<BR />Die Genossenschaft Emporium zählt 80 Mitglieder, hat im vergangenen Jahr über 400 Ausschreibungen verwaltet und damit einen Umsatz von 17,5 Millionen Euro generiert. Geschäftsführer Peter Kaufmann erklärt im Interview, wie die Genossenschaft arbeitet und warum nicht immer nur das günstigste Angebot bei Ausschreibungen gewinnt. <BR /><BR /><BR /><b>Was steckt hinter dem Namen Emporium?</b><BR />Peter Kaufmann: Emporium ist eine Einkaufsgenossenschaft und seit 2015 eine In-House-Genossenschaft. Das heißt, die Mitglieder von Emporium sind öffentliche Körperschaften wie Seniorenwohnheime, Gemeinden, Bezirksgemeinschaften oder Berufsschulen. Sinn und Zweck ist es, für die Mitglieder den Einkauf, der über Ausschreibungen abgewickelt werden muss, zu organisieren und ihnen einen Teil der Bürokratie und Verantwortung abzunehmen. <BR /><BR /><b>Inwiefern?</b><BR />Kaufmann: Auf der einen Seite, indem wir für sie die ganze Prozedur der Ausschreibung machen. Und auf der anderen Seite, weil wir gleichzeitig die Fakturierung bündeln und die Preise kontrollieren. Das heißt, wenn ich jetzt als Beispiel einen Kindergarten hernehme, dann hat dieser einen Gemüselieferanten, einen Fleischlieferanten und einen Lieferanten für allgemeine Lebensmittel. Anstelle von 3 Rechnungen bekommt die Gemeinde eine gebündelte von uns. Durch eine schlanke Struktur, das notwendige Know-how und digitale Tools werden die Kosten für die Mitglieder so gering wie möglich gehalten.<BR /><BR /><BR /><b>Das heißt, die lästige Bürokratiearbeit nehmen Sie ab?</b><BR />Kaufmann: Richtig. Obendrein ist es so, dass wir als qualifizierte Vergabestelle eine gewisse Expertise aufgebaut haben. Unser Credo ist: Gesammelte Erkenntnisse und Erfahrungen, die man bei jeder Ausschreibung macht, kommen allen Mitgliedern zugute.<BR /><BR /><embed id="dtext86-64751451_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Die Ausschreibungsverfahren genießen allgemein eher ein negatives Ansehen…</b><BR />Kaufmann: Es stimmt. Bei uns gilt oft die Meinung, dass Ausschreibungen schlecht sind, weil dann die Preise nach unten gehen und sich jeder unterbietet. Auf der anderen Seite muss man sich aber auch vor Augen führen, dass öffentliche Einrichtungen öffentliches Geld ausgeben, und das sind die Steuergelder, die wir selbst zahlen. Ich glaube kaum, jemand will noch mehr Steuern zahlen, weil die öffentliche Hand das Geld schlecht ausgibt. Dass die Gesetze, wie die Vergaben gemacht werden, sehr bürokratisch sind und dass man zum Teil über das Ziel hinausschießt, das ist ein anderes Paar Schuhe. Aber was die Regeln anbelangt, ist die Politik gefragt. Da fehlt es, meiner Meinung nach, oft an praktischem Bezug.<BR /><BR /><b>Das heißt, Ausschreibungen zu machen, erachten Sie als sinnvoll?</b><BR />Kaufmann: Es ist im Moment die einzige Möglichkeit, um als öffentliche Verwaltung den besten Lieferanten (Preis und Qualität) zu bekommen, der derzeit auf dem Markt ist und die geforderten Produkte und Dienstleistungen anbieten kann.<BR /><BR /><embed id="dtext86-64751452_quote" /><BR /><BR /><b>Gewinnt immer nur das günstigste Angebot?</b><BR />Kaufmann: Nein, es geht nicht nur um den Preis. Es gibt viele Dienstleistungen, wo die Qualität im Vordergrund steht und man dementsprechend qualitative Ausschreibungen macht. Da kann die Vergabestelle festlegen, wie viele Punkte sie für Qualität und wie viele für den Preis vorsieht. Grundsätzlich kann man sagen, dass, wenn man weniger als 80 Prozent für die Qualität vorsieht, der Preis meistens gewinnt. Das heißt, ich muss 80 Prozent oder mehr für Qualität vorsehen. Natürlich ist eine qualitative Ausschreibung aufwendiger, weil ich im Vorfeld festlegen muss, was an Qualität bewertet und wie Qualität bewertet wird. <BR /><BR /><b>Wer legt die Kriterien fest?</b><BR />Kaufmann: Mindestkriterien müssen laut geltenden Bestimmungen eingehalten werden, während weitere Bewertungskriterien die Vergabestelle selbst festlegen kann und auf Erfahrungswerten beruhen. Da gilt es dann auch, die Kriterien so festzulegen, dass diese nicht rechtlich anfechtbar sind. Es ist wichtig, dass ich meine Qualitätskriterien nicht nur so mache, dass nur ein bestimmter Lieferant gewinnen kann.<BR /><BR /><b>Heutzutage spielt Regionalität mehr denn je eine Bedeutung. Wie ist das trotz Ausschreibungsverfahren möglich?</b><BR />Kaufmann: In diesem Zusammenhang ist die Idee entstanden, dass wir versuchen, lokale Produkte, also wirklich der Bauer in der Gemeinde, miteinzubinden, damit dieser Obst und Gemüse in der Saison liefern kann. Wir sind dabei, eine App zu programmieren, in welcher der Bauer eingibt, was er die nächste Woche liefern kann. Dann kann der Koch auf seinem Bestellportal das sehen und bestellen. Natürlich muss in dem Fall auch der landwirtschaftliche Betrieb im Portal eingetragen sein, damit er den Auftrag erhalten kann.<BR /><BR /><b>Gibt es Überlegungen, die Idee einer Einkaufsgenossenschaft auszuweiten?</b><BR />Kaufmann: Mit steigender Bürokratie wächst der Druck, zusätzliche öffentliche Einrichtungen und weitere Bereiche zu bedienen. Wenn das Interesse besteht, könnten unsere Dienste auch auf weitere Waren und Dienstleistungen ausgebaut werden.<BR />