<b>von Desmond Lachman</b><BR /><BR />Die Kampagne der USA und Israels gegen die Islamische Republik wird den US-Haushalt erheblich belasten – und das in einer Zeit, in der die öffentlichen Finanzen des Landes bereits auf untragbarem Kurs sind. <BR /><BR />Sie wird zudem dazu führen, dass die internationalen Öl- und Gaspreise weiter steigen, obwohl die USA bereits mit einem Bezahlbarkeitsproblem zu kämpfen haben. Beides ist kein gutes Zeichen für die Inflation und die Beschäftigungslage in den USA, deren Aussichten nach einem unerwartet negativen monatlichen Arbeitsmarktbericht ohnehin schon düster sind.<BR /><BR />Noch vor Beginn des Iran-Krieges schlug Trump vor, dass die USA ihr Verteidigungsbudget erheblich aufstocken müssten, und regte an, es gegenüber derzeit einer Billion Dollar um 500 Milliarden Dollar pro Jahr zu erhöhen. Nun, da die USA in einen ausgewachsenen Krieg verwickelt sind, der sich unbegrenzt hinziehen und die geopolitische Landkarte der Welt auf den Kopf stellen könnte, scheint Trumps Argument für eine erhebliche Erhöhung der Verteidigungsausgaben noch stärker geworden zu sein.<h3> Eine Milliarde Dollar pro Tag</h3>Natürlich ist es zu früh, um die direkten Kosten des Krieges abzuschätzen, da niemand weiß, wie lange und intensiv er sein wird. Aber wir wissen, dass er derzeit etwa eine Milliarde Dollar pro Tag kostet. Die Rechnung für den von Trump erwarteten einmonatigen Konflikt würde sich daher auf fast 50 Milliarden Dollar belaufen, und die Kosten würden mit zunehmender Dauer des Krieges immer weiter steigen.<BR /><BR />Über die direkten Kosten für den Ersatz von Munition und Ausrüstung der USA hinaus wird es weitere Gründe für eine Aufstockung des Verteidigungshaushalts geben. Zunächst einmal muss sich das Pentagon womöglich auf ein Szenario vorbereiten, in dem der gesamte Nahe Osten destabilisiert wird. Dies gilt insbesondere, wenn die Trump-Regierung tatsächlich die iranischen Kurden bewaffnen sollte, was die Türkei verärgern und möglicherweise weitere separatistische Bewegungen innerhalb des Iran ermutigen würde. <BR /><BR />Zweitens könnten Russland und China, während die Aufmerksamkeit der USA abgelenkt ist, eine Gelegenheit sehen, ihre Ansprüche in der Ukraine bzw. in Taiwan durchzusetzen, was noch höhere US-Militärausgaben zur Aufrechterhaltung der Abschreckung erforderlich machen würde.<h3> Waffen oder Butter: Ein historisches Dilemma</h3>Wie der Nobelpreisträger und Ökonom Milton Friedman zu sagen pflegte, gibt es so etwas wie ein „kostenloses Mittagessen“ nicht. Und nirgends ist das zutreffender als bei militärischen Interventionen. Die Kriege in Vietnam, im Irak und in Afghanistan haben sämtlich gezeigt, dass die USA nicht gut darin sind, sich zwischen „Waffen und Butter“ zu entscheiden. Sie scheinen immer beides zu wollen, auch wenn bei Verfolgung beider Ziele gleichzeitig Inflationsdruck droht.<BR /><BR />Dies ist heute eine besonders relevante Sorge. Nach Angaben des Congressional Budget Office müssen die USA auf absehbare Zeit mit einem Haushaltsdefizit von über 6 Prozent vom BIP rechnen. Das bedeutet, dass sie auf bestem Weg ist, die Schuldenquote am Ende des Zweiten Weltkriegs zu übertreffen.<BR /><BR />Der Trump-Regierung mögen die sich verschlechternden öffentlichen Finanzen der USA gleichgültig sein, aber den Anleihemärkten sind sie durchaus nicht egal. Normalerweise suchen internationale Investoren in Zeiten erhöhter geopolitischer Spannungen die Sicherheit von US-Staatsanleihen. Aber ein weiteres Anzeichen dafür, dass ausländische Investoren ihr Interesse an US-Schuldpapieren verlieren könnten, ist, dass die Anleiherenditen seit Beginn des Iran-Krieges gestiegen sind.<h3> Die Gefahr eines Energiepreisschocks</h3>Angesichts eines Haushaltsdefizits von zwei Billionen Dollar und der anstehenden Prolongation fälliger Anleihen im Volumen von rund neun Billionen Dollar in diesem Jahr ist ein Verlust des Appetits ausländischer Investoren auf US-Anleihen das Letzte, was die US-Regierung brauchen kann. Die USA sind außerdem nicht in der Lage, einen Energiepreisschock zu absorbieren. Aber genau der scheint bevorzustehen. <BR /><BR />In seinem Kampf ums Überleben versucht das iranische Regime verzweifelt, den Krieg auf seine Nachbarn am Golf auszuweiten und den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus zu stören, durch die 20 Prozent der weltweiten Ölversorgung transportiert werden. Am 4. März schätzte Goldman Sachs, dass eine fünfwöchige Sperrung dieser wichtigen Wasserstraße die Ölpreise auf über 100 Dollar pro Barrel treiben könnte. Tatsächlich wurde diese Schwelle bereits in der vergangenen Woche überschritten.<BR /><BR />Auch wenn die US-Wirtschaft weit weniger von Ölimporten abhängig ist als bei früheren Energiepreisanstiegen, wäre sie sicherlich nicht immun gegen eine annähernde Verdoppelung des Ölpreises seit Jahresbeginn. <BR /><BR />Der Internationale Währungsfonds schätzt: „Wenn die Energiepreise über einen Zeitraum von einem Jahr nur um 10 Prozent steigen, würde dies die Inflation um 0,4 Prozentpunkte erhöhen und das Wirtschaftswachstum [weltweit] um 0,1 bis 0,2 Prozent verlangsamen.“ Diese stagflationären Effekte würden die ohnehin schon schwierige Haushaltslage durch sinkende Steuereinnahmen weiter verschärfen.<h3> Politische Konsequenzen für die Republikaner</h3>Von dem politischen Strategen James Carville stammt die berühmte Aussage, dass, was Wahlsiege angeht, die Wirtschaft alles sei. Wenn er damit immer noch Recht hat, könnte ein langwieriger Krieg mit dem Iran für Trumps Republikaner bei den Zwischenwahlen im November zu einem echten Problem werden. <BR /><BR />Wenn es in den USA tatsächlich zu einer Kombination aus einer Krise am Anleihemarkt, höherer Inflation und einer Konjunkturabschwächung kommt, könnten Trump und seine Partei ihren Verrat an der „America First“-Agenda noch bereuen.<BR /><BR /><b>Über den Autor</b><BR />Desmond Lachman ist Senior Fellow am American Enterprise Institute, ehemaliger stellvertretender Direktor der Abteilung für Politikentwicklung und -überprüfung des Internationalen Währungsfonds und ehemaliger Chefstratege für Schwellenländer bei Salomon Smith Barney.