Jedes Jahr tauchen im Zuge der Arbeiten zum italienischen Haushaltsgesetz Vorschläge zu neuen Frühpensionierungsmöglichkeiten auf. Aktuell ist es die „Rente mit 64“, die die Lega schon im vergangenen Jahr umsetzen wollte. Nun hat die Regierungspartei den Vorstoß für den Haushalt 2027 erneut aufgenommen.<BR /><BR />Ziel sei es, den Beschäftigten mehr Flexibilität beim Renteneintritt zu ermöglichen. „Aber auch unsere Unternehmen wettbewerbsfähiger zu machen, in Zeiten, in denen KI immer mehr den Arbeitsmarkt bestimmt“, erklärte der Staatssekretär im Arbeitsministerium, Claudio Durigon.<h3> Heute schon unter gewissen Voraussetzungen möglich</h3>Wie sieht der Vorschlag nun konkret aus? Konkret geht es um eine Ausweitung der „pensione anticipata contributiva“, der vorzeitigen Rente nach dem beitragsbezogenen System, mit der man bereits heute mit 64 Jahren in Rente gehen kann – sofern man eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1357086_image" /></div> <BR /> Dazu gehört, wie der Name suggeriert, dass diese Möglichkeit aktuell nur diejenigen nutzen können, deren Rente ausschließlich nach dem beitragsbezogenen System berechnet wird. Mit anderen Worten: diejenigen, die nach 1996 erstmals Rentenbeiträge eingezahlt haben. <BR /><BR />Weitere wichtige Voraussetzungen: Man muss mindestens 20 Beitragsjahre vorweisen und die erwartete Rente muss das Dreifache des Sozialgeldes – das wären im Jahr 2026 rund 1.640 Euro brutto – betragen.<BR /><BR />Für viele kommt diese Frührente aber derzeit nicht infrage: Denn wer heute 64 Jahre alt ist, wird höchstwahrscheinlich schon vor 1996 das erste Mal rentenversichert gewesen sein.<h3> Wer sie künftig nutzen könnte</h3>Genau hier setzt der Lega-Vorschlag an: Der Plan wäre, die „pensione anticipata contributiva“ auch für all jene zu öffnen, die vor 1996 erstmals rentenversichert waren. Sie müssten dann mindestens 25 Beitragsjahre nachweisen. Allerdings würde ihre Rente dann nicht wie bei der Altersrente im gemischten (für sie vorteilhafteren) System berechnet, sondern zur Gänze nach dem beitragsbezogenen System.<BR /><BR />Eine weitere Neuerung in dem Vorschlag betrifft die Rentenhöhe: Damit Beschäftigte leichter die vorgeschriebene Schwelle von rund 1.640 Euro erreichen, wäre vorgesehen, die angesparte Abfertigung (TFR) integrieren zu können. <BR /><BR />Anstatt dass sie nach Ende des Arbeitsverhältnisses als „una tantum“ ausgezahlt wird, könnte sie als monatliche Rate dazu dienen, die derzeitige Mindestgrenze von rund 1.640 Euro zu erreichen.<h3> Das sagt der Rentenfachmann</h3>Doch ist der Lega-Vorschlag für die Beschäftigten wirklich interessant?<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-76253012_quote" /><BR /><BR /><BR />Fachleute wie „WIKU“-Rentenexperte Alexander Oberkofler hegen Zweifel. „Der Vorschlag mag auf den ersten Blick positiv klingen, doch der Teufel steckt wie so oft im Detail.“<BR /><BR />Der größte Haken: „Bei dieser Rentenform wendet das Renteninstitut automatisch eine rein beitragsbezogene Berechnung der Rente an. Das bedeutet, dass der Rentenbetrag damit bedeutend geringer ausfällt.“ <BR /><BR />Kritisch sieht er auch die Tatsache, dass die Rente einen gewissen Mindestbetrag erreichen muss. „Es könnte also darauf hinauslaufen, dass die wirklichen Nutznießer dieser frühzeitigen Rente mit 64 Jahren lediglich die Personen sind, die ein relativ hohes Einkommen beziehen.“ Alle anderen würden es kaum schaffen, den vorgesehenen Mindestbetrag zu erreichen.<h3> CGIL: „Eine verrückte Idee“</h3>Die Gewerkschaft CGIL spricht von einer „falschen, ja sogar verrückten Idee“. Dieser Vorschlag wälze die Kosten für den vorzeitigen Renteneintritt vollständig auf die Arbeitnehmer ab. „Um früher in Rente gehen zu können, müssten sie ein Leben lang eine geringere Rente in Kauf nehmen und in einigen Fällen sogar ihre Abfertigung einsetzen, um die erforderliche Schwelle zu erreichen.“<BR /><BR />Aber bis zum endgültigen Haushaltsgesetz wird noch viel diskutiert. Ob dieser Vorschlag diesmal die Debatten überleben wird, wird sich zeigen. Im vergangenen Jahr war er erst gar nicht in den Haushalt übernommen worden.