„Es wäre ein Wahnsinn, jetzt unseren UniCredit-Anteil zu verkaufen, wir würden über eine Milliarde Euro verlieren. Libyens Beteiligung an UniCredit steht nicht zur Debatte. Das ist eine langfristige Investition“, sagte der Vize-Gouverneur der libyschen Zentralbank, Ali Mohammed Salem, im Interview mit der Mailänder Wirtschaftszeitung „Sole 24 Ore“ am Sonntag.Die Investmentbehörde LIA hält eine 1,8-prozentige Beteiligung an der italienischen Bank-Austria-Mutter, die libysche Zentralbank einen weiteren 3,6-prozentigen Anteil. Bis vor der Kapitalaufstockung im Frühjahr hielten die Libyer noch ein 7,6-prozentiges Aktienpaket. „Wir wollen einen Antrag einreichen, um einen Vertreter in den UniCredit-Aufsichtsrat zu hieven, weil wir immer noch einen hohen Anteil an UniCredit halten“, sagte Salem.Die libyschen UniCredit-Anteile sind seit März zusammen mit anderen Assets in Italien eingefroren. Dabei handelt es sich um Aktienbeteiligungen, Immobilien und Bankkonten, die nach Angaben des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) in den Haag direkt auf die Familie des verstorbenen libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi zurückzuführen sind. Die LIA beauftragte drei italienische Rechtsanwälte, den Antrag auf Rückgabe der Unternehmensbeteiligungen einzureichen, berichteten italienische Medien.Italien hatte im März im Auftrag des Strafgerichtshofes die Beteiligungen beschlagnahmt. Laut der Übergangsregierung in Tripolis stehen die Anteile im Besitz der LIA und der libyschen Investmentgesellschaft Lafico und sollten daher Libyen zurückgegeben werden. Die Regierung in Tripolis erkennt die Zuständigkeit des IStGH, der gegen Gaddafis Sohn Saif al-Islam und seinem Schwager Abdullah al-Senussi wegen Menschenrechtsverbrechen vorgehen will, nicht an. Tripolis bestreitet, dass ein ausländisches Gericht über die von Gaddafi begangenen Verbrechen urteilen könne. apa