Samstag, 07. April 2018

Kleinbauern wollen mehr am Kaffee verdienen

Das Geschäft mit Kaffee boomt: In den vergangenen 15 Jahren hat die Produktion über 20 Prozent zugelegt. Jedes Jahr werden Milliarden Dollar mit dem Wachmacher erwirtschaftet. Doch davon kommt nur ein kleiner Teil bei den Kaffeebauern in den Entwicklungsländern an.

Die Bauern erhalten nur 10 Prozent der Gewinne.
Die Bauern erhalten nur 10 Prozent der Gewinne.

Bei einem Weltmarktpreis von rund 1,15 Dollar für ein Pfund Rohkaffee verdienen die Produzenten nur etwa fünf Cent pro Tasse.
„Wenn die Konsumenten nur fünf Cent pro Tasse mehr bezahlen, könnten die Bauern doppelt so viel wie derzeit verdienen“, sagt der US-Wirtschaftsprofessor Jeffrey Sachs.

„Eine kleine Erhöhung bei den Verbrauchern würde eine große Verbesserung für die Produzenten bedeuten. Das ist fairer Handel.“ Bei der Tagung der Internationalen Kaffee-Organisation (ICO) in der kommenden Woche in Mexiko-Stadt will Sachs eine Studie über die Wertschöpfungskette in der Kaffee-Industrie vorstellen und seine Vorschläge unterbreiten.

Die Preise für Kaffee schwanken heftig

„Beim Marktzugang sind vor allem die kleinen Kaffeebauern immer stärker benachteiligt und müssen zu ungleichen Bedingungen verhandeln“, sagt Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos, der seine Karriere als Vertreter seines Landes bei der Internationalen Kaffeeorganisation (ICO) begann.

„Wir müssen eine ernsthafte und realistische Diskussion führen, wie wir diese Asymmetrie ausgleichen können.“
Bis Ende der 1980er Jahre legte die ICO Produktionsquoten fest und diktierte die Preise. Seit der Freigabe schwanken die Preise heftig. So wurde das Pfund Rohkaffee 2001 für rund 45 US-Cent gehandelt, 2011 stieg der Preis auf 2,10 Dollar und derzeit liegt er bei rund 1,15 Dollar.

Die Farmer erhalten nur zehn Prozent des Gewinns

Morales' Berechnungen zufolge bezahlen die Handelskonzerne inflationsbereinigt heute rund 60 Prozent weniger für das Pfund Rohkaffee als noch 1983. „Es ist grausam“, sagt der gebürtige Guatemalteke, der mit seiner Initiative von Frankreich aus die globale Kaffeeindustrie grundlegend verändern will. „Die künstlich niedrig gehaltenen Preise sorgen für extreme Armut und Kinderarbeit.“

Schätzungen zufolge werden in der Kaffeeindustrie jährlich rund 200 Milliarden US-Dollar umgesetzt. Allerdings kommen nur etwa zehn Prozent bei den Farmern an. „Man muss sich schon fragen, wo das ganze Geld bleibt“, sagte der Präsident des kolumbianischen Verbands der Kaffeebauern, Roberto Vélez, beim Weltforum der Kaffee-Produzenten im vergangenen Jahr.

apa/dpa

stol