Doch mehr als ein Viertel der Beschäftigten hat noch immer nicht verstanden, dass damit niemandem geholfen ist – im Gegenteil: Wer arbeitet, obwohl er ins Bett gehört, schadet sich selbst und anderen.<h3> Präsentismus – immer da, auch wenn man krank ist</h3>Präsentismus nennt sich das Phänomen, wenn Menschen trotz Krankheit im Betrieb erscheinen – also „stets präsent“ sind, komme, was wolle. Das mag auf den ersten Blick nach Einsatz, Loyalität und Fleiß klingen. Ist es aber nicht, sagen Fachleute unisono. <BR /><BR />Aus gesundheitlicher, wirtschaftlicher wie auch sozialer Sicht spricht nichts dafür, sich krank ins Büro, ins Geschäft oder auf die Baustelle zu schleppen. Im Gegenteil: Präsentismus kann dazu führen, dass eine spätere Krankschreibung umso länger dauert. Die Leistungsfähigkeit ist krankheitsbedingt stark eingeschränkt, das Risiko von Fehlern und Arbeitsunfällen steigt. Und stecken sich Kolleginnen und Kollegen an, fallen sie ebenfalls aus.<BR /><BR /><i>Sie sind mit Ihrer derzeitigen Stelle nicht vollständig zufrieden? Diese Information behandeln wir vertraulich. <b> <a href="https://www.dolomitenmarkt.it/jobs/diskrete-jobsuche?mtm_campaign=DM_dmdiskretejobsuche_stol_artikel__diskretejobsuche_storyline_krankzurarbeit&mtm_kwd=diskretejobsuche_storyline_krankzurarbeit&mtm_source=Stol&mtm_medium=Artikel&mtm_cid=32&mtm_group=DolomitenMarkt" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Registrieren Sie sich kostenlos und unverbindlich für die diskrete Jobsuche.</a></b> Nach Vervollständigung des Profils können Sie sich zurücklehnen und abwarten – interessierte Arbeitgeber haben dann die Möglichkeit mit Ihnen Kontakt aufzunehmen. Im diskreten Modus entscheiden ausschließlich Sie, ob und wann Sie Ihre Identität offenlegen.</i><h3> Prozentsatz halbiert</h3>Gerade in Südtirol schien dieser Präsentismus lange Zeit eine weit verbreitete „Krankheit“ zu sein. Das zeigt eine Erhebung des Arbeitsförderungsinstituts (Afi) aus dem Jahr 2016. „Sind Sie in den vergangenen 12 Monaten arbeiten gegangen, auch wenn Sie krank waren?“, lautete die Frage. <BR /><BR />Nicht weniger als 51 von 100 Südtiroler Beschäftigten antworteten mit „Ja“ – also mehr als die Hälfte. In der EU lag der Durchschnitt bei 42 Prozent, im restlichen Italien gar nur bei 27 Prozent. Auch in Österreich (36 Prozent) und Deutschland (32 Prozent) blieben mehr Menschen zu Hause als in Südtirol, wenn es ihnen nicht gut ging; in der Schweiz waren es sogar fast drei Viertel der Befragten.<BR /><BR /><BR />Fünf Jahre später, im Sommer 2021, hat das Afi die Befragung wiederholt – mit einem deutlich veränderten Bild. Nur noch 26 Prozent, also knapp mehr als ein Viertel der Südtirolerinnen und Südtiroler, gaben bei derselben Frage an, trotz Krankheit am Arbeitsplatz erschienen zu sein. Der EU-Schnitt lag inzwischen bei 30 Prozent, Deutschland und Österreich rangierten mit auffallend geringen Veränderungen darüber.<h3> Was Corona bewirkt hat</h3>Tobias Hölbling, Arbeits- und Organisationspsychologe am Afi, hat diese neuesten Daten exklusiv für den „Markt“ zur Verfügung gestellt. Wie erklärt er sich den markanten Rückgang in Südtirol? Wenig überraschend sieht er in der Corona-Pandemie einen der Hauptgründe. Sie habe die Beschäftigten auch hierzulande in den vergangenen Jahren „ein wenig zur Vernunft gebracht“. <BR /><BR />„Bis zum Ausbruch der Pandemie hatte die allgemeine Verhaltensregel gelautet: ,A bissl z’sammreißen' – sowohl für sich selbst als auch für die Mitarbeitenden“, sagt er. Während der Coronazeit sei es hingegen ausdrücklich erwünscht gewesen, zu Hause zu bleiben, sobald man sich krank fühlte – und zwar sowohl aus Sicht der Kollegenschaft als auch der Vorgesetzten. „Das hat wohl die allgemeine Erkenntnis bestärkt, dass es niemandem nützt, am wenigsten den Betroffenen selbst, wenn sie krank zur Arbeit gehen.“<BR /><BR />Ein weiterer Grund für die positive Entwicklung dürfte laut Tobias Hölbling sein, dass die Krankschreibung während der Epidemie einfacher war.<h3> Kein Lob mehr für die vermeintliche „Heldentat“</h3>Vermutlich ist der Anteil der Kranken am Arbeitsplatz seit 2021 wieder etwas gestiegen, „weil sich mit dem Abschwächen oder Verschwinden von Phänomenen in der Regel auch alte Verhaltensmuster wieder einstellen“, so Hölbling. Dennoch zeigt der Blick ins eigene Umfeld: Ganz so stark wie früher ist der Präsentismus nicht mehr ausgeprägt. Corona hat uns bewusster gemacht, wie leicht und schnell Viren übertragen werden. Viele empfinden es inzwischen als unangenehm, wenn der Kollege am Nebentisch ständig hustet und niest oder mit seinen Händen Türklinken und andere Flächen kontaminiert.<BR /><BR />Auch die möglichen Folgen einer verschleppten Grippe oder eines Rückfalls sind heute präsenter als noch vor einigen Jahren. Kranksein gilt nicht mehr so selbstverständlich als „Bagatelle“. Wer trotzdem krank im Betrieb aufkreuzt, bekommt von der Führungskraft kaum noch Lob und von den Kolleginnen und Kollegen kaum noch Dank für seine vermeintliche Heldentat.<h3> Appell ans Pflichtgefühl</h3>Was aber können Kolleginnen, Kollegen und Führungskräfte konkret tun, um übermotivierte Mitarbeitende vom Präsentismus abzuhalten? „Zum Beispiel an ihr großes Pflichtgefühl appellieren, das eigentlich sagen müsste: Du kannst dich in deinem Zustand ohnehin nicht auf die Arbeit konzentrieren, begehst womöglich einen schweren Fehler, der dir selbst, aber noch mehr dem Unternehmen schadet. Bleib daheim und schau, dass du so schnell wie möglich wieder gesund wirst“, rät Arbeitspsychologe Tobias Hölbling.<BR /><BR />Arbeitgeber und Führungskräfte hätten über ihren Vorbildcharakter den größten Hebel: „Wenn sie sich bei Krankheit wirklich krankmelden und nicht von daheim aus Anweisungen erteilen, dann sehen auch die Mitarbeitenden in diesem Verhalten etwas Erlaubtes und Positives.“<BR /><BR />Sehr zu empfehlen sei zudem ein betriebliches Gesundheitsmanagement, das nicht einmal besonders aufwändig sein müsse. „Es geht darum, der Belegschaft klarzumachen: Eure Gesundheit ist uns wichtig“, erklärt der Fachmann. Das könne durch Aktionen wie „Treppe statt Aufzug“, die Teilnahme an einem Firmenlauf oder durch Workshops zu Gesundheitsthemen geschehen – um nur einige Beispiele zu nennen.