Samstag, 07. November 2015

Kampf den Großhandelsketten: „Jetzt wird gestreikt“

Nicht nur die Krise und Montis Liberalisierungen im Handel sind Schuld an der schlechten Situation der Angestellten in der Großverteilung. „Vor allem die Uneinsichtigkeit der Großhandelsketten sind der Grund, warum wir am Samstag streiken“, erklärt Gewerkschafter Maurizio Surian vom AGB-CGIL.

10.000 Angestellte in der Großverteilung - u.a. bei Metro Italia sind zum Streik aufgerufen.
Badge Local
10.000 Angestellte in der Großverteilung - u.a. bei Metro Italia sind zum Streik aufgerufen.

„In Südtirol sind rund 10.000 Leute im weiteren Sinne in der Großverteilung beschäftigt“, so Surani. Betroffen sind etwa die Mitarbeiter der Firmen Aspiag Service, Limoni, Maxi Zoo Italia, Metro Dolomiti, Metro Italia Cash&Carry, OVS, Zara Italia und Zara Home Italia.

Sie sind am Samstag aufgerufen, eine ganze Schicht lang ihre Arbeit niederzulegen. In Bozen findet auf dem Lino-Ziller-Platz eine Kundgebung statt, an der auch Teilnehmer aus dem Trentino erwartet werden.

Südtirol Online: Was veranlasst Sie, den Streik auszurufen?

Maurizio Surian vom AGB-CGIL: Die Gründe sind ... viele und für eine gerechte Arbeit grundlegend. Etwa, dass wir seit zwei Jahren ohne Vertrag dastehen. Dass der Arbeitgeberverband nicht bereit ist, eine Lohnerhöhung zu gewähren, wie sie auch von der letzten Vertragserneuerung des Kollektivvertrages Handel vorgesehen ist. Dass der 13. und 14. Monatsgehaltes bei der Berechnung der Abfertigung nicht zählt und damit die Vorsorge schmälert. Kurz: dass der Verband Federdistribuzione kein Einsehen zeigt.

STOL: Gibt es etwas, dass die Beschäftigten im Gegenzug anbieten?

Surian: Wir kommen den Großhandelsketten seit Jahren entgegen. Erst war da die Krise und wir haben uns zurückgenommen, um Arbeitsplätze zu sichern. Es kann nicht immer nur ein Geben sein. Es muss auch endlich wieder was zurückkommen. Und sollen es 85 Euro in drei Jahren mehr sein, dann wird dafür mehr Flexibilität, mehr Leistung verlangt. Dabei sind die Beschäftigten bereits flexibel über alle gewöhnlichen Arbeitszeiten hinaus.

STOL: Wie sehr ist auch die von Monti veranlasste Liberalisierung im Handel ausschlaggebend für die Misere?

Surian: Seit der Liberalisierung hat sich sehr viel zum Schlechten gewandelt. Es wird an Tagen auf 7 geöffnet, kann 24-Stunden am Stück offenbleiben, jeder Feiertag ist ein Arbeitstag. Mehr, mehr, mehr …

STOL: Und die vielen prekären Arbeitsverhältnisse?

Surian: Dieser Bereich ist generell einer, in dem es viele befristete Arbeitsverhältnisse gibt. Geht ein neuer Laden auf, wird das Personal erst mal eingestellt und dann geguckt, wie es läuft. Die befristeten Verträge übersteigen die unbefristeten bei Weitem. Ich hoffe, die Leute streiken trotzdem - und beteiligen sich nicht aus Angst um den Arbeitsplatz nicht am Streik.

STOL: Ist es ein Kampf David gegen Goliath?

Surian: Es ist weniger ein David gegen Goliath, als wir gegen einen arroganten, uneinsichtigen Haufen. Und deshalb: Jetzt wird gestreikt. 

Interview: Petra Kerschbaumer

stol