Montag, 29. März 2021

Laimburg: Apfel erreicht Vollblüte in diesem Jahr früher

Seit 1975 erhebt das Versuchszentrum Laimburg Daten zum Einfluss der Witterung und des Klimas auf die jahreszeitliche Entwicklung (die „Phänologie“) des Apfels. Für dieses Jahr erwarten die Experten die Vollblüte der Sorte Golden Delicious am Standort Laimburg um den 9. April.

Bald schon erreicht der Golden Delicious in der Laimburg seine Vollblüte.
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Bald schon erreicht der Golden Delicious in der Laimburg seine Vollblüte. - Foto: © Versuchszentrum Laimburg
Der Vegetationsverlauf des Apfels hängt von Faktoren wie der Sorte und der Unterlage, der Lage (Boden und Standort) und dem jeweiligen klimatischen Verlauf des Jahres ab.

Aktuell befindet sich die Sorte Golden Delicious am Standort Laimburg im sog. „Grünknospenstadium“, d. h. die noch geschlossenen Einzelblüten beginnen damit sich voneinander zu lösen.

Wie lange wird es nun aber noch bis zur Vollblüte dauern? Dies genau zu prognostizieren, ist nicht einfach und erfordert viel Sachkenntnis und Erfahrung.

Im „günstigsten“ Fall vergingen vom „Grünknospenstadium“ bis zur Vollblüte gerade einmal 11 Tage, es kann aber auch 24 Tage lang dauern. Trotzdem kann eine Prognosegenauigkeit von +/- 2 Tagen erreicht werden.

„Die Vollblüte, bei der mindestens 50 Prozent der Blüten geöffnet sind und erste Blütenblätter abfallen, wird dieses Jahr bei der Sorte Golden Delicious am Standort Laimburg wahrscheinlich um den 9. April erreicht werden, da laut Hydrographischem Amt eine überdurchschnittlich warme Karwoche bevorsteht“, prognostiziert Edmund Ebner von der Arbeitsgruppe „Pomologie“ des Versuchszentrums.

Wenn es nicht zu einem Kaltlufteinbruch kommt, könnte die Vollblüte sogar noch ein bis 2 Tage früher eintreten. „Damit würden dieses Jahr erstmals höchstens 10 Tage vom Grünknospenstadium bis zur Vollblüte vergehen, was einen neuen Rekord in der Entwicklung der Blütenknospen bedeuten würde“, erklärt Ebner. „Wir lägen dann etwa 8 bis 9 Tage früher als im langjährigen Mittel der letzten 46 Jahre, wonach die Vollblüte im Schnitt erst am 17. April eintrat.“

Die frühblühende Sorte Cripps Pink befindet sich aktuell im „Rotknospenstadium“, d. h. die Blütenstiele strecken sich, die Kelchblätter sind leicht geöffnet und Blütenblätter gerade erkennbar.

Bei dieser Sorte ist den Experten des Versuchszentrums zufolge heuer im Vergleich zu Golden Delicious mit einer um 4 Tage früheren Vollblüte zu rechnen, also um Ostermontag, 5. April.

Historische Sorten

In der „physischen Genbank“ des Versuchszentrums Laimburg sind u. a. auch 120 alte Lokalsorten ausgepflanzt. Die historische Sorte „Spätblühender Taffet“ beispielsweise blüht ca. 20 Tage nach Golden Delicious. Die israelische Sorte Anna, die keinen kommerziellen Marktwert besitzt, weist einen niedrigen Kältebedarf auf und treibt somit früher aus. Am Standort Laimburg hat diese Sorte bereits am heutigen Montag zu blühen beginnen, die Vollblüte ist in den kommenden Tagen zu erwarten.

Frostgefahr nicht zu unterschätzen

Die Prognosegenauigkeit des Vollblütedatums hängt dabei wesentlich von der Witterung der kommenden Tage ab. Dieses Jahr war es bis Monatsmitte überdurchschnittlich warm, was einen rasanten Vegetationsfortschritt zur Folge hatte.

Zwischen dem 17. und 24. März waren dann aber in 8 Tagen gleich 6 Frostnächte zu verzeichnen, an denen am Standort Laimburg die Frostberegnung eingeschaltet werden musste. Durch den Einsatz der Frostberegnung wurde die Bodentemperatur abgekühlt und damit der rasante Vegetationsverlauf stark eingebremst.

2017 hatte eine einzige Frostnacht am 20.April genügt, um in großen Apfelanbaugebieten Europas und in höheren Lagen Südtirols Mengen- und Qualitätseinbußen zu verursachen.

Ob die vor kurzem eingetretenen Frostnächte auch für die Ernte 2021 Qualitätseinbußen bedeuten, wird man spätestens Ende Mai/Anfang Juni abschätzen können. „Je später der Blühbeginn, umso geringer das Risiko, größere Schäden durch Spätfröste zu erleiden“, fasst Edmund Ebner zusammen.

stol

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