Georg Kössler, Obmann des Südtiroler Apfelkonsortiums, spricht über den Preisdruck, wie Südtirol damit zurechtkommt und über die Bedeutung der europäischen Marktordnung.<BR /><BR /><b>Die letzten Äpfel der Saison werden dieser Tage geerntet. Herr Kössler, eine kurze Bilanz.</b><BR />Georg Kössler: Wir können in Südtirol von einer guten Apfelernte sprechen, die mengenmäßig wohl nur minimal unter dem Vorjahr liegen wird. In Europa liegt die Erntemenge insgesamt ebenfalls unter dem langjährigen Schnitt. <BR /><BR /><b>Der europäische Apfelmarkt wird zunehmend umkämpft. Wie schafft Südtirol, seine Position weiterhin zu behaupten?</b><BR />Kössler: Der geschlossene Auftritt mit zentraler Vermarktung ist eine Grundvoraussetzung zur Wahrung unserer Position am internationalen Apfelmarkt. Die Verkörperung einer Einheit nach außen ist sehr wichtig, um mit großen Handelspartnern arbeiten und konstante Mengen von hoher Qualität anbieten zu können. Die wichtigsten europäischen Ketten im Lebensmitteleinzelhandel haben umfangreiche Programme, bei denen große und gleichzeitig qualitativ hochwertige Mengen gefragt sind. Diese können unsere Verbände als verlässliche Partner ganzjährig liefern.<BR /><BR /><embed id="dtext86-67455980_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Sorgt die Monopolstellung im Lebensmitteleinzelhandel auch für entsprechenden Preisdruck bei den Verhandlungen?</b><BR />Kössler: Die Situation im Lebensmitteleinzelhandel macht es uns oft nicht leicht, zu verhandeln – wir pflegen aber ein gutes und partnerschaftliches Verhältnis zu unseren Kunden. Bei der Vermarktung unserer Ware folgen wir stets dem Grundsatz, den bestmöglichen Preis zu erzielen, um die Wertschöpfung unserer Bauern hochzuhalten. Ist das Apfelangebot zu groß und drückt die Konkurrenz mit aggressiven Preisen in den Markt, gehören ab und zu auch Abschläge beim Preis zum Geschäft.<BR /><BR /><b>Zuletzt machen den Bauern auch gestiegene Produktionskosten zu schaffen, die sich negativ auf die Erlöse auswirken…</b><BR />Kössler: Wir sind uns dessen bewusst und geben in der Vermarktung unser Bestes, um die gestiegenen Kosten durch höhere Verkaufspreise auf Kundenseite abzufedern – auch wenn das in einem umkämpften Marktgefüge nicht immer einfach umsetzbar ist. Nach einer schwierigen Saison 2022/23 konnten wir im Vorjahr aber wieder gute Verkaufszahlen mit zufriedenstellenden Erlösen erzielen. Unser Ziel muss es sein, die Preise nachhaltig auf einem Niveau einzupendeln, dass alle Bauern wertschöpfend arbeiten können. Gleichzeitig müssen wir auch den Apfelkonsum mit neuen, schmackhaften Sorten langfristig ankurbeln, damit der Absatz gesichert ist. Dank der Sortenerneuerung der letzten Jahre verfügen wir in Südtirol über ein vielfältiges Portfolio, das einen Mix aus traditionellen und neuen Sorten darstellt und den Ansprüchen moderner Konsumenten entspricht.<BR /><BR /><embed id="dtext86-67455981_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Immer wieder gibt es kritische Stimmen zur Europäischen Marktordnung, die den Apfelmarkt reguliert. Wie stehen Sie dazu?</b><BR />Kössler: Die Europäische Marktordnung hat das Ziel, den Produzenten in der Vermarktung von Obst und Gemüse beizustehen und eine wesentliche Qualitätssteigerung für die Produzenten zu ermöglichen. Dabei haben unsere Verbände als anerkannte Erzeugerorganisationen Zugang zu wichtigen Fördermitteln. Viele bedeutende Entwicklungen, mit deren Hilfe unsere Obstwirtschaft in den letzten Jahrzehnten zu einer der führenden im Apfelsektor geworden ist, wurden überhaupt erst durch diese Marktordnung möglich gemacht.<BR /><BR /><b>Inwieweit?</b><BR />Kössler: In den Verbänden und Genossenschaften können durch die Mittel wichtige Projekte zur Verbesserung der Infrastruktur realisiert werden. Außerdem werden Beiträge für nachhaltige Methoden zur Schädlingsbekämpfung, beispielsweise der Verwirrungstechnik gegen den Apfelwickler, gewährt. Jährliche Flächenbeiträge für die Einhaltung der strengen Richtlinien der integrierten und biologischen Produktion gehören ebenfalls dazu. Die Förderungen kommen schon dorthin, wo sie hinsollen und werden auch sehr streng kontrolliert. <BR /><BR /><b>Wie ist der Fördertopf aufgeteilt?</b><BR />Kössler: Der Fördertopf wird über einen Betriebsfonds gespeist. Dieser setzt sich zu 50 Prozent aus Eigenmitteln und zu 50 Prozent aus EU-Mitteln zusammen.<BR /><BR /><b>Die „Interpoma“ wird heute Abend eröffnet. Wie wichtig ist sie für die Südtiroler Obstwirtschaft?</b><BR />Kössler: Für die Südtiroler Obstwirtschaft ist die „Interpoma“ das Aushängeschild für die eigene Obstproduktion. Besonders der Fachkongress, der im Rahmen der Messe stattfindet, greift aktuelle Themen auf, in welchen namhafte Fachleute aus aller Herren Länder teilnehmen, um über die Zukunft des Apfelanbaus zu diskutieren. Dieses Jahr stellen die Innovationen in der Produktion, neue Zuchtmethoden oder die Digitalisierung im Feld wichtige Themen dar.<BR /><BR /><BR /><b>Stichwort Digitalisierung: Noch wird Digitalisierung in der Landwirtschaft von vielen belächelt. Wie wichtig ist es aber in Zukunft?</b><BR />Kössler: Digitalisierung ist längst schon im Obstbau angekommen, nur sind sich so manche dessen noch nicht ganz bewusst. So erfolgen zum Beispiel die Ernteschätzung, die Festlegung für die Erntetermine oder das Monitoring des Vegetationsverlaufs eigentlich schon auf digitaler Basis. Für jeden einzelnen kleinen Betrieb ist das vielleicht nicht so spürbar, aber die neuen digitalen Möglichkeiten werden künftig von der Beratung bis zur Vermarktung eine große Hilfe bei der Arbeit bieten.