Wenn in ganz Europa alle Anlagen guten Ertrag liefern, „dann ist der Markt voll und wir haben ein richtiges Problem. Dann gehen die Preise nämlich in den Keller“, weiß Obstbauer Othmar Innerhofer aus Tscherms. <BR /><BR />Besonders ins Gewicht fällt dabei die Apfelproduktion in Polen, die einen Großteil der europäischen Produktion ausmacht. Statt wie vor einigen Jahren noch auf den russischen Markt, drängen diese Äpfel nun nach Europa. „Wenn es dort etwa wie zuletzt durch Frostschäden Ernteausfälle gibt, dann sieht die Lage besser aus“, erklärt der Landwirt. Wobei er weit davon entfernt ist, schadenfroh zu sein. Nur realistisch. „Zum Glück ist Südtirol führend bei innovativen neuen Sorten und bei der Qualität, das spricht auf dem Markt für uns“, erklärt der Bauer weiter. Und so rechne sich der Obstbau – trotz steigender Produktionskosten – immer noch irgendwie. <BR /><BR />Wie dieses irgendwie aussieht, wollte der Freie Abgeordnete Andreas Leiter Reber genauer wissen und hat sich die Auszahlungspreise angeschaut: Anhand der offiziellen Zahlen aus dem Landwirtschaftsressort rechnete er die durchschnittlichen Hektarerlöse aus und kommt für 2019 auf knapp 25.000 Euro. 2020 und 2021 lagen die Hektarerlöse nahezu gleich. Für 2022 fiel sowohl die Erntemenge mit 819.371 Tonnen als auch die Auszahlung mit 375,25 Millionen Euro erheblich geringer aus, was den Hektarerlös auf 22.500 Euro sinken ließ.<BR /><BR />Leiter Rebers Fazit: „Die vom Beratungsring für Obst- und Weinbau berechneten Kosten pro Hektar belaufen sich inklusive Arbeit und Abschreibungen auf 27.000 Euro. Das heißt, viele Betriebe haben in den letzten Jahren nicht oder kaum kostendeckend gewirtschaftet.“ Es sei daher an der Zeit, „mit klaren Fakten mit einigen landläufigen, aber völlig falschen Annahmen über die Gewinne im Obstbau aufzuräumen. Die meisten Obstbaubetriebe sind Kleinbetriebe die längst über einen Zuerwerb wie der Gästevermietung querfinanziert werden müssen, oder indem der Bauer oder die Bäuerin einem zweiten Job nachgeht, um das Einkommen für die Familie sicherzustellen“.<BR /><BR />Beim Verband der Südtiroler Obstgenossenschaft VOG fällt das Fazit etwas anders aus: „2022 war sicher ein schlechtes Jahr, was die Auszahlungspreise angeht. Aber das war ein Ausreißer nach unten. Schon im vergangenen Jahr waren die Zahlen wieder zufriedenstellend. Wahr sei allerdings auch, dass die Auszahlungspreise bei einigen Sorten in den vergangenen Jahren in geringerem Ausmaß angestiegen seien, als die Produktionskosten. Dennoch ist man beim VOG sicher: „Der Apfelsektor in Südtirol hat Zukunft“.<BR /><BR />Für Leiter Reber ist es hingegen „höchste Zeit, dass die für den Obstbau nach Südtirol fließenden EU-Gelder auch direkt bei den Bauern ankommen: Es herrscht reichlich Gesprächsbedarf“.