Mittwoch, 05. Oktober 2016

Kastelruth: Ende im Gelände

Eine kleine, feine Bahn. So hatte sich Andreas Colli die Verbindung von Kastelruth auf den Puflatsch immer vorgestellt. Aus den Plänen des Kastelruther Bürgermeisters – und der Marinzen GmbH – wird nun nichts. Denn die Landesregierung hat andere.

Den Bahnplänen der Kastelruther Marinzen GmbH hat die Landesregierung am Dienstag eine Absage erteilt.
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Den Bahnplänen der Kastelruther Marinzen GmbH hat die Landesregierung am Dienstag eine Absage erteilt.

Im Video sehen Sie einen Bericht von Februar 2016. STOL hat damals über die Bahn-Pläne in Kastelruth berichtet.

Und diese Pläne sehen keine Bahnverbindung von Kastelruth über Marinzen auf den Puflatsch vor. Am Dienstag lehnte die Landesregierung einen „ergänzenden Eingriff in die Skizonen Kastelruth und Seiser Alm“ ab – und zwar „aus ökologischen, landschaftlichen, verkehrstechnischen sowie sozioökonomischen Gründen“.

Der Hintergrund

Die Seilbahnbetreiber-Gesellschaft Marinzen GmbH bemühte sich seit Jahren um die Anbindung des einstigen Skigebiets Marinzen an die Seiser Alm. Sehnsuchtsvoll lugte die Marinzen GmbH – Haupteigentümer ist der Tourismusverein Kastelruth – auf den Puflatsch. Die rund 2100 Meter hohe Erhebung grenzt an die Seiser Alm. Würde doch endlich der Marinzen-Sessellift, der nur noch im Sommer läuft, durch eine Seilbahn auf den Puflatsch ersetzt.

Rückendeckung gab’s aus dem Rathaus: 10 Ja, 7 Nein, 1 Enthaltung – Ende März 2015 hatte der Gemeinderat für den Zusammenschluss der Skigebiete Kastelruth und Seiser Alm gestimmt. Eine „kleine, feine Bahn“ sollte es werden, betonte Bürgermeister Andreas Colli immerzu. Und nein, keine Konkurrenz zur Seiser Seilbahn auf die Alm, sondern eine sinnvolle „Ergänzung“.

Eine „Ergänzung“, die so aussehen sollte: eine 8er- oder 10er-Kabinenbahn, die von Kastelruth auf den Puflatsch führen sollte, mit Zwischenstationen auf Marinzen und an der Arnika-Hütte. „In nur 20 Minuten käme man so vom Dorf auf den Puflatsch“, sagte Martin Plunger, Vizepräsident der Marinzen GmbH, noch im Februar. Der Weg zurück – als Talabfahrt.

Aus diesen Plänen wird nun nichts. Denn Bozen erteilte den Kastelruthern eine herbe Absage: Erst bewertete der Landesumweltbeirat das Vorhaben negativ, dann fiel auch der Bericht des Landesamtes für Landesplanung negativ aus. Am Dienstag hat nun auch die Landesregierung das Bahn-Vorhaben abgelehnt.

Die Kritik

Aus landschaftlicher Sicht wurde angemerkt, dass durch die neue Aufstiegsanlage der noch ursprünglich belassene Bereich der Seiser Alm rund um die Arnika-Hütte stark beeinträchtigt würde. Was die wirtschaftliche Seite angeht, so habe die derzeitige Seiser-Alm-Bahn, die von Seis nach Kompatsch führt, keine Verlagerung des Touristenzustroms bewirkt.

Zudem hatte die Landesregierung bereits 1994 – also noch vor dem Bau der Seiser-Alm-Bahn – im Fachplan der Aufstiegsanlagen und Skipisten festgeschrieben, dass eine zweite Zufahrtsmöglichkeit von Seis oder Kastelruth auf die Seiser Alm nicht sinnvoll und deshalb nicht zulässig sei, wenn eine Zubringerbahn mit Talstation in einer der beiden Fraktionen besteht: Die Entfernung zwischen der angedachten Talstation in Kastelruth zur bestehenden Talstation der Seiseralmbahn in Seis beträgt nur vier, jene zur Kabinenbahn in St. Ulrich elf Kilometer.

Auf der Grundlage dieser Vorgabe sowie der negativen Gutachten hat die Landesregierung den ergänzenden Eingriff in die Skizonen Kastelruth und Seiseralm abgelehnt. Die Entscheidung fiel in Abwesenheit von Landeshauptmann Arno Kompatscher, der wegen seiner Tätigkeit als Präsident des Verwaltungsrates und gleichzeitig als Geschäftsführer der Gesellschaft in der Zeit von 2004 bis 2013 den Sitzungssaal verlassen hat. “Rechtlich wäre das zwar nicht zwingend gewesen, ich wollte aber angesichts meinder früheren Tätigkeit keinen Einfluss auf die Entscheidung nehmen”, so der Landeshauptmann.

stol

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