Wir haben uns umgehört und teils überraschende Antworten erhalten. <BR /><BR />Seitdem bekannt wurde, dass die Luegbrücke 2 Jahre lang zur Großbaustelle wird, war in Südtirol Feuer am Dach. Nachdem den Fahrzeugen auf einer der wichtigsten alpenquerenden Transitrouten auf dem Streckenabschnitt zwischen Brennersee und Gries am Brenner die meiste Zeit nur eine Spur zur Verfügung stehen wird, warnte die Wirtschaft eindringlich vor Megastaus. Zu Recht, wie die ersten Tage der Einspurigkeit heuer zu Jahresbeginn zeigten: Wegen der Rückreisewelle standen die Pkw Richtung Norden Stoßstange an Stoßstange, von der Mautstelle Sterzing bis nach Gries am Brenner. Statt wie im Normalfall 20 Minuten brauchte man teilweise knapp 2 Stunden.<BR /><BR />Solche Chaostage sind glücklicherweise nicht zur Regel geworden, vor allem weil der österreichische Autobahnbetreiber Asfinag speziell an den Wochenenden die Strecke zweispurig geöffnet hat, um weitere Verkehrskollapse zu vermeiden. Im Jänner und Februar war das beispielsweise an 11 Tagen Richtung Süden und an 15 Tagen Richtung Norden der Fall. „Dieses Konzept verhinderte lange Verzögerungen und Staus nachweislich“, betont die Asfinag auf Nachfrage. Sie zieht daher bislang „ein positives erstes Resümee“.<h3>Frächter stöhnen unter Verzögerungen</h3>Dennoch bleibt die Situation vor allem für die Transporteure alles andere als einfach. Natürlich komme es immer wieder zu Staus, sagt Alexander Öhler, Frächterobmann im Wirtschaftsverband für Handwerk und Dienstleister (lvh). Teilweise sei man auch bis zu einem halben Tag länger unterwegs. Dabei seien die Betriebe auf pünktliche Lieferungen angewiesen. „Wenn die Fahrer stundenlang im Stau stehen, steigen die Kosten für alle – vom Produzenten bis zum Endverbraucher“, sagt Öhler. „Am schlimmsten ist es montags und freitags sowie mittwochs. Dabei ist derzeit die Lage ja noch relativ ruhig.“ Mit Sorgen blickt er daher Richtung Urlaubszeit: „Wir werden sehen, wie es im Sommer ausschaut, wenn wieder mehr Touristen unterwegs sind.“<BR /><BR />Die Frächter machen sich daher dafür stark, das Lkw-Nachtfahrverbot auf Nordtiroler Seite aufzuweichen: „Wenn wir in der Früh 2 Stunden früher starten dürften, um 3 Uhr statt um 5 Uhr, und abends 2 Stunden länger fahren könnten, bis 24 Uhr statt nur bis 22 Uhr – dann wäre schon viel geholfen“, sagt Öhler. Doch bislang habe sich in Nordtirol in der Frage nichts bewegt. „Aber wir hoffen immer noch auf den Dialog.“ Nicht zuletzt auch, weil es nicht nur um die Lösung des Problems „Luegbrücke“ gehe, sagt der Frächterchef. „Denn in den nächsten Jahren werden alle weiteren Brücken schrittweise auch zu sanieren sein.“<h3>HGV-Chef: „Hatten Schlimmeres befürchtet“</h3>„Die Zweispurigkeit an Spitzentagen hat sich bewährt“, sagt der Präsident des Hoteliers- und Gastwirteverbandes (HGV), Manfred Pinzger. Sieht die Zwischenbilanz also unterm Strich besser aus als ursprünglich erwartet? „Ja, mal abgesehen vom schlechten Start zu Jahresbeginn, hatten wir Schlimmeres befürchtet“, so Pinzger.<BR /><BR />Doch der HGV-Chef gibt auch zu bedenken, dass der Luegbrücke die große Belastungsprobe erst noch bevorstehe: „Es ist zu hoffen, dass sich die Situation in der Hauptreisezeit, wenn viel Verkehr Richtung Gardasee und Adria fließt, nicht verschlechtert.“<h3>Asfinag: „Zweispurigkeit an Ostern“</h3>Hier versucht die Asfinag zu beruhigen: „Ab Ostern werden die Tage mit zweispurigen Verkehrsführungen deutlich erhöht, um auf den Reiseverkehr Rücksicht zu nehmen.“<BR /><BR />Auch für die Monate danach rechnet die Asfinag nicht mit großen Behinderungen: „Wir haben für das gesamte Jahr 2025 ein klares Konzept – dieses Konzept sah immer vor, speziell in den Sommermonaten möglichst hohe Kapazitäten auf der Luegbrücke bereitzustellen. Für den Sommer können wir also versprechen: Einer Reise über den Brenner steht nichts im Wege. Niemand muss sich Sorgen machen, nicht an seinen Urlaubsort zu gelangen.“<BR /><BR />Und was ist mit den Sorgen, dass die Urlauber schon allein angesichts möglicher Staus von Südtirol fernbleiben könnten? Auch diese Befürchtung ist nicht wahr geworden – bislang zumindest nicht. „Die Urlauber sind informiert und wir stellen fest, dass sie ihre Anreise anders organisieren, etwa schon am Vormittag am Urlaubsort eintreffen, nicht erst abends. Sie passen sich an. Das ist positiv zu vermerken“, so Pinzger.<h3>Gries am Brenner: „Super-Gau steht bevor“</h3>Was werden die nächsten Monate bringen? Diese Frage stellen sich auch die Bewohner der Gemeinde Gries am Brenner, die quasi direkt neben der Baustelle leben. Unter den Stautagen zu Jahresbeginn habe die Bevölkerung schon sehr gelitten, berichtet Bürgermeister Karl Mühlsteiger. „Wir waren mehr oder weniger von der Außenwelt abgeschnitten, weil man über sämtliche Korridore entweder nicht von zuhause weg oder nicht dorthin zurückgekommen ist. Das ist ein Eingriff in die Freiheitsrechte, das muss man einfach so sagen.“<BR /><BR />Mittlerweile habe sich die Situation zwar etwas eingependelt, doch der Bürgermeister fürchtet, dass den Bürgern der „Super-Gau“ erst noch bevorsteht. Und das schon bald. „Wir vermuten, dass es so richtig schlimm wird, wenn die Baustelle mit Ende des Monats richtig durchstarten wird, da erwarten wir viele Chaostage.“<BR /><BR />So hinnehmen will der Bürgermeister die Situation nicht. Vielmehr kündigt er für die nächsten Monate eine Protestaktion mit Blockade der A13 an. Damit wolle man darauf aufmerksam machen, was die heimische Bevölkerung mitmache, und nochmal die wichtigsten Forderungen aufs Tapet bringen. Allen voran: ein Lärmschutz für die gesamte Region wie in Zedernhaus (Salzburg), wo die Tauernautobahn für eineinhalb Kilometer eingehaust wurde. Zudem dürfe an den Lkw-Nachtfahrverboten sowie sektoralen Fahrverboten nicht gerüttelt werden, betont Mühlsteiger. Und weiter: „Wenn diese Forderungen keine Früchte tragen, werden weitere Blockaden folgen.“<BR /><BR />Bereits im Herbst hatte Mühlsteiger einen Antrag für eine solche Protestversammlung gestellt, die war aber von der Bezirkshauptmannschaft Innsbruck-Land nicht genehmigt worden. „Damals hieß es, die Vorlaufzeit war zu kurz. Daraus haben wir gelernt. Wir werden den Antrag demnächst einreichen.“ Indes kündigte die Polizeiinspektion Steinach-Wipptal an, künftig 38 statt wie bisher 26 Beamte für die Brennerautobahn einzusetzen. <BR /><BR />Die Luegbrücke dürfte damit noch eine Weile für einigen Gesprächsstoff sorgen.