Im Rahmen einer Tagung des Raiffeisen Energieverbands haben am Mittwoch Fachleute über lokale Zukunftsstrategien in den Bereichen Energieproduktion und Energienutzung diskutiert. Georg Wunderer, Obmann des Raiffeisen Energieverbands, eröffnete die von Rudi Rienzner, Geschäftsführer Energieverbands, moderierte Debatte mit einer Energiebilanz für Südtirol. 2008 verbrauchte Südtirol 11.868 Gigawattstunden Strom, 38 Prozent davon stammten aus erneuerbaren Energien, 62 Prozent lieferten fossile Energieträger. Dabei wurden 39,2 Prozent der in Südtirol genutzten Energieressourcen von einheimischen Produzenten geliefert. „Wer sagt, Südtirol hat schon jetzt genug Eigenständigkeit, irrt sich also“, betonte Wunderer. 98,8 Prozent des in Südtirol erzeugten Stroms liefern 930 Wasserkraftwerke. Aber auch bei der elektrischen Energie ist Südtirol von Stromeinkäufen abhängig. So kann sich das Land nur in den Sommermonaten autark mit Strom versorgen, im Winter muss Strom zugekauft werden. “Land plant sieben große Geothermie-Kraftwerke“Die „Intelligente Nutzung von Energie“, die „Verbesserung der Energieeffizienz“, die „Ersetzung fossiler Energieträger“ und der „Ausbau der Erneuerbaren Energien“ sind laut dem Landesrat für Umwelt und Energie, Michl Laimer, die tragenden Säulen der Südtiroler Energiepolitik. Schon heute setze das Land auf Wasserkraft, Biomasse-Heizwerke, Biogas- und Windräder sowie auf Solaranlagen und die Photovoltaik-Technik, so Laimer auf der Tagung. Das größte Ausbaupotential habe in Südtirol allerdings die Geothermie. Deshalb plane das Land in Südtirol sieben Geothermie-Kraftwerke zur Nutzung der in der Erdrinde gespeicherten Wärmeenergie in einer Tiefe von 5.000 Metern. Beschlossen ist der Bau der sieben Kraftwerke aber noch nicht. Die Landesregierung lässt im Rahmen eines Forschungsprogramms überprüfen, „ob Geothermie in Südtirol sinnvoll ist“, so Landeshauptmann Luis Durnwalder vor mehreren Wochen. In diesem Bereich wisse man noch zu wenig.Deshalb werde geprüft, wie sinnvoll die Nutzung der Geothermie in Südtirol sei, unter welchen Voraussetzungen sie sich lohne und welche Folgen sie habe.Bei Geothermie wird tief in der Erde gespeicherte Energie, genutzt, sowohl direkt, z.B. zum Heizen und Kühlen durch Wärmepumpenheizungen, als auch zur Erzeugung von elektrischem Strom. Der Raiffeisen Energieverband Derzeit gehören dem 2006 gegründeten Raiffeisen Energieverband 167 Produzenten und Verteiler an; die genossenschaftlich organisierte Energielobby vertritt einen großen Teil der in Südtirol im Bereich Energie tätigen Unternehmen.Die Dachorganisation ist als „Plattform für die lokale Energiewirtschaft“ auch ein eingetragener Stromhändler und arbeitet eng mit anderen Verbänden zusammen. Die Kooperation mit dem Südtiroler Biomasseverband wurde derart intensiviert, dass auch eine Fusion der beiden Verbände nicht mehr ausgeschlossen sei, hieß es auf der Tagung am Mittwoch in Bozen.