Mittwoch, 02. September 2020

Konditorei Hofer schließt: „Entschluss hat nichts mit Corona zu tun“

Für die ältere Generation der Bozner war es fast eine Schockmeldung, als sie hörten, dass die äußerst beliebte Konditorei Hofer in der Bozner Museumstraße ihre Rollläden für immer herunterlassen wird. Was aber hat den jungen Konditormeister Hannes Dollinger dazu veranlasst, seinen Beruf an den Nagel zu hängen und nach neuen Ufern Ausschau zu halten? Das Tagblatt „Dolomiten“ hat ihn gefragt.

Bozens Traditions-Konditorei Hofer schließt Ende September ihre Tore.
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Bozens Traditions-Konditorei Hofer schließt Ende September ihre Tore. - Foto: © pka
Herr Dollinger, was hat Sie zur Entscheidung geführt, Ihren traditionellen Konditoreibetrieb zu schließen?

Hannes Dollinger: Mein Entschluss ist schon vor längerer Zeit gereift und hat mit Corona nichts zu tun. Ich habe sehr lange überlegt, denn einerseits wollte ich die Tradition der Konditorei weiterführen, andererseits möchte ich etwas Neues beginnen, denn mir ist einfach die Passion für diese sehr intensive Tätigkeit abhanden gekommen.

Sie haben schon in jungen Jahren von Ihren Eltern die Zügel übernommen. Wie war das damals?

Dollinger: Meine Eltern Christian und Margit haben uns, also meine Schwester und mich, stets vom Geschäftlichen ferngehalten. Wir sollten zuallererst unsere Neigungen und Talente ausleben, ohne Zwang. Das habe ich dann auch getan, und nach dem Studium kurz überlegt, ob ich noch den Master anhängen soll oder nicht. Ich habe mich 2013 dann für die Backstube entschieden, was mir anfangs auch gut gefallen hat.



Sie sind nicht nur im Hintergrund als Konditor tätig, sondern arbeiten auch mit Kunden bzw. Gästen im Kaffeehaus. Wie schafft man beides?

Dollinger: Das war und ist sehr herausfordernd, sei es, was die beträchtliche Arbeitszeit anbelangt, als auch die gesamte Organisation, Verwaltung und Personalführung. Wir sind, zusammen mit meinen Eltern, 10 Personen, die in der Backstube und im Servicebereich arbeiten. Mit der Zeit hat dann alles, insbesondere die bürokratischen Auflagen, überhandgenommen, mein Antrieb und meine Motivation haben entsprechend darunter gelitten.

Gibt es weitere Gründe, warum Sie das Handtuch werfen?

Dollinger: So einen Betrieb zu führen, ist für die Familienplanung nicht unbedingt förderlich. Für die Kinderbegleitung ist oft keine Zeit vorhanden, ich arbeite ja 6 Tage die Woche, täglich viele Stunden. Auch meiner zukünftigen Frau kann ich es nicht zumuten, das alles mitzumachen. Letztlich, nur der Tradition zuliebe kann und will ich mir das nicht länger antun.

Wie lange können sich die Bozner der Konditorei Hofer noch erfreuen?

Dollinger: Wir werden gegen Ende September schließen. Was dann passiert, weiß ich noch nicht genau. Wenn ich aber jetzt mit etwas Wehmut dieser Schließung entgegensehe, dann auch deshalb, weil ich stets positiv meine Arbeit angegangen bin, die Mitarbeiterführung hat mir immer große Freude bereitet, vor allem aber sind es unsere Stammkunden, der tägliche Kontakt mit ihnen, der aufbauend war und den ich sicher auch vermissen werde.

Abschließend noch eine Frage an den Konditormeister: Was ist eigentlich Ihr Lieblingsgebäck?

Dollinger: Das ist schlicht und einfach der traditionelle Indianer. Den habe ich als Kind schon gerne gegessen und er schmeckt mir immer noch gut. Es ist ein jahrhundertealtes Rezept, das sich nie verändert hat.


Interview: Karl Psenner

pka

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