Trotz aller Diskussionen der vergangenen Monate und Jahre: Der Tourismus ist zweifellos eine der zentralen Säulen der Südtiroler Wirtschaft. Ohne den Tourismus hätten wir hier im Lande nicht den Wohlstand, mit dem wir uns alle rühmen. <BR /><BR />Nichtsdestotrotz: Der Tourismus bringt Herausforderungen mit sich, die in den vergangenen Jahren verstärkt in den Fokus gerückt sind. Die Diskussion um Overtourism ist nicht neu, gewinnt aber zunehmend an Brisanz. <BR /><BR /><embed id="dtext86-68565271_quote" /><BR /><BR />Dabei muss differenziert werden: Während einige Orte – wie die Dolomitenregion, die Seiser Alm oder das Hochpustertal – tatsächlich unter einer Überlastung leiden, gibt es viele Gebiete in Südtirol, in denen der Tourismus maßvoll bleibt und die positiven Effekte überwiegen. <BR /><BR />Die Overtourism-Diskussion wird von Touristikern gerne belächelt und als Unsinn abgetan. Doch Vorsicht: Man darf nicht von den Einheimischen verlangen, dass sie immer alles hinnehmen – riesige Hotelbauten, verstopfte Straßen, Lärm – gleichzeitig aber nichts davon haben. <BR /><BR /><embed id="dtext86-68565272_quote" /><BR /><BR />Nicht falsch verstehen: Natürlich haben die Einheimischen etwas vom florierenden Tourismus im Land: Arbeitsplätze und gestiegenen Wohlstand.<BR /><BR /> Doch nicht nur der Wohlstand ist gestiegen – auch die Preise. Viele Südtiroler tun sich schwer, mit ihrer Familie in einem Restaurant essen zu gehen. Die Preise sind mancherorts nämlich nahezu weltmeisterlich. <BR /><BR />Aber eines der größten Probleme, das die Tourismusgesinnung der Südtiroler stark ins Negative treiben lässt: Während die touristische Infrastruktur während der Hochsaison auf Hochtouren läuft, sieht es in den Nebensaisonen oft ganz anders aus. <BR /><BR /><embed id="dtext86-68565273_quote" /><BR /><BR />Besonders in den Wintermonaten tut man sich vom Ritten bis Salurn schwer, offene Restaurants und Bars zu finden – mancherorts bleibt das gastronomische Angebot sogar bis Ostern spärlich. Dies betrifft nicht nur kleinere Dörfer, sondern auch größere Gemeinden, in denen das Leben außerhalb der Hauptsaison spürbar zurückgeht. <BR /><BR />Diese Entwicklung ist problematisch, denn sie verstärkt das Gefühl der Entfremdung zwischen Bevölkerung und Tourismus. Wenn Gasthäuser und Cafés für Gäste aus aller Welt offenstehen, während die Einheimischen im Winter kaum Möglichkeiten haben, sich in ihrer Umgebung kulinarisch zu treffen, entsteht eine Schieflage. <BR /><BR />Tourismus sollte nicht nur als wirtschaftliche Einnahmequelle gesehen werden, sondern auch als Teil der regionalen Identität – eine Identität, die das ganze Jahr über gelebt werden sollte.<BR /><BR /> <a href="mailto:arnold.sorg@athesia.it" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">arnold.sorg@athesia.it</a>