Donnerstag, 09. Juli 2015

Kükenschreddern in deutschen Betrieben soll bis 2017 aufhören

21 Tage werden Hühnereier bebrütet. Dann schlüpfen in der Legehennenzucht die Küken – und die Hälfte von ihnen wird geschreddert oder vergast. Diese Praxis soll sich in Deutschland jetzt ändern.

Bei der Eierproduktion kommt es nur auf die Legehennen an. Die männlichen Küken werden bisher millionenfach aussortiert und getötet. - Foto: APA/EPA
Bei der Eierproduktion kommt es nur auf die Legehennen an. Die männlichen Küken werden bisher millionenfach aussortiert und getötet. - Foto: APA/EPA

„Mein Ziel ist, dass das Kükenschreddern 2017 aufhört“, sagte Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) am Donnerstag in Berlin. Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 45 Millionen männliche Küken nach dem Ausbrüten getötet, weil sie für die Eierproduktion nicht benötigt werden.

Das von Tierschützern scharf verurteilte Töten von vielen Millionen männlichen Küken soll mit einer Methode zur frühzeitigen Geschlechtsbestimmung im Hühnerei beendet werden (STOL hat berichtet).

Geschlecht schon im Ei bestimmen

In Zukunft soll das Geschlecht bereits nach drei Tagen im Ei bestimmt werden. Dann könnten statt lebender Küken befruchtete Eier aussortiert werden.

Für die Weiterentwicklung der entsprechenden Methode sicherte Schmidt der Universität Leipzig und ihren Partnern noch einmal 1,17 Millionen Euro Fördergelder zu. Bisher wurden bereits etwa zwei Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Die Leiterin des Projekts in Leipzig, Prof. Maria Krautwald-Junghans, ist zuversichtlich, dass das Gerät rechtzeitig entwickelt werden kann. Dabei soll mit Lasertechnologie ein kleines Loch in das drei Tage bebrütete Ei gefräst werden und dann mit einer „Nah-Infrarot-Raman-Spektroskopie“ das Geschlecht des Embryos bestimmt werden.

Danach muss das Ei wieder verklebt werden.

Zucht von „Zweinutzungshühnern“ als Lösung

Tierschützern gehen die Pläne nicht weit genug. Der Deutsche Tierschutzbund betonte am Donnerstag, langfristig sei eine Abkehr vom bisherigen System notwendig, etwa durch die Zucht von „Zweinutzungshühnern“, die als Eier -und Fleischproduzenten eingesetzt werden können.

„Ein Bundesminister, der selbst sagt, dass das Kükentöten gegen den Grundsatz des Tierschutzgesetzes verstößt, kann eigentlich nur ein Verbot aussprechen.“

Schnabelkürzen bis August 2016 beenden

Ebenfalls am Donnerstag unterzeichneten Schmidt und die Geflügelwirtschaft eine Vereinbarung, die das umstrittene Schnabelkürzen bei Legehennen und Mastputen bis August 2016 beenden soll.

Ausnahmen sollen nach Angaben der Produzenten jedoch möglich bleiben, etwa bei Federpickerei und Kannibalismus unter den Hühnern. Ebenso wie bei der Beendigung des Kükenschredderns müssten europaweite Regeln greifen, damit die deutsche Geflügelwirtschaft konkurrenzfähig bleibe.

dpa

stol