Die Brennerachse zählt zu den wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen Europas. Vergangenes Jahr fuhren 9 Millionen Pkw und 2,4 Millionen Lkw mit Waren im Wert von rund 150 Milliarden Euro über den Brenner. Dass ab 2025 der Verkehr auf dieser so wichtigen Route wegen der Arbeiten an der Luegbrücke stark eingeschränkt wird, beunruhigt daher besonders Frächter und Wirtschaftsverbände. <BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/artikel/wirtschaft/luegbruecke-doch-zweispurig-der-plan-gegen-den-kollaps" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Die Brücke wird außer an 170 verkehrsreichen Tagen nur einspurig befahrbar sein</a> – kilometerlange Staus und stundenlanger Zeitverlust sind die Folgen. Der wirtschaftliche Schaden, der daraus resultiert, geht in die Millionenhöhe, zeigt eine Studie von Uniontrasporti, die am Montag in der Handelskammer Bozen vorgestellt wurde.<BR /><h3> Schaden in Millionenhöhe</h3>In der Studie werden 2 Szenarien beleuchtet und die Folgen für Italiens Wirtschaft aufgezeigt. Das erste Szenario beschreibt die Situation, die ab dem nächsten Jahr eintreten wird: Eine Spur pro Fahrtrichtung, während an bestimmten verkehrsreichen Tagen 2 Fahrspuren zur Verfügung stehen. „Solch ein Szenario führt wegen des Zeitverlusts zu jährlichen Mehrkosten von 174 Millionen Euro“, erklärt Antonello Fontanili, Direktor von Uniontrasporti. <BR /><BR />Etwa 90 Prozent des Wirtschaftsverkehrs würden die Route weiterhin nutzen und dabei Verzögerungen sowie zusätzliche Kosten in Kauf nehmen. Rund 27 Prozent des Leichtverkehrs hingegen würden alternative Routen wählen.<h3> Worst-Case-Szenario: Vollständige Sperrung</h3>Im Worst-Case-Szenario wird von einer vollständigen Sperrung der Autobahn ausgegangen. In diesem Fall würden die Kosten aufgrund des erhöhten Zeitaufwands auf jährlich 640 Millionen Euro steigen.<BR /><BR />Lkws würden vor allem auf die Routen über Tarvis, den Gotthardpass und den San-Bernardino-Pass ausweichen. Pkw würden, sofern erlaubt, die parallel verlaufende Brennerstaatsstraße und die Reschenroute nutzen. „Der Verkehrsfluss im Vinschgau würde sich mehr als verdoppeln“, sagt Fontanili. Darüber hinaus würde ein erhöhtes Verkehrsaufkommen die Unfallgefahr und Luftverschmutzung erhöhen. <h3> „Nachtfahrverbot auflösen“</h3>Die Folgen solcher Einschränkungen gehen jedoch weit über einen bloßen Zeitverlust hinaus. Frächter und Unternehmer befürchten, dass viele Handelspartner sich nach alternativen Lösungen und Partnern umsehen könnten, was dazu führen würde, dass bestehende Verträge und Beziehungen zu italienischen Unternehmen aufgekündigt werden. „Das zeigt sich auch im Aostatal, wo eine vergleichbare Situation bereits zu negativen Konsequenzen geführt hat“, erklärt Fontanili.<BR /><BR />Um diesen nachteiligen Entwicklungen entgegenzuwirken, empfiehlt die Studie, die Verfügbarkeit von 2 Fahrspuren an 365 Tagen im Jahr zu erhöhen und die Nutzung der Rollenden Landstraße (RoLa) auszubauen. <BR /><BR />„Entscheidend ist jedoch die Aufhebung des Nachtfahrverbots, um die Kapazitäten zu erweitern“, betonen Handelskammerpräsident Michl Ebner und Andrea De Zordo, Präsident der Handelskammer Trient. Laut Studie könnte durch eine Aufhebung des Nachtfahrverbots der durchschnittliche Verkehrsstrom von aktuell 556 Schwerfahrzeugen pro Stunde auf 339 reduziert werden. „Der Verkehr würde sich über den gesamten Tag besser verteilen“, so Ebner. <BR /><BR />Dem schließt sich auch Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider an: „Man muss die Kapazitäten der Autobahn während der Nachtstunden nutzen, besonders in solchen außerordentlichen Situationen.“ Doch nicht nur für den Warenverkehr, sondern auch für den Tourismus spiele die Erreichbarkeit eine enorme Rolle, betont Landesrat Luis Walcher: „Es braucht daher eine Lösung auf Euregio-Ebene.“