Samstag, 26. März 2016

Letzter „Independent“ auf Papier erschienen

Am Samstag ist der letzte „Independent“ auf Papier erschienen. Anderswo in London glaubt man an die Zukunft des Gedruckten und bringt eine neue Zeitung auf den Markt.

"Stop Press" stand in roten Buchstaben auf der weißen Titelseite des letzten gedruckten "Independent" vom Samstag.
"Stop Press" stand in roten Buchstaben auf der weißen Titelseite des letzten gedruckten "Independent" vom Samstag. - Foto: © APA/AFP

Knapp 30 Jahre, nachdem am 7. Oktober 1986 eine der jüngsten Zeitungen Großbritanniens erstmals an den Kiosken lag, ist diesen Samstag Schluss für die Druckausgabe: Der „Independent“, den man politisch als mitte-links verordnen kann, geht komplett online. Zieht er nur sein Sterben in die Länge oder ist das wegweisend? 

In der 9.193. und letzten gedruckten Ausgabe des "Independent" wurde zurückgeblickt auf die 30-jährige Geschichte der Zeitung. - Foto: afp

Für "Independent"-Besitzer Evgeny Lebedev ist die Sache klar. „Wir hatten eine Wahl: den kontinuierlichen Niedergang der Druck-Ausgabe zu verwalten oder die digitale Grundlage, die wir gebaut haben, in einen nachhaltige, profitable Zukunft umzuformen.“ Die Tageszeitung und die Sonntagsausgabe gehen daher online, den Ableger „i“ verkauft er. Mit dem Niedergang der Druckausgaben war der „Independent“ nicht alleine.

Allgemein gesprochen sind die Auflagen der landesweiten britischen Zeitungen über die vergangenen Jahre gefallen, während Nutzerzahlen der Online-Portale steigen. Die Gesamtzahl der verkauften Blätter fiel von Frühjahr 2014 bis Frühjahr 2015 um 7,6 Prozent – von 7,6 Millionen täglich auf gut 7 Millionen, wie der „Guardian“ auf Basis der ABC-Zahlen errechnete. Entsprechen sinken die Werbeeinnahmen. Nach wie vor testen Medien, wie sie online Geld verdienen können.

"New Day" geht den entgegengesetzten Weg

In diese Stimmung hinein erregt eine neue Zeitung Aufsehen – und zwar eine, die nicht einmal eine Website hat. Der „New Day“ sei die erste eigenständige, landesweit erscheinende Tageszeitung seit dem „Independent“-Start 1986, brüstet sich der Verlag Trinity Mirror, der mit dem „Mirror“ politisch linken Boulevardjournalismus macht. Das neue Blatt richtet sich vor allem an Frauen, es soll „optimistisch“ und politisch neutral sein.

Die Entscheidung für „New Day“ sei aus der Not heraus gefallen, sagt Chefredakteurin Alison Phillips dem „Guardian“. Um „Mirror“-Leser zurückzugewinnen, hätte man die Zeitung umkrempeln müssen. Ein neues Blatt schien einfacher. Besonders erfolgreich startete „New Day“ aber nicht. Trotz eines Einführungspreises von 25 Pence kletterten die Verkaufszahlen nicht auf die erhofften 200.000. Derzeit sollen sie bei 90.000 liegen.

An die Zukunft des Gedruckten glaubt Chefredakteurin Phillips trotzdem, wie sie sagt. Wer zu viel auf den Bildschirm schaue, habe ein schlechtes Gewissen. „Das ist mit Gedrucktem völlig anders. Damit verbindet man weiterhin, dass es etwas Gutes ist.“

apa/dpa

stol