Brain-Drain – so wird die Abwanderung junger Talente genannt. In Südtirol hat dieses Phänomen in den vergangenen Jahren deutlich an Fahrt gewonnen.<BR /><BR />„Vor 15 Jahren sind in einem Fünfjahreszeitraum noch höchstens 1.500 Südtiroler der Altersgruppe 20 bis 49 Jahre in eines der deutschsprachigen Nachbarländer ausgewandert; inzwischen sind es rund 7.000 Personen“, erläutert Stefan Luther, Direktor des Arbeitsmarktservice Südtirol.<BR /><BR />„Das heißt: Pro Jahr wandern etwa 800 Südtiroler und Südtirolerinnen mehr in diese Länder aus, als Menschen aus diesen Ländern nach Südtirol zuwandern“, so Luther weiter.<h3> Bildungsgrad entscheidend</h3>Ein wesentlicher Faktor ist dabei der Bildungsgrad. Während unter jenen mit abgeschlossener Lehre oder Fachschulausbildung nur rund neun Prozent der 19- bis 34-Jährigen auswandern, liegt dieser Anteil bei Maturanten deutlich höher – nämlich bei 24 Prozent.<BR /><BR />„Dabei zeigt sich: Nicht nur Studierende, sondern auch rund 10 Prozent jener, die direkt nach der Matura in die Arbeitswelt eingestiegen sind, wandern aus. Besonders fällt auf, dass gerade Maturanten mit guten Abschlussnoten überproportional aus Südtirol auswandern“, schließt Luther.<h3> Rückkehr, aber selten dauerhaft</h3>Von den in Südtirol Geborenen, die zwischen 2011 und 2015 das Land verlassen haben, sind nach zehn Jahren etwa 25 Prozent wieder in Südtirol gemeldet. Ein Viertel jener, die auswandern, kehrt also nach einigen Jahren zurück.<h3> Herausforderung für den Südtiroler Arbeitsmarkt</h3>Die Zahlen verdeutlichen, dass es Handlungsbedarf gebe, sagt Arbeitslandesrätin Magdalena Amhof: „Wir müssen Jugendliche früh an attraktive Arbeitsplätze binden, etwa durch gute Orientierungspraktika oder hochwertige Sommer- und Einstiegsjobs. Der Südtiroler Arbeitsmarkt muss in allen Facetten wettbewerbsfähig sein: faire Entlohnung und transparente Karrierewege, Weiterbildungs- und Entfaltungsmöglichkeiten, gute Vereinbarkeit und leistbares Wohnen für Beschäftigte. Das ist eine gemeinsame Herausforderung, um mehr Talente in Südtirol zu halten und für Südtirol zu gewinnen.“<BR /><BR />„Unser Arbeitsmarkt kann nicht in allen Aspekten mit jenem der österreichischen und deutschen Bundesländer sowie der Schweizer Kantone mithalten. An einer Steigerung der Attraktivität des Arbeitsmarktes führt kein Weg vorbei“, so Stefan Luther.<BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/die-heimkehr-nach-dem-studium-darf-keine-frage-des-bankkontos-sein" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Wie attraktiv Südtirol für junge Leute ist und welche Änderungen es braucht, darüber spricht auch Alexander von Walther, Vorsitzender der Südtiroler HochschülerInnenschaft im Interview. </a>