<BR />Die USA, Israel und der Iran stehen seit Samstag im Krieg. Wie lange der Konflikt dauert oder welche Ausmaße er annimmt, kann keiner sagen – und genau das ist aus wirtschaftlicher Sicht das größte Problem. „Der Konflikt hat einen ordentlichen Schub Unsicherheit in die Märkte gebracht“, sagt Ökonom Gottfried Tappeiner von der Universität Innsbruck. <h3> Rohstoffpreise stark angezogen</h3>Besonders heftig reagierten die Rohstoffmärkte, nachdem iranische Streitkräfte die Straße von Hormus, einen der wichtigsten Transportwege für Öl und Gas, de facto blockiert hatten. 20 Prozent des weltweit verschifften Öls werden über diese Meerenge transportiert. Zwar geht der Großteil der Lieferungen nach Asien, nur ein kleiner Teil nach Europa. Doch allein die Befürchtung, dass das Öl knapp werden kann, ließ die Preise weltweit steigen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1283313_image" /></div> <BR /><BR />In der Nacht zum Montag stieg der Preis für Brent-Öl aus der Nordsee um mehr als zehn Prozent auf 82,37 Dollar je Barrel, US-Leichtöl (WTI) kletterte auf 75,33 Dollar. Noch stärker sprang der Gaspreis, weil ein großer katarischer LNG-Produzent nach Angriffen auf seine Anlagen den Betrieb einstellen musste. Der Leitkontrakt TTF an der Amsterdamer Börse stieg auf bis zu 45 Euro je Megawattstunde – rund 44 Prozent mehr als am Freitag.<BR /><BR />In weiterer Folge reagierten auch die Finanzmärkte, weil steigende Energiepreise die Sorge vor höheren Produktions- und Transportkosten schüren. Der deutsche Leitindex DAX gab am Montagfrüh um 2,42 Prozent nach, der Mailänder FTSE MIB um 2,01 Prozent. Besonders hart traf es die Reisebranche: Da der Luftverkehr in Nahost faktisch zum Erliegen gekommen ist und strategische Drehkreuze wie Dubai gesperrt wurden, brachen die Kurse von Airlines ein. Die Aktie der Deutschen Lufthansa verlor 5,29 Prozent an Wert, während Air France-KLM sogar ein Minus von 9,53 Prozent hinnehmen musste.<h3>Gefahr vor Inflation bei Langzeit-Konflikt</h3>Sollte sich der Konflikt in die Länge ziehen, hätte das spürbare Folgen für die Weltwirtschaft – und auch für Südtirol. Ein anhaltender Engpass bei Öl und Gas würde laut Georg Lun, Direktor des Wirtschaftsforschungsinstituts der Handelskammer, die Energiepreise für Unternehmen und private Haushalte dauerhaft hoch halten und die Inflation erneut anheizen. „Schon nach Beginn des Ukrainekriegs wurde deutlich, wie schnell steigende Öl- und Gaspreise die Inflation beeinflussen“, erklärt Lun. <BR /><BR /> Für Unternehmen bedeutet das höhere Produktionskosten, für Haushalte teureres Heizen, teurerer Strom und teureres Tanken. Letzteres macht sich bereits bemerkbar. Der Preis für Benzin stieg auf über 1,8 Euro je Liter. <h3> Golfstaaten gelten als Exportmärkte</h3>Neben den steigenden Energiepreisen könnte die Wirtschaft laut Lun auch unter dem Verlust wichtiger Exportmärkte leiden. „Länder wie Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate gehören zu den wachsenden Absatzmärkten für Unternehmen in Südtirol. Ein Krieg, der die gesamte Region umfasst, wäre ein Gift für diese Märkte“, so Lun.<BR /><BR />Nicht zuletzt wirke ein solcher Krieg als massive Investitionsbremse, sind sich Ökonomen einig. „In Zeiten geopolitischer Instabilität verschieben Unternehmen geplante Projekte oder legen Expansionspläne auf Eis“, so Tappeiner. „Ob dies zu einem Nullwachstum oder sogar zu einem Rückgang des globalen Bruttoinlandsprodukts führt, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht seriös vorhersagen.“