Alberich Hofer, der Bergbauernvertreter im Südtiroler Bauernbund, ist sauer: „In der EU müssen sie halt immer wieder was Neues erfinden, nichts, was gut läuft, kann man lassen.“ „Gut gelaufen“ ist in der Vergangenheit die Übermittlung der notwendigen Daten und Ansuchen direkt von Südtirol nach Brüssel. Die Landwirte haben dann im Oktober/November etwa 2 Drittel der Ausgleichzahlungen für das laufende Jahr erhalten, und das fehlende Drittel zwischen März und Juni. Doch neuerdings läuft die gesamte Dokumentation über Rom, das sozusagen ein einzige Gesuch für ganz Italien nach Brüssel schickt. „Wer diese Ausgleichszahlungen erhalten will, der verpflichtet sich, als Landwirt für eine ganze Förderperiode von 7 Jahren bestimmte Dinge einzuhalten“, erklärt Hofer. Das reicht vom Verzicht auf Silage über den Verzicht auf Düngemittel und den Gewässerschutz bis hin zu einem festgelegten Viehbestand – und eben auch zur Verpflichtung, alle Flächen zu mähen und zu bewirtschaften. <BR /><BR />Alles muss dokumentiert und kontrolliert werden, damit Brüssel – über Rom – zahlt. Der Nachweis der Flächenbewirtschaftung erfolgt dabei mittlerweile aus dem All. Ein Softwareprogramm sollte dann auf den Satellitenbildern erkennen können, ob die Fläche gemäht wurde oder eben nicht. Sollte, denn selbst die intelligenteste künstliche Intelligenz schafft das nicht, wenn die Flächen wie im November in Südtirol schneebedeckt sind. Aber auch ohne Schnee soll es immer wieder Probleme geben und KI bei ein und demselben Bild für dieselbe Fläche zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. <BR /><BR />Als Erleichterung gedacht, entpuppt sich das System heuer als Hemmschuh. Und Landesrat Walcher sitzt entsprechend auf Nadeln: „Bis das nicht geklärt ist, bekommen wir von Rom die Gelder nicht“, erklärt er. Natürlich sei man laufend in Gesprächen mit Rom, das fehlende Geld sei schließlich für alle Bauern eine große Belastung: „Die Südtiroler Grünlandwirtschaft hängt am seidenen Faden. Für viele Bauern geht es buchstäblich um die Existenz“, weiß er. Wie dramatisch die Lage ist, zeigen auch die zunehmenden Anrufe von Banken sowohl im Assessorat als auch beim Bauernbund, die wissen wollen, was mit den Ausgleichszahlungen ist. Kommen sie? Kommen sie nicht? Weil die Bauern in den vergangenen Jahren den Großteil des Geldes im Oktober/November bekommen haben, sind viele Zahlungen auf Dezember programmiert. Futterlieferanten und andere warten nun auf ihr Geld, das der Bauer auch im April noch nicht hat. <BR /><BR />Dabei, so Hofer, habe man ja die Leistungen dafür bereits erbracht und die Mehrkosten bzw. Einkommenseinbußen, die dadurch entstehen, schon gehabt. „Nun warten die Bauern seit Monaten auf den ihnen dafür zustehenden finanziellen Ausgleich – wegen eines Softwareproblems. Das ist ja kaum zu glauben.“<BR />