtschaftler haben den Begriff abgeändert: Zuvor lag „Vollbeschäftigung“ bei 2,5 bis 3 Prozent, nun um die 3,5 Prozent. Das heißt: Wir sind auf dem Weg dahin.

Interview: Petra Gasslitter 

stol