Mittwoch, 18. November 2020

Krankgeschrieben in der Lohnausgleichskasse: Was heißt das für mich?

Was passiert, wenn ich coronabedingt in der Lohnausgleichskasse bin und in Quarantäne muss oder krankgeschrieben werde? Bekomme ich dann für die Zeit der Quarantäne mein normales Gehalt? Diese Frage stellen sich derzeit viele Südtiroler. Arbeitsrechtsexperte Josef Tschöll sagt: „Die Sache ist kompliziert.“

Angestellte von geschlossenen Geschäften, die in der Lohnausgleichskasse sind, beziehen auch im Krankenstand deren Leistungen.
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Angestellte von geschlossenen Geschäften, die in der Lohnausgleichskasse sind, beziehen auch im Krankenstand deren Leistungen. - Foto: © APA / GEORG HOCHMUTH
Wenn die Arbeitstätigkeit im Betrieb komplett ausgesetzt ist, bleibt der Mitarbeiter auch im Krankenstand in der Lohnausgleichskasse und erhält die Leistungen derselben. „Das betrifft derzeit etwa die Angestellten von Geschäften, die geschlossen halten müssen,“ erklärt Experte Josef Tschöll.

Ist nur ein Teil der Mitarbeiter suspendiert oder wird im Betrieb mit reduzierter Arbeitszeit gearbeitet, gelten die normalen Bedingungen der Krankschreibung – auch im Fall einer verordneten Quarantäne.



„Bei diesem Prozedere hakt es derzeit“, weiß Tschöll. Hat jemand nämlich eine Quarantäneverfügung, muss er diese dem Hausarzt weiterleiten und dieser wiederum informiert das NISF/INPS telematisch. „Die Quarantäne wird dann wie Krankheit behandelt und kann mit dem NISF/INPS als Leistung verrechnet werden“, sagt Tschöll. „Aber nicht alle Hausärzte haben die entsprechenden Meldungen weitergeschickt.“

Arbeitsrechtsberater und Wirtschaftsverbände können beraten

„Man muss die individuelle Situation bewerten“, sagt Josef Tschöll. Mitarbeiter sollten sich bei Unklarheiten am besten an ihren Arbeitgeber wenden. Dieser könne mit Arbeitsrechtsberatern oder den Wirtschaftsverbänden Rücksprache halten und diese Fragen von Fall zu Fall klären.

Neu ist das Thema allerdings nicht: Bereits 2009 hat das NISF/INPS den Sachverhalt in einem Rundschreiben geklärt, nachdem es vorher immer wieder Unsicherheiten diesbezüglich gegeben hatte. Im Zuge der Coronakrise hat das Thema allerdings neue Aktualität erfahren. „Da wurden die Bestimmungen nochmals bestätigt“, erklärt Tschöll. „Dass es Unsicherheiten gibt, ist aber verständlich.“

kn