Welche diese sind, ob sich die Märkte von der Pandemie erholt haben und ob auch sie die aktuelle Krise spüren, haben wir mit Wolfgang Töchterle von IDM Südtirol erörtert.<BR /><BR /><b>Herr Töchterle, Ende November haben auch die Original Südtiroler Christkindlmärkte wieder ihre Standtüren geöffnet. Wie ist der Zuspruch?</b><BR />Wolfgang Töchterle: Grundsätzlich laufen sie sehr gut, vor allem am Wochenende, aber auch unter der Woche verzeichnen sie an fast jedem Tag einen guten Besucherzulauf. Wie gewohnt sind es vor allem die Italiener, die zu den Märkten nach Südtirol reisen, aber auch die Gäste aus Deutschland und Österreich sind wieder stark vertreten.<BR /><BR /><b>Und die Einheimischen?</b><BR />Töchterle: Wie eine spontane Umfrage bei den Organisatoren der 5 Märkte ergeben hat, kommen auch die Südtiroler erstaunlich gerne wieder auf den Christkindlmarkt. Laut Schätzungen zählen manche Märkte 30 bis 50 Prozent einheimische Besucher, vor allem auch am Abend treffen sie sich gerne mit Freunden oder Arbeitskollegen auf einen Glühwein und besuchen die Stände.<BR /><BR /><b>Ist der Andrang ähnlich jenem bis vor 2 Jahren?</b><BR />Töchterle: Derzeit gibt es kein präzises Zählsystem, weshalb wir noch mit Schätzungen arbeiten. Aber die Standbetreiber sind zufrieden und man kann definitiv sagen, dass wir uns wieder auf Vor-Corona-Niveau befinden.<BR /><BR /><b>Wie hoch ist der Umsatz, der auf den Original Südtiroler Christkindlmärkten generiert wird?</b><BR />Töchterle: Auch hier gibt es keine exakten Zahlen. Laut Berechnungen auf Basis einer Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) der Handelskammer Bozen aus dem Jahr 2017 lag die insgesamte Wertschöpfung der Märkte für das Land Südtirol – generiert einerseits durch Gäste, die hier nächtigen und den Christkindlmarkt besuchen, und andererseits durch Tagestouristen – bei insgesamt 37 Millionen Euro. Damals gaben Mehrtagestouristen pro Person und Tag durchschnittlich etwa 32 Euro am Christkindlmarkt aus, Tagestouristen 24 Euro. Zusätzlich dazu gaben sie rund 60 Euro in der jeweiligen Stadt aus – wieder pro Person und Tag. Wenn wir die aktuelle Preissteigerung in Hotellerie und bei den Produkten mit einrechnen, kann man davon ausgehen, dass der diesjährige Umsatz noch etwas höher liegen wird.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="846749_image" /></div> <BR /><BR /><b>Werden diese Zahlen auch heuer Bestand haben? Oder könnte es sein, dass die Besucher durch die Krise weniger ausgeben?</b><BR />Töchterle: Die Umfrage auf den Märkten hat ergeben: Die Standbesitzer spüren nichts von der Krise, die Leute konsumieren gleich wie immer. Man kann also davon ausgehen, dass sich an der Situation nichts geändert hat.<BR /><BR /><b>Haben sich die Märkte in den vergangenen Jahren größenmäßig geändert?</b>Töchterle: In Bozen und Meran gibt es heuer tatsächlich weniger Stände, in Sterzing und Brixen sind es einige mehr, Bruneck bleibt unverändert. Die Gründe für die Verkleinerung sind ganz unterschiedlich: Einerseits ist es nicht einfach, Standbetreiber zu finden, die ihrerseits mit dem Personal-, aber auch mit dem Produktmangel zu kämpfen haben. Ein weiterer Grund ist sicher auch die neue Strategie, die für die Original Südtiroler Christkindlmärkte zum Tragen kommt.<BR /><BR /><b>Welche Strategie ist das?</b><BR />Töchterle: Ziel ist es, die Christkindlmärkte zu entzerren und zu dezentralisieren. Das Motto ist: „Die ganze Stadt wird Weihnachten“, weshalb auf mindestens 3 verschiedenen Plätzen pro Stadt Stände betrieben werden sollen. Andererseits wurde auch eine Qualitätssteigerung bei den angebotenen Produkten eingeführt: Erstmals in diesem Jahr ist es Vorschrift für die Standbetreiber, dass mindestens 50 Prozent der Ware aus Südtirol stammen muss. Weitere 25 Prozent müssen aus dem Alpenraum, die restlichen 25 Prozent aus Europa stammen. Das setzt natürlich auch die Standbetreiber unter Druck und schließt vielleicht einige aus, die früher Billigware verkauft haben.<BR /><BR /><b>Gibt es bereits Rückmeldungen zu dieser Neuerung?</b><BR />Töchterle: Man merkt: Sie kommt gut an, bei den Gästen sowieso, aber auch bei den Einheimischen. Auch zeigen die Betreiber große Kreativität und bieten eine vielfältige Produktpalette an. Von Latschen-, Zirm- oder Fichtenöl, Holzschnitzereien, hausgemachten Marmeladen, Honig, Salzen, sogar selbst gebackenes Brot wird angeboten. Dazu kommt natürlich Handgestricktes und Handgemachtes, etwa an den Keramikständen und vieles mehr.<BR /><BR /><b>Wie wird kontrolliert, dass die Standbetreiber auch wirklich nur Ware aus Südtirol bzw. Europa anbieten?</b><BR />Töchterle: Dies wird in vielen Fällen im Vorfeld von einer Fachjury anhand eines Punktesystems überprüft, andernfalls wird keine Berechtigung ausgestellt. Die Organisatoren der jeweiligen Märkte sind hier sehr streng und haben eine gute Auswahl an Standbetreibern getroffen. <BR /><BR /><b>Ist die Rückkehr zu mehr Regionalität und Tradition auf den großen Märkten eine Reaktion darauf, dass die Einheimischen in der Vergangenheit vermehrt auf die kleinen Märkte in den Gemeinden ausgewichen sind?</b><BR />Töchterle: Die Christkindlmärkte in den Gemeinden sind natürlich eine schöne Sache und bringen das weihnachtliche Flair ins Dorf. Wir wollen mit der neuen Strategie ebenfalls versuchen, den Menschen, die lokale Kultur und Kulinarik wieder in den Mittelpunkt rücken, auch die Stände müssen in ihrer Architektur authentisch sein. Im nächsten Jahr wollen wir uns noch steigern und deutlich traditioneller werden: In diesem Jahr gibt es am Zwölferturm in Sterzing ein Glockenspiel, also eine Glockenweihnacht, die mit lokalen Musikkapellen und Komponisten musikalisch umrahmt wird, in Brixen zeigen die Handwerker am Markt ihr Können, um nur einige Beispiele zu nennen. Dass die eigene Kultur am Christkindlmarkt gelebt wird, kommt sehr gut an.<BR /><BR /><b>Wie nachhaltig sind die Original Südtiroler Christkindlmärkte?</b><BR />Töchterle: Die Märkte sind seit 10 Jahren ein zertifiziertes „Green Event“, wo Nachhaltigkeit in Sachen Regionalität, Mobilität und auch Abfallmanagement bereits großgeschrieben wird. In diesem Jahr wird erstmals ein Monitoring vom Ökoinstitut durchgeführt, um zu erörtern, wie nachhaltig sie wirklich sind. Dieses Monitoring soll künftig jedes Jahr gemacht werden und deckt die Kriterien Energieversorgung, Restmüll, Beleuchtung, Beheizung der Fläche, die Produktlisten der Gastronomiestände, das Kommunikationsmaterial und natürlich auch den Verkehr ab. Aufgrund der so erhaltenen Daten werden dann potenzielle Optimierungen geplant. <BR />