Donnerstag, 14. April 2016

Landwirtschaft 2016: Obst und Wein top, Milch (vielleicht) flop

Nach einem eher schwierigen Jahr 2015 blickt die Südtiroler Landwirtschaft wieder zuversichtlich in die Zukunft. Dies geht aus dem Wirtschaftsbarometer des WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen hervor. Sorgen bereitet die ungünstige Entwicklung des europäischen Milchmarktes nach Wegfall der Milchquoten.

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Foto: © APA

Das vergangene Jahr lief für die Südtiroler Landwirtschaft nicht optimal. Die Obstwirtschaft kämpfte mit einem europaweiten Überangebot, das die Marktlage wesentlich beeinträchtigte. Dies war vor allem bei der wichtigsten Sorte „Golden Delicious“ zu beobachten, deren Preis im ersten Halbjahr 2015 um ein Viertel niederer als im Vorjahr war. Folglich konnten nur etwa 40 Prozent der Obstgenossenschaften den Apfelproduzenten zufriedenstellende Erzeugerpreise auszahlen.

Auch in der Weinwirtschaft war die Ertragslage nicht optimal, weil die Erntemenge der Weinlese 2014 weit unter dem Durchschnitt lag.

Obstgenossenschaften und Weinkellereien optimistisch

Die Schwierigkeiten des vergangenen Jahres sind aber zum Teil überwunden und die landwirtschaftlichen Genossenschaften erhoffen sich ein positives Jahr 2016. In der Obstwirtschaft sehen die Rahmenbedingungen heuer besser aus: Die letzte Apfelernte war europaweit etwas geringer und die Großhandelspreise sind derzeit um sechs Prozent höher als vor zwölf Monaten. Aus diesen Gründen erwartet man eine Steigerung des Umsatzes, vor allem auf den ausländischen Märkten. Fast alle Obstgenossenschaften gehen davon aus, dass sie heuer befriedigende Auszahlungspreise bezahlen werden.

Die Kellereien äußern sich ebenfalls optimistisch. Die Weinlese 2015 war qualitativ sehr gut und auch die Erntemengen sind im Vergleich zu 2014 gestiegen: Die Produktion liegt bei etwa 324.000 Hektoliter und somit im Durchschnitt der letzten Jahre. Daher erwarten die Kellereien steigende Umsätze. Die Auszahlungspreise werden zufriedenstellend bis gut ausfallen.

Milchwirtschaft sorgt sich über europäische Entwicklung

Das Geschäftsklima ist laut Barometer auch in der Milchwirtschaft eher positiv, hat sich aber gegenüber 2015 verschlechtert. Zwar gehen 90 Prozent der Milchhöfe und Sennereien davon aus, dass sie den Milchbauern auch heuer zufriedenstellende Erzeugerpreise auszahlen können, es wachsen aber die Sorgen um die Lage des europäischen Milchmarktes.

Die Abschaffung des Milchquotensystems im April 2015 habe zu einer Überproduktion und damit zu stark sinkenden Preisen geführt. Diese liegen in einigen Ländern sogar unter 30 Cent pro Liter. Die Tatsache, dass rund 80 Prozent der Südtiroler Milch von den Genossenschaften zu Milchprodukten verarbeitet wird, kann entgegenwirken. Jedoch sei für die Milchbauern eine Senkung der Rentabilität zu erwarten.

stol

stol