Montag, 03. Mai 2021

Keine Zeit für den Heimweg? „Ein paar Minuten Toleranz bei Kontrollen“

„5 Minuten gesunden Menschenverstand“ fordern die Besitzer des Restaurants „Torgglhaus“ in der Bozner Museumsstraße. Ihr Unmut richtet sich gegen die 22-Uhr-Sperrstunde bzw. gegen deren rigide Kontrolle.

Das „Torgglhaus“ in der Bozner Museumsstraße
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Das „Torgglhaus“ in der Bozner Museumsstraße - Foto: © Verkehrsamt Bozen
Sie wollten keine Diskussion über die Rechtmäßigkeit der Vorschrift lostreten, schreiben die Gastwirte in einer Zuschrift, sondern wünschten sich „eine minimale Toleranzspanne bei ihrer Anwendung“, ohne die Sicherheit zu gefährden. „Wir verlangen nicht die Änderung einer Regel, obwohl uns diese offensichtlich benachteiligt. Wir möchten aufzeigen, dass etwas mehr Flexibilität notwendig ist“, erklären Ivan und Willy Waldner.

Da sich ihr Restaurant in der Nähe des Obstmarktes befindet, sei oft die Polizei in der Gegend, und es sei vorgekommen, dass die Polizei um 21.55 Uhr an die Tische der Gäste gekommen sei und diese aufgefordert habe, sich zu beeilen, weil 22 Uhr nahe. „Das sind Erwachsene oder Familien, die einfach nur am Tisch auf das Bezahlen der Rechnung gewartet haben oder im Bad etwas länger gebraucht haben. Niemand sitzt nur da oder wartet auf das Essen. Ein Mindestmaß an Flexibilität sollte vorhanden sein“, meinen die Gastwirte.

In der Verordnung Rückweg nach Hause nicht einberechnet

Allerdings müsse man laut Verordnung tatsächlich bereits um 22 Uhr zu Hause sein: „Warum erlaubt man uns dann, bis 22 Uhr geöffnet zu bleiben?“ Die staatliche Verordnung schreibe vor, um 22 Uhr zu schließen, aber nicht, dass die Polizei um 21.45 Uhr eingreifen solle, um die Kunden zum Verlassen des Gebäudes aufzufordern. „Es scheint nur eine Unannehmlichkeit zu sein, aber für uns kann es leider auch bedeuten, dass die Gäste unser Restaurant nicht mehr besuchen.“

Die Mitteilung der Gastwirte hat der Verband Confesercenti verschickt. Vertreterin Elke Moeltner sagt: „Ich denke, dass ein paar Minuten Toleranz angesichts von Situationen, die kein Risiko für die Ausbreitung von Ansteckungen bergen, wünschenswert ist. Die Gastwirte haben lange Monate der Entbehrungen hinter sich, und die meisten von ihnen arbeiten wirklich hart, um alle Vorschriften einzuhalten.“

Christian Carli, Präsident der Vereinigung der Ortspolizei, sprach sich im s+-Video bereits im Jänner dafür aus, bei der Anwendung der Regeln der Verordnung „mit dem gesunden Hausverstand“ vorzugehen. Zwar waren die Regeln damals noch etwas andere – doch die Überschneidung von Sperrstunde und Ausgangssperre ist bestehen geblieben.

Im Parlament in Rom wird indes die Front jener Parlamentarier größer, die sich für eine Abschaffung der nächtlichen Ausgangssperre einsetzen.

stol