Mittwoch, 30. September 2020

Lagarde: „EZB braucht ein glaubwürdiges Inflationsziel“

Europas Währungshüter treiben die Überprüfung ihrer geldpolitischen Strategie voran – inklusive der Sichtweise auf die Teuerungsrate.

„Wir sollten ein Inflationsziel haben, das glaubwürdig ist und das die Öffentlichkeit leicht verstehen kann.“ sagte die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde.
„Wir sollten ein Inflationsziel haben, das glaubwürdig ist und das die Öffentlichkeit leicht verstehen kann.“ sagte die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde. - Foto: © APA/afp / KENZO TRIBOUILLARD
„Wir müssen die Kräfte, die heute die Inflationsdynamik antreiben, gründlich analysieren und überlegen, ob und wie wir unsere Strategie als Reaktion darauf anpassen sollten“, sagte die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, am Mittwoch bei einer Tagung in Frankfurt. „Wir sollten ein Inflationsziel haben, das glaubwürdig ist und das die Öffentlichkeit leicht verstehen kann.“

Hauptziel der EZB ist ein ausgewogenes Preisniveau – im Jargon der Währungshüter: Preisstabilität. Seit 2003 definiert die Notenbank Preisstabilität mittelfristig bei einer jährlichen Teuerungsrate von „unter, aber nahe 2 Prozent“. Allerdings liegt die Inflation im Euroraum seit geraumer Zeit deutlich unter dieser Zielmarke. Die EZB ist daher seit Jahren im Anti-Krisen-Modus.

Bürger können sich zu Wort melden

Das Umfeld mit niedrigen Inflationsraten werfe einige neue Fragen bezüglich des Mittelfristziels auf, sagte Lagarde. „Zum Beispiel dürfte das Vorhandensein großer und anhaltender disinflationärer Schocks, die beispielsweise mit der Möglichkeit zusammenhängen, Preise über das Internet aktiver zu vergleichen (...), mehr Flexibilität erfordern.“ Die EZB könnte demnach untersuchen, ob sie Zeiten mit besonders niedriger Inflation dadurch ausgleicht, dass sie zeitweise höhere Inflationsraten akzeptiert.

Die EZB hatte Anfang dieses Jahres beschlossen, eine umfassende Überprüfung ihrer geldpolitischen Strategie auf den Weg zu bringen. Die Notenbank will dabei ihre Formulierung von Preisstabilität ebenso unter die Lupe nehmen wie das geldpolitische Instrumentarium und ihre gesamte Kommunikation. Bürger sind aufgerufen, sich online im Portal „Die EZB hört zu“ zu Wort zu melden.

Mit einem Abschluss der Strategieüberprüfung rechnet Lagarde in der zweiten Jahreshälfte 2021. Ursprünglich war das Ziel, bis Ende des laufenden Jahres zu Ergebnissen zu kommen, doch die Corona-Pandemie bremste den Prozess.

dpa