<b>Von Thomas Aichner</b>*<BR /><BR />Es gibt viele typische Bürospiele, die sich immer wieder in Firmen finden. Die Tischtennisplatte und der Tischkicker – oder Calcetto-Tisch, wie es bei uns heißt – gehören zu den häufigsten Anschaffungen von Unternehmen: Ganze 24 Prozent der Start-ups haben einen Kicker im Büro. <BR />Aber nicht nur kleine Unternehmen, sondern auch multinationale Konzerne richten oft eigene Spielzimmer mit Billardtischen, Videospielkonsolen und Dartscheiben ein oder organisieren wöchentliche Brettspielabende.<BR />Google, bekannt für seine innovative Arbeitsplatzgestaltung, bietet seinen Mitarbeitern sogar Bowlingbahnen und Kletterwände auf dem Firmengelände.<h3> Zufriedene Mitarbeiter wechseln nicht den Job </h3>Das Spektrum ist groß, aber warum machen Unternehmen das? Im Kern steht die Überzeugung, dass eine zufriedene Belegschaft motivierter und produktiver ist. Wer sich bei der Arbeit eine Auszeit nehmen darf, ist zufriedener mit seinem Arbeitsplatz und wechselt seltener zur Konkurrenz. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1017405_image" /></div> <BR />Spiele im Büro sind somit mehr als nur eine nette Geste – sie sind ein strategisches Instrument zur Mitarbeiterbindung und -förderung.<h3> Studien: Spielen hilft beim Stressabbau</h3>Wissenschaftliche Studien belegen, dass insbesondere aktive Pausen die kognitive Leistungsfähigkeit verbessern können. Ein kurzes Spiel kann als effektiver Stressabbau dienen und den Beschäftigten helfen, ihren Kopf freizubekommen. <BR />Nach einer solchen Auszeit kehren sie erfrischt an ihre Arbeitsplätze zurück, was sich positiv auf die Produktivität auswirkt.<h3>Schlüsselkompetenzen spielerisch fördern</h3>Calcetto kann also als weit mehr als nur ein Zeitvertreib gesehen werden: Es ist eine Aktivität, die Geschicklichkeit, Strategie und Teamarbeit erfordert. Diese Eigenschaften sind nicht nur auf dem Spielfeld wichtig, sondern spiegeln auch Schlüsselkompetenzen im beruflichen Kontext wider. <BR />Das Kicken im Büro bietet Mitarbeitern eine willkommene Pause vom Bildschirm und fördert dabei gleichzeitig Fähigkeiten, die für die Arbeit nützlich sind.<BR />Eine weitere Überlegung der Chefs: Der spielerische Umgang mit Herausforderungen beim Tischfußball oder anderen Bürospielen kann die Kreativität anregen. Mitarbeiter, die gewohnt sind, in Spielsituationen schnell zu denken und zu reagieren, können diese Fähigkeiten auch in ihre Arbeitsprozesse einbringen.<h3> Ein Zeichen einer einladenden Unternehmenskultur</h3> Außerdem sendet die Entscheidung, Spiele in die Arbeit zu integrieren, ein starkes Signal aus: Das Unternehmen kümmert sich um das Wohlergehen des Personals und fördert eine Kultur, in der Arbeit nicht bloß als Pflicht, sondern auch als Möglichkeit zur persönlichen Entfaltung gesehen wird. <BR />Beim gemeinsamen Spiel kann man außerdem Freundschaften schließen und das berufliche Netzwerk ausbauen, indem Kollegen sich kennenlernen und gemeinsame Aktivitäten ausüben. Solche Maßnahmen tragen langfristig zu einer positiven und einladenden Unternehmenskultur bei.<h3> Mitarbeiter wollen aber lieber Pflanzen als Spiele</h3>Das sind viele gute Argumente, die auch logisch klingen. Allerdings wurde in einer Befragung von 1000 Büroarbeitern herausgefunden, dass die meisten Angestellten Spiele eher als unwichtig wahrnehmen. 86 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass Spiele im Büro für sie keinen Mehrwert haben, 25 Prozent sind sogar davon genervt. <BR /><BR />Viel wichtiger wäre stattdessen eine natürliche Beleuchtung der Büroräume, sagen 63 Prozent. Auch Pflanzen sind wichtiger als Spielgeräte: 58 Prozent wünschen sich mehr Grün am Arbeitsplatz. <h3> Auch Getränke und Obst sind gefragt</h3>Von den verschiedenen kostenlosen Angeboten werden übrigens mit 77 Prozent am häufigsten Kaffee und mit 41 Prozent andere Getränke genutzt. 30 Prozent greifen beim Obst zu und 22 Prozent gehen in den Fitnessraum, wenn einer zur Verfügung steht. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1017408_image" /></div> <BR /><BR />Dem gegenüber werden Spaßmöbel wie Hängematten nur von 6 Prozent genutzt, Spiele sogar nur von 4 Prozent.<h3> Ein Calcetto-Tisch kann auch Risiken bergen </h3>Es gibt noch andere, mehr oder weniger ernstzunehmende Risiken des Calcetto-Tischs. Zum einen sind nicht alle gute Spieler. Dadurch kann es zum Déjà-vu aus der Schulzeit kommen, als man vielleicht als Letzter ins Team gewählt wurde. <BR />Zudem gibt es immer Gewinner und Verlierer, was tatsächlich auch zu Konflikten führen kann. In 20 Prozent der Unternehmen bilden sich laut einer Studie rivalisierende Gruppen durch Kickerturniere.<h3> Was, wenn der Chef verliert?</h3> Zudem besteht eine Verletzungsgefahr: Laut einer Umfrage wurde 24 Prozent der Teilnehmer schon einmal eine Kickerstange in den Bauch gestoßen und 11 Prozent hatten schon einmal blaue Flecken wegen umherfliegender Bälle. Außerdem stören sich 60 Prozent der Nicht-Mitspielenden am Lärm und sind davon genervt.<BR /><BR />Als letztes Risiko gibt es noch das Spiel gegen den Chef: Wenn dieser am Freitagabend selbst am Tisch steht und verliert, könnte das einen schlechten Eindruck hinterlassen und zu unerwarteten Sonderaufgaben in der nächsten Woche führen.<BR /><BR /><i>* Thomas Aichner ist wissenschaftlicher Leiter der Südtirol Business School.</i><BR />