Mittwoch, 13. Januar 2021

Kein einfaches Jahr an der Brennerachse

Die Coronakrise im Jahr 2020 hat zu einem dramatischen Verkehrseinbruch auf der Brennerachse geführt – mit schwerwiegenden Folgen für die Wirtschaft. Eine Reduzierung der Feinstaubwerte konnte allerdings nicht festgestellt werden, wie die Handelskammer Bozen in einer Presseaussendung mitteilt.

Vor allem weniger Urlaubsverkehr als sonst.
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Vor allem weniger Urlaubsverkehr als sonst. - Foto: © APA / EXPA/JOHANN GRODER
Bis in den Februar unterschied sich das Jahr 2020 kaum von den vorhergehenden Jahren. Der Warenverkehr war im Januar rückläufig und im Februar leicht im Plus im Vergleich zum Vorjahr, während der Leichtverkehr in beiden Monaten wuchs. Doch im März, mit dem Aufkommen der Coronakrise, wurde plötzlich alles anders. Im Laufe des Monats riefen die europäischen Staaten nacheinander den Ausnahmezustand aus, sie begannen damit die Grenzen zu schließen und Lockdowns einzuführen. Das Ergebnis waren unkoordinierte Grenzschließungen – und Chaos an den innereuropäischen Grenzen.

Urlaubsverkehr kam zum Erliegen

Welche Auswirkungen das auch auf Südtirol hatte, wurde schnell klar: Der Urlaubsverkehr kam quasi zum Erliegen und auch beim Warenverkehr war die Situation in den ersten Wochen der Pandemie kritisch. Am 12. März kam es infolge der Schließung der Grenze am Brenner zu einem 90 Kilometer langen Stau in Fahrtrichtung Norden. Es wurde rasch klar, dass ein Fleckenteppich an nationalen Maßnahmen zu Problemen an den innereuropäischen Grenzen und zu Unsicherheit bei vielen Transportbetrieben führt.

Die Europäische Kommission versuchte bereits ab März die einzelstaatlichen Maßnahmen zu koordinieren und einen reibungslosen Warenverkehr zu garantieren und hat das Konzept der „green lanes“, der grünen Vorzugsspuren für den Warenverkehr, erarbeitet. Durch dieses Konzept hat die EU versucht, die Regeln europaweit zu vereinheitlichen und einen reibungslosen Warenverkehr zu garantieren, dies gelang aber bis in den Frühsommer hinein nicht wirklich.

Warenverkehr erholt sich im Frühsommer

Während sich der Warenverkehr seit dem Frühsommer wieder einigermaßen erholt hat, aber Großteils das ganze restliche Jahr immer unter dem Vorjahresniveau blieb, ist beim Leichtverkehr von Trendwende noch keine Rede. In den Sommermonaten hat sich der Leichtverkehr auf der Brennerachse zwar etwas erholt, aber das Vorjahresniveau wurde bei weitem nicht erreicht. Dies zeigt sich auch deutlich an den Verkehrszahlen.

Im Jahr 2020 haben sich die Verkehrsspitzen an den An- und Abreisetagen an den Wochenenden zu Verkehrstälern entwickelt. Der Leichtverkehr ist an manchen Tagen im Vergleich zum Vorjahr um bis zu über 97 Prozent eingebrochen. Ein solcher Verkehrseinbruch ist dramatisch, da der Verkehr direkt mit dem Wirtschaftswachstum zusammenhängt. Eine von der Handelskammer in Auftrag gegebene Studie hat kürzlich belegt, dass ein Wirtschaftswachstum von einem Prozent in Südtirol zu einem Verkehrswachstum von 1,9 Prozent führt.

„Die Mobilität der Personen und Waren ist das Rückgrat der Wirtschaft, das von der Corona-Krise hart getroffen wurde. Ohne Verkehr kann kein Handelsaustausch und kein Tourismus stattfinden“, so Alfred Aberer, Generalsekretär der Handelskammer Bozen.

Schwerwiegende Folgen für die Wirtschaft

Für die Wirtschaft hat das Coronavirus und der dramatische Verkehrseinbruch schwerwiegende Folgen, eine Auswirkung auf die Feinstaubwerte gibt es allerdings nicht. Die Ausgangsbeschränkungen im Frühjahr und der daraus resultierende Rückgang des Verkehrs haben die einmalige Möglichkeit ergeben, zu messen wie sich die Feinstaubbelastung verändert, wenn der Verkehr drastisch zurückgeht.

Feinstaubwerte nicht gesunken

Die Feinstaubmessungen des Landes Südtirol in den Monaten März bis Mai, sei es im urbanen Bereich als auch entlang der A22, zeigen klar auf, dass die Feinstaubbelastung während des Lockdowns und des konsequenten Rückgangs des Verkehrs, nicht gesunken ist und den Vorjahrswerten entspricht. Was hingegen die Stickoxid-Werte (NOx) anbelangt, sieht man deutlich, dass die Emissionen seit Jahren rückläufig sind, trotz steigender Verkehrszahlen.

stol

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