In Italien schlagen die Branchenverbände Alarm und fordern Unterstützung von der Regierung.<BR /><BR />Die Lage am internationalen Papiermarkt ist in den letzten Jahren immer schwieriger geworden. Papier, vor allem jenes, das für Zeitungen und Bücher gebraucht wird, ist mittlerweile rar und teuer. Dass diese sogenannten grafische Papier schwer aufzutreiben sind, hat mit einer ganzen Reihe von Gründen zu tun. <BR /><BR />So sind die Preise für die Rohstoffe, aus denen Papier hergestellt wird – Altpapier und Zellulose – deutlich gestiegen. Kostete beispielsweise eine Tonne Zellulose auf dem deutschen Markt Ende 2020 noch rund 650 Euro, waren es ein Jahr später mehr als 1000 Euro. <BR /><BR />Es gibt aber noch andere Ursachen. Zum Beispiel die geänderten Lebensgewohnheiten der Menschen, wie Massimo Medugno, Generaldirektor des italienischen Verbandes der Papier- und Kartonhersteller Assocarta, jüngst in der Tageszeitung „Domani“ erklärte. „Bis vor 10 Jahren machte die Produktion von grafischen Papieren 50 Prozent der Gesamtproduktion aus, heute sind wir bei 25 Prozent, während der Löwenanteil nun den Verpackungspapieren gehört.“ <h3> Der Amazon-Effekt</h3>Denn während auf der einen Seite die Auflagen von Zeitschriften und Zeitungen – zugunsten von Onlinemedien – sanken, wuchs in den vergangenen Jahren in Italien und ganz Europa mit dem Boom des Onlinehandels die Nachfrage nach Kartonen und Wellpappe als Verpackungsmaterial. Für die Papierfabriken war die Frage „Für Zeitungen produzieren oder für Amazon, Zalando & Co.?“ bald beantwortet. Zumal die Umstellung von der Produktion von Zeitungspapier auf Karton keiner großen Investitionen bedarf. So sind in den vergangenen Jahren allein auf dem italienischen Markt 1,6 Millionen Tonnen Papier für Zeitungen und Bücher „verschwunden“, wie „Domani“ berichtet.<BR /><BR />„Vor dieser großen Umstellungswelle waren es die Käufer, die den Papierpreis bestimmt haben, sprich die Verlage“, erklärt Medugno. Damals gab es mehr Papier als Leser, mehr Angebot als Nachfrage. Dann haben die Fabriken begonnen, für die Onlinehändler zu produzieren. „Und der Markt hat sich gedreht: Grafisches Papier ist knapp und teuer zu bezahlen.“ Dass die Preise für Papier um 70 Prozent gestiegen sind, ist laut dem Assocarta-Generaldirektor somit ein strukturelles Problem, kein vorübergehendes. <h3> „Papier so rar wie Mikrochips“</h3>Riccardo Cavallero vom Mailänder Verlag Sem Libri hat in einem Interview mit „Huffington Post“ die Papierknappheit sogar mit dem internationalen Chipmangel verglichen. „So wie den Autoherstellern die Mikrochips fehlen, fehlt unserer Industrie das Papier, um Bücher herzustellen, und das in einer Zeit, in der sie es am meisten braucht.“<BR /><BR />Erschwerend dazu kommen jetzt auch noch die massiv gestiegenen Energiepreise. Für Branchenvertreter ist die Situation alarmierend. „Der Anstieg der Energiepreise führt bereits jetzt dazu, dass einige Produktionssegmente, wie zum Beispiel die im Tiefdruckverfahren hergestellten Zeitschriften, vom Stillstand bedroht sind. Und für alle Verlags- und Akzidenzdruckereien hat der Anstieg der Papierkosten ein solches Ausmaß angenommen, dass alle Gewinnspannen erodiert sind, weil es schwierig ist, diese Preiserhöhungen an die Endkunden weiterzugeben“, sagt Emanuele Bona, Vorsitzender der Vereinigung Papier und Grafik (Federazione Carta e grafica).<BR /><BR />Ricardo Franco Levi, Präsident der AIE, bezeichnet die Preiserhöhungen als „unerträglich“. Sie würden auf die Gewinnspannen aller Verlage drücken, sodass das Risiko bestehe, die Preise von Büchern erhöhen zu müssen. „Nach 2 sehr positiven Jahren wirkt der Papiernotstand wie eine ernsthafte Bedrohung für die Welt der Bücher“, so Levi. <BR /><BR />Gemeinsam fordern sie deshalb von der italienischen Regierung eine Steuergutschrift für den Kauf von grafischem Papier für Verlagszwecke. „Dies ist eine dringende Maßnahme für die Nachhaltigkeit des Verlagswesens und notwendig, um zur Widerstandsfähigkeit des Sektors beizutragen, der für das Land von größter Bedeutung ist und schon jetzt mit den schwierigen Herausforderungen des Marktes zu kämpfen hat“, heißt es in der gemeinsamen Aussendung.<BR /><BR />Einige Verlage mussten bereits ihre Konsequenzen ziehen: Die Tageszeitung „La repubblica“ ist seit kurzem 20 Cent teurer. Und die Tageszeitung „Domani“ verwendet mittlerweile statt des hochwertigen 52-Gramm-Papieres nun das leichtere 42-Gramm-Papier. Das dickere Papier gibt es gar nicht mehr.