1,8 Millionen Nächtigungen pro Jahr und Tourismusverband: Seit Monaten beißt sich das Schlerngebiet an dieser Landesvorgabe die Zähne aus. „Wir erreichen 1,65 Millionen Nächtigungen“, fasst Helmut Mitterstieler, Präsident des Tourismusvereins Völs, die Ist-Situation unterm Schlern zusammen. „In guten Jahren 1,75 Millionen.“Doch das Land will mehr. 2013 legte es fest, dass sämtliche Tourismusverbände 1,8 Millionen Nächtigungen jährlich aufweisen müssen, um weiterhin in den Genuss von Landesbeiträgen zu kommen. Der Stichtag, ab dem alles passen sollte: 1. Januar 2015.Seiser Alm und Eggental spielen auf ZeitZu Beginn des Jahres hatten sich also die meisten Tourismusverbände ordnungsgemäß gruppiert. Einige – wie Val Gardena Marketing und die Marketinggesellschaft Meran – kamen ohnehin schon auf die geforderten Zahlen. Andere, wie Kronplatz und das Tauferer Ahrntal, schlossen sich zusammen.Und wieder andere spielten auf Zeit: Denn die Idee, sich unter einem Dach mit dem Eggental seinen Urlauber zu präsentieren, will Kastelruthern, Seisern, „Alplern“, Völsern und Tiersern nicht gefallen. Alex Andreis, der Direktor des Tourismusverbandes Seiser Alm Marketing, spricht von einem „relativ komplizierten Gebiet“, das man da zusammenschließen müsse.Seiser Alm Marketing und Eggental Tourismus zeigten deshalb guten Willen, legten ein gemeinsames Konzept vor, erwirkten so einen Aufschub – und blieben vorerst eigenständig. „Innerhalb 2015 muss sich allerdings etwas tun“, heißt es im Schlerngebiet. Dass damit nicht unbedingt Handeln auf der lokalen Ebene gemeint ist, lassen Alex Andreis‘ Worte erkennen: „Wir warten erst mal ab“, sagt er.Warten auf ArnoWorauf bzw. auf wen gewartet wird, ist schnell klar. Arno Kompatscher, in seiner Funktion als Tourismuslandesrat, hat eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Die soll sich darüber Gedanken machen, wie der Tourismus, auch die Tourismusorganisationen, in Zukunft aussehen sollen.Die Kern-Vision, um die sich diesbezüglich alles dreht, nennt sich „Erlebnisraum“: „Egal ob ein Tourist in Meran unterwegs ist, in Schenna oder in Dorf Tirol – für ihn ist es zuallererst der Erlebnisraum Meran-Burggrafenamt“, erklärt der Landeshauptmann. Ziel sei es deshalb: „Auf Ebene dieser Erlebnisräume das Marketing aufbauen und die Produkte zu entwickeln – unter dem Dach Südtirol.“Für das „Dach Südtirol“ soll künftig der neue Betrieb SMG-EOS-BLS-TIS zuständig sein. „Auf Ebene der heutigen Tourismusverbände soll das Marketing für den Erlebnisraum stattfinden – mit verstärktem Bezug zu Gasthäusern, Hotels und so weiter.“ Und daneben solle es weiterhin Tourismusvereine geben, umreißt Kompatscher die Idee.Seiser Alm? Mit Sicherheit ein Erlebnisraum!Das Konzept „Erlebnisraum“ – wie für das Schlerngebiet gemacht. Zwar müsse erst eine Markenanalyse her, um zu erkennen, welche Namen auch wirklich das Potenzial haben, als „Erlebnisraum“ zu funktionieren, sagt der Tourismuslandesrat. Doch Andreis ist zuversichtlich: „Der Namen ‚Seiser Alm‘ hat Gewicht und Wiedererkennungswert auf dem Markt. Ich gehe davon aus, dass es diese Einheit auch morgen noch gibt.“Wenige Wochen bis zur EntscheidungDeshalb: Warum die Eile? Innerhalb „ein bis zwei Monaten“ wollen der Landeshauptmann und seine Arbeitsgruppe das Ergebnis ihrer Beratungen der Öffentlichkeit vorstellen. Fällt die Entscheidung zugunsten der Erlebnisräume, „macht es keinen Sinn, wenn wir mit dem Eggental fusionieren und uns dann wieder trennen“, meint Andreis.Der Tourismuslandesrat sieht’s ähnlich. Die formellen Voraussetzungen für eine Fusion Seiser Alm-Eggental seien bereits heute geschaffen. Aber: „Dass sie jetzt nicht anfangen, die Büros zusammenzulegen, ist nachvollziehbar“, sagt Kompatscher.„Das Gebiet hat seine Eigenheiten“Gut gelaufen also fürs Schlerngebiet? „Das hat nichts mit Seiser Alm Marketing zu tun“, betont der Landeshauptmann. „Eggental ist auch davon überzeugt, dass es mit dem Namen Seiser Alm nichts anfangen kann – so wie eben jeder Verband davon überzeugt ist, selbst den besten Namen zu haben. Die Frage ist nur: Entscheiden wir uns für anonyme Strukturen, die Marken verwalten, sonst aber ohne Außenwirkungen bleiben, oder wollen wir Strukturen, die gleichgesetzt sind mit einem Erlebnisraum? Man scheint jetzt zur zweiten Variante zu neigen.“Und Alex Andreis meint: „Ich will nicht sagen, dass die anderen (Kronplatz und Tauferer Ahrntal; Anm.d.Red.) blöd waren. Bei uns hat’s nur ein bisschen länger gedauert, weil das Gebiet eben seine Eigenheiten hat.“pg