Dienstag, 26. November 2019

Keine Marktlösung für Alitalia in Sicht

Nachdem die Verkaufsfrist für die Alitalia am Donnerstag abgelaufen und kein verbindliches Angebot für die Airline eingereicht wurde, herrscht in der Regierung in Rom Ratlosigkeit über die Zukunft der Fluggesellschaft. Industrieminister Stefano Patuanelli gab am Dienstag vor dem Senat in Rom zu, dass vorerst „keine Marktlösung“ für die Alitalia in Sicht sei.

Die Fluglinie ist seit Mai 2017 insolvent.
Die Fluglinie ist seit Mai 2017 insolvent. - Foto: © APA (AFP) / ALBERTO PIZZOLI

„Wir prüfen verschiedene Möglichkeiten, doch eine Marktlösung gibt es im Moment nicht“, sagte Patuanelli. Das Konsortium um die italienische Eisenbahngesellschaft „Ferrovie dello Stato“, das sich zur Übernahme der Alitalia gebildet hatte, sei nach dem Rückzug der norditalienischen Infrastrukturholding Atlantia aufgelöst worden.

Der Industrieminister erklärte, dass in den letzten zehn Jahren die italienischen Regierungen vergebens versucht hätten, Alitalia zu privatisieren. Dies sei jedoch wegen der Dimension der Fluggesellschaft nie gelungen.

Patuanellis Partei, die populistische Fünf Sterne-Bewegung, meint, der italienische Staat sollte kein Geld mehr in die Alitalia stecken, nachdem in den vergangenen Jahren neun Milliarden Euro öffentlicher Gelder ausgegeben worden seien, um die Airline über Wasser zu halten. „Es ist besser, schwierige Beschlüsse zu ergreifen und zumindest Alitalias Assets zu retten, statt weiterhin öffentliche Ressourcen zu verschwenden. Jemand sollte diesen schwierigen Beschluss fassen. Diese Regierung sollte die Kraft dazu finden“, forderte Vize-Wirtschaftsminister Stefano Buffagni, der wie Patuanelli der Regierungspartei Fünf Sterne gehört.

Die Gewerkschaften drohten mit weiteren Protestaktionen, sollte es nicht bald Klarheit über die Zukunft Alitalias geben. Ein Streik in der italienischen Luftfahrtbranche ist am 13. Dezember geplant. Alitalia ist seit Mai 2017 insolvent und wird mit staatlichen Überbrückungskrediten in der Luft gehalten. Seit Monaten verlängert die Regierung in Rom die Verkaufsfrist für die Airline, ohne dass Licht am Ende des Tunnels in Sicht ist. Die Rettung der Alitalia beschäftigt die italienischen Regierungen schon seit Jahren.

apa