Freitag, 22. Januar 2021

Keine Touristen, kein Geschäft: Kaufleute in Wintersport-Orten schlagen Alarm

Ohne Touristen fällt das Geschäft der Kaufleute in den Wintersportorten Südtirols aus. In einem offenen Brief wenden sich nun solche aus Gröden, dem Gadertal und dem Pustertal an die Landesregierung: „Wie dramatisch die Situation speziell für die Sportartikel-, Schuh- und Bekleidungshändler in den Wintersportregionen wird, ist wohl noch keinem klar.“ 90 Prozent des Umsatzes dieser Saison sei verloren.

Die Touristen fehlen, die Geschäftsleute in den Südtiroler Wintersport-Orten bleiben auf ihrer Ware sitzen: Die Verzweiflung ist groß.
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Die Touristen fehlen, die Geschäftsleute in den Südtiroler Wintersport-Orten bleiben auf ihrer Ware sitzen: Die Verzweiflung ist groß. - Foto: © shutterstock
Die 51 unterzeichnenden Betriebe erwirtschafteten oft mehr als 70 Prozent des Jahresumsatzes im Zeitraum von Weihnachten bis Ostern, heißt es in dem Brief. Bereits der erste Lockdown im März des vergangenen Jahres habe sie hart getroffen.

„Die Händler haben bereits die vergangene Wintersaison mit Umsatzeinbußen, höherem Warenlager und somit geringerer Liquidität abgeschlossen. Nun folgt ein Winter, der höchstwahrscheinlich mit einem Totalausfall endet“, schreibt der Obmann der Kaufleute in Urtijëi/St. Ulrich, Oliver Stuffer, stellvertretend.

Bereits jetzt auch das nächste Jahr beeinträchtigt

Während sich die Sportartikelbranche andernorts guter Geschäfte mit Einheimischen erfreut, haben jene in den Tourismusorten nun Existenzsorgen.

Mit dem Wareneinkauf haben die Sportgeschäfte „massiv in Vorleistung“ gehen müssen – zu einem Zeitpunkt, da das Ausmaß der Pandemie nicht vorhersehbar gewesen sei. „Diese georderte Ware liegt nun in den Geschäften, wird kaum verkauft, muss aber bezahlt werden“, sagt Stuffer.

Die Ware sei nicht nur derzeit schwer verkäuflich, sie werde im Sommer nicht benötigt und könne auch im nächsten Winter nur mit hohen Abschlägen verkauft werden. „Es ist also bereits jetzt nicht nur der Umsatz im heurigen Jahr, sondern auch der Rohertrag im nächsten Jahr stark beeinträchtigt.“

„Für viele Betriebe existenzbedrohend“


Solange die Liftanlagen und Tourismusbetriebe nicht öffnen, stehe auch der Handel in den Wintersportorten de facto still. Die Ankündigung eines möglichen neuen harten Lockdowns im Februar lasse für die Branche gar nichts Gutes erhoffen.

„Diese Entwicklung wird für viel Betriebe existenzbedrohend“, sagt Stuffer. Normalerweise beschäftigt er in seinem Sportgeschäft während der Skisaison 14 Mitarbeiter. „Mittlerweile sind es nur mehr 1,5.“ Seine Saisonsangestellten seien arbeitslos, nur 2 im Lohnausgleich.



„Wir haben den Brief an Landeshauptmann Arno Kompatscher und Wirtschaftslandesrat Philipp Achammer geschickt, weil wir möchten, dass sich die Politik auch über unsere Schwierigkeiten Gedanken macht“, sagt Stuffer. „Momentan schaut es mit den Unterstützungen durch den Staat sehr schlecht aus. Wir hoffen, dass Südtirol da etwas unternimmt.“

„Hoffe, dass Landesregierung ihre Versprechen auch hält“

Berechnungen zufolge soll ein betroffener Betrieb in Südtirol etwa 2000 Euro vom Staat bekommen. In Österreich und Deutschland hingegen sind viel umfangreichere Hilfen geplant.

„Zwischen 30 und 80 Prozent des Umsatzes“, unterstreicht Stuffer. „Damit kann man wenigstens die Spesen decken. Wir sind nicht einmal dazu imstande.“

Es sei „ernüchternd und inakzeptabel, dass für unsere Branche kaum Hilfen vorgesehen sind“. Die bis jetzt entschlossenen Staatshilfen stünden in keiner Relation zum erlittenen wirtschaftlichen Schaden, heißt es in dem Brief. „Es bräuchte eine Entschädigung entsprechend einem fixen Prozentsatz des Umsatzverlustes“, sagt Stuffer.

„Die Aussage der Politik, dass es keine Ressourcen für Hilfen gäbe, ist inakzeptabel, insbesondere, wenn man erfährt, dass es für andere Branchen und für Gehaltserhöhungen im öffentlichen Bereich sehr wohl die notwendigen Mittel gibt.“

Landesrat Philipp Achammer kündigte in den „Dolomiten“ an, dass bis zum Frühling gesonderte Hilfen des Landes kommen sollen. Oliver Stuffer sagt dazu: „Ich hoffe, dass das, was sie uns versprechen, dann auch effektiv stattfindet. Oft wird das aufgeschoben und nochmals aufgeschoben und am Ende steht man da und bekommt keine Förderung.“

Auch könne es bis zum Frühling für einige Betriebe schon zu spät sein.

kn