<b> Herr Brunner, der SWR ist Dachorganisation und Sprachrohr der Wirtschaft – bleibt öffentlich aber oft erstaunlich leise. Wollen Sie das ändern?</b><BR /><BR />Lukas Brunner: Der Wirtschaftsring ist breit aufgestellt und vereint unterschiedliche Branchen und Interessen. Gerade deshalb liegt unsere Stärke weniger in der Lautstärke als in der Qualität und Geschlossenheit unserer Positionen. Als Dachorganisation ist es unsere Aufgabe, diese Interessen intern sorgfältig abzustimmen und gezielt in politische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse einzubringen. Es geht nicht darum, zu jedem Thema sofort öffentlich Stellung zu beziehen, sondern dort klar und wirksam aufzutreten, wo es wirklich relevant ist.<BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><b>In der Tourismusdebatte der letzten Jahre war der SWR kaum präsent. Das hat nicht allen gefallen. </b><BR />Brunner: Im Südtiroler Wirtschaftsring besteht Einigkeit darüber, dass es nicht zielführend ist, einzelne Branchen für komplexe Entwicklungen verantwortlich zu machen. Landwirtschaft, Industrie, Handwerk, Handel und Dienstleistungen, Freiberufler und auch der Tourismus sind alle Teil eines gemeinsamen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gefüges, das unserem Land in den letzten Jahrzehnten zu großem Wohlstand geführt hat.<BR /><BR />Mein Appell ist: Suchen wir nicht nach Schuldigen, starren wir nicht auf Probleme, sondern arbeiten wir an konkreten und umsetzbaren Lösungen.<BR /><BR /><b>Dennoch: Sie kommen aus dem Tourismus. Kann der SWR zu einer besseren Tourismusgesinnung beitragen?</b><BR /><BR />Brunner: Vor nicht einmal zwei Jahren hat eine Studie des Wifo der Handelskammer Bozen gezeigt, dass die Südtirolerinnen und Südtiroler insgesamt ein recht positives Bild von den verschiedenen Wirtschaftssektoren haben – auch vom Tourismus. Auch Professor Bausch von der Freien Universität Bozen hat in einer breit angelegten Untersuchung aufgezeigt, was im Tourismus und in anderen Branchen gut funktioniert und wo es Verbesserungsbedarf gibt. Das Ergebnis war für alle Wirtschaftszweige überraschend positiv.<BR /><BR />Sollte diese Akzeptanz der Wirtschaft gegenüber jedoch spürbar zurückgehen, ist auch der Südtiroler Wirtschaftsring gefordert. Dann gilt es, die Themen offen anzusprechen, gemeinsam mit den Sozialpartnern nach Lösungen zu suchen und den Dialog mit der Bevölkerung aktiv zu führen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-74115349_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Was sind die wichtigsten Baustellen Ihrer Amtszeit?</b><BR /><BR />Brunner: Ich habe mich in den vergangenen Wochen intensiv mit der 50-jährigen Geschichte des Südtiroler Wirtschaftsrings und damit auch mit der Entwicklung unserer heimischen Wirtschaft beschäftigt. Dabei wird deutlich: Viele der zentralen Themen und Herausforderungen sind im Kern die gleichen geblieben. Oder, wie es ein Handwerker treffend sagen würde: Man muss das Rad nicht neu erfinden. Wichtig ist daher vor allem eines...<BR /><BR /><BR /><b>Nämlich?<BR /></b><BR />Brunner: Dass wir uns eine positive und zuversichtliche Haltung zur Wirtschaft bewahren. Gleichzeitig müssen wir uns stärker als bisher für stabile und verlässliche Rahmenbedingungen einsetzen – hier besteht aktuell klarer Handlungsbedarf.<BR /><BR />Und schließlich sehe ich einen entscheidenden Schwerpunkt in der Innovation: Gerade in den Bereichen Energie, Mobilität und Digitalisierung müssen wir unsere Chancen konsequent nutzen und unsere Innovationskraft gezielt weiterentwickeln.