Dienstag, 07. Dezember 2021

Lehrer: „Wir fordern nicht Milliarden“

Die Lehrer in Südtirol sind erzürnt: Der Grund dafür ist die jahrelange ökonomische Benachteiligung der Lehrpersonen durch den Staat und durch das Land Südtirol. STOL hat mit Petra Nock, der Vorsitzenden der Südtiroler Schulgewerkschaft (SSG) im ASGB, gesprochen.

„Die Südtiroler Staatslehrpersonen werden bei gleicher Arbeitsleistung im Vergleich zu den Landeslehrpersonen ökonomisch deutlich benachteiligt.“
Badge Local
„Die Südtiroler Staatslehrpersonen werden bei gleicher Arbeitsleistung im Vergleich zu den Landeslehrpersonen ökonomisch deutlich benachteiligt.“ - Foto: © shutterstock
Vonseiten des Staates würden kaum ausreichend Mittel (geplant ist eine Lohnanpassung von 12 Euro brutto pro Monat) für die Erneuerung des Kollektivvertrags bereitgestellt werden. Zusätzlich würden staatsweit prekäre Arbeitsverhältnisse und bürokratische Überlastung sowie das EU-weit niedrigste Lohnniveau den Lehrberuf kaum attraktiv machen, heißt es seitens des SSG.

Auch auf Landesebene liegt einiges im Argen

„Die Südtiroler Staatslehrpersonen werden bei gleicher Arbeitsleistung im Vergleich zu den Landeslehrpersonen ökonomisch deutlich benachteiligt“, heißt es vom SSG. Sie würden ein 10 Prozent niedrigeres Gehalt sowie eine 30 Prozent geringere Abfertigung und dementsprechend auch niedrigere Pensionen erhalten.

So verdienen zum Beispiel bei gleichem Ausbildungsniveau Grundschullehrer der staatlichen Schulen in Südtirol über 42 Dienstjahre in Vollzeit berechnet rund 147.000 Euro weniger. Dem seit Jahren stagnierenden Lohnniveau stehe zudem eine indirekte Gehaltskürzung durch zunehmend komplexe Arbeitserfordernisse gegenüber.

„Die wirtschaftliche Ungleichbehandlung setzt sich in der vertikalen Laufbahn fort“ betont die Gewerkschaft. Im neuen Landeshaushalt werde für die 1000 Führungskräfte des Landes das 7,5-fache jener Summe vorveranschlagt, die für die längst fällige Anpassung der Lehrergehälter vorgesehen ist. Der ASGB befürchtet, dass die dafür momentan vorgesehenen Gelder nicht einmal für eine korrekte Inflationsanpassung ausreichen werde.

Die Südtiroler Lehrpersonen hätten sich laut ASGB – nicht zuletzt aufgrund der Pandemie – lange in Geduld geübt. Jetzt fordern Sie: „Diese Loyalität muss einen fairen Lohn wert sein“.

Der ASGB fordert das Land Südtirol daher auf, der Bildung, „abgesehen von Sonntags- und Notstandsreden“, konkrete Zeichen der Wertschätzung entgegenzubringen. Nur so könne der Beruf attraktiv bleiben, und nur so würden mittel- und langfristig Personalengpässe aufgrund von Suspendierungen, Kündigungen, Pensionierungen und Abwanderungen der Fachkräfte ins Ausland abgefedert werden.

Des Weiteren wurde das Land dazu aufgefordert, die kollektivvertraglichen Verhandlungen umgehend wieder aufzunehmen sowie die nötigen Mittel zur Angleichung der Gehälter des Lehrpersonals der staatlichen Schulen an jene der Landeslehrpersonen bereitzustellen. Am Freitag wird ein gesamtstaatlicher Streik der Lehrpersonen ausgerufen.



Petra Nock, Vorsitzende der Lehrergewerkschaft des ASGB, betont im Gespräch mit STOL: „Wir fordern nicht Milliarden. Wir wollen ausschließlich die Angleichung der Gehälter gemessen an jenen der Lehrpersonen des Landes.“ Denn in Südtirol gebe es 2 Kategorien von Lehrpersonen, die Landeslehrpersonen und die Staatslehrpersonen, wobei die Staatslehrpersonen gegenüber den Landeslehrpersonen ökonomisch benachteiligt würden und trotz gleicher Arbeitsverrichtung das geringere Gehalt bezahlt bekommen, so Nock.

„Durch die Corona-Pandemie hat man uns auf die Wartebank gesetzt und wir hatten damals absolutes Verständnis dafür, jedoch ist jetzt nach 2 Jahren die Zeit gekommen, in der wir uns sagen, dass wir nicht länger warten wollen und etwas unternehmen müssen“, so Nock gegenüber STOL. Die Lehrer sollten alle die gleiche Entlohnung erhalten, denn es gebe keinen Grund eine Kategorie besser zu entlohnen als die andere, da es der gleiche Berufsstand sei und die gleiche Leistung erbracht werde.

pic