In dem osteuropäischen Staat selbst sieht die Bevölkerung den Eintritt in die krisengeschüttelte Euro-Gemeinschaft jedoch mehrheitlich kritisch.„Lettlands Wunsch den Euro einzuführen ist ein Zeichen des Vertrauens in unsere gemeinsame Währung“, wertete EU-Währungskommissar Olli Rehn den Schritt als ein Zeichen für die Erholung der europäischen Gemeinschaftswährung.Wer einen Zerfall der Währungsunion vorausgesagt habe, werde auch durch den Beitritt Lettlands widerlegt.Das letzte Wort liegt nun bei den EU-Mitgliedstaaten. Die Finanzminister wollen am 9. Juli endgültig über die Aufnahme des rund zwei Millionen Einwohner zählenden Ostseestaates entscheiden. Das Land hat aber keinen Widerspruch zu befürchten.Es steckte zwar in den Jahren 2008 und 2009 noch in einer schweren finanziellen und wirtschaftlichen Krise, leitete dann aber umfassende Reformen und ein hartes Sparprogramm ein.„Und es hat sich ausgezahlt: Lettland wird in diesem Jahr in der EU wahrscheinlich die am schnellsten wachsende Wirtschaft sein“, sagte Rehn.„Lettland hat sich vom Pleitestaat zum Musterschüler entwickelt“, bewertete der CSU-Finanzexperte im Europaparlament, Markus Ferber, den Werdegang des Landes. Der 2004 in die EU eingetretene osteuropäische Staat erfüllt nun deutlich die Voraussetzung für die Euro-Einführung.Dieses Zeugnis stellt Lettland auch die EU-Kommission aus.Das Defizit des Landes liegt beispielsweise in diesem und dem kommenden Jahr bei 1,2 Prozent der Wirtschaftsleistung und somit deutlich unter dem EU-Grenzwert von 3,0 Prozent. Auch der Schuldendstand von knapp 41 Prozent der nationalen Wirtschaftskraft unterschritt Ende 2012 die EU-Obergrenze von 60 Prozent.Das kleine Land steht damit deutlich besser da als Euro-Schwergewichte wie Frankreich, Spanien und Italien.Die Europäische Zentralbank (EZB) warnte Lettland allerdings davor, dass die in den vergangenen Jahren stark schwankende Inflationsrate in Zukunft wieder steigen könnte. Derzeit liegt sie bei etwa 1,3 Prozent.Lettland darf dann bald seine eigenen Euro-Münzen prägen und beispielsweise Vertreter in die Eurogruppe und den EZB-Rat entsenden.Auf Lettland kommen aber durch die Annahme des Euro auch Pflichten zu: Der Baltenstaat muss seine Banken der geplanten europäischen Bankenaufsicht unterstellen und dem Euro-Rettungsfonds ESM beitreten.Im Land selbst wird der von der Regierung angestrebte Euro-Beitritt aber durchaus skeptisch gesehen: Während etwas mehr als ein Drittel (36 Prozent) der Letten die Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung in einer Mitte Mai veröffentlichten Umfrage begrüßten, sprachen sich 62 Prozent der Befragten dagegen aus.Damit hat der Euro aber immerhin weniger Gegner in der Bevölkerung als noch im Oktober.Unter den lettischen Unternehmen begrüßt fast die Hälfte (45 Prozent) den Euro-Beitritt.Die Eurozone kämpft seit mehr als drei Jahren gegen die Schuldenkrise, die den europäischen Währungsraum mehrfach ernsthaft in Gefahr brachte.apa/afp